Studienrat mit Schutzgöttin

Um Einbrecher abzuschrecken, sehen Isis-Mitarbeiter regelmäßig zu verschiedenen Zeiten an Betrieben und Privathäusern nach dem Rechten. Hier am Autohaus Forster in Altenstadt/WN. Bild: Schönberger
Lokales
Störnstein
08.08.2015
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Er trägt oft schwarz, betreibt Kampfsport und verehrt Isis. Wer jetzt an einen glaubensfanatischen Kopfabschneider denkt, liegt falsch. Florian Meier passt eher auf, dass keiner Ärger macht. Der Gründer eines Sicherheitsdienstes hat schon Angela Merkel beschützt. Aber eigentlich ist er Realschullehrer.

Arme wie kräftige Buchenäste, ein deltaförmiger Oberkörper und beneidenswerte Schulterberge: Mit so einem legt man sich besser nicht an. Doch warum hat er ausgerechnet den Schriftzug "Isis" auf dem Poloshirt? Die Homepage des gleichnamigen Unternehmens klärt auf: "Isis, die alt-ägyptische Schutzgöttin, ist bekannt durch ihre großen Flügel - sie bewacht Heim und Haus. So übernehmen auch wir als Sicherheitdienst Ihren persönlichen Schutz."

Von allen anderen Interpretationen des Firmennamens distanziert sich Florian Meier. Genauso wie von Klischees, die um einen Bereich seines Jobs kreisen. Der 28-jährige Störnsteiner ist ab und an Türsteher in Discotheken oder bei Großveranstaltungen. Solche Jungs tauchen schon mal in Schlagzeilen über Rockerbanden und Zuhälterei auf.

Meier arbeitet dagegen an: "Einen guten Türsteher erkennt man nicht nur an der Muskulatur, sondern am pädagogischen Einfühlungsvermögen." Womit Meiers Studium der Fächer Sport und Wirtschaftswissenschaften an der Uni Bayreuth ins Spiel kommt. Weil es mit dieser Kombination schwierig ist, an Realschulen der Region anzudocken, unterrichtet der Studienrat nun als Sonderpädagoge in Tirschenreuth. "Türsteher und Lehrer zu sein, ist nur auf den ersten Blick paradox. In beiden Fällen muss man positiv auf das Gegenüber einwirken und Konflikte kommunikativ lösen." Dabei helfe die Erfahrung aus der Schule auch, wenn ein Betrunkener an der Tür Stress mache. "Ruhig und freundlich bleiben", lautet das Rezept. Nicht immer einfach, wenn ein Abgewiesener sein Schimpfwort-Repertoire rauf und runter dekliniert oder auf Provokation aus ist.

Betrüger bei Wagner

"In der Discothek Rosenau in Bayreuth hat mal ein Jura-Erstsemester zu mir gesagt, dass manche Menschen Richter, Anwalt oder Lehrer werden und andere eben nur Türsteher." Meier kann über so etwas lachen. "Du brauchst einfach Frustrationstoleranz." Bleibt das Image des Türstehers als arroganter Laienrichter des Nachtlebens, der nur reinlässt, bei wem ihm gerade die Nase gefällt. "Ich selbst mache keine Unterschiede. Mir ist jeder willkommen, der freundlich ist. Alles andere gibt der Veranstalter vor. Danach habe ich mich zu richten."

Das ist manchmal nicht so leicht. Als Security-Mann bei den Wagner-Festspielen muss Meier die Gesichter vieler - auch ausländischer - Minister, Staatssekretäre oder von A-, B- und C-Promis kennen. "Die zeigen nicht so gern unaufgefordert die Karten vor." Meier hat mehrmals erlebt, dass jemand versucht hat, mit einem gefälschten Ticket Zugang zu "Rheingold" zu bekommen.

Eine angenehme Wagnerianerin sei die Bundeskanzlerin, die durch Seiteneingänge ins Festspielhaus geschleust wird. "Höflich, grüßt immer." Auch mit Thomas Gottschalk war Meier auf dem grünen Hügel auf Tuchfühlung. Sein Lieblingspromi ist aber Bundespräsident Joachim Gauck, den er bei der Weihnachtsansprache an der Uni Bayreuth beschützen musste. "Der ist super drauf und macht gerne Späße."

Lehrerkollege bei Löwen

Auch Profi-Kicker hat Meier kennengelernt. "Sebastian Kehl musste ich in der Rosenau mal darauf hinweisen, dass er sein Glas nicht mit auf die Straße nehmen darf." Das Herz des Störnsteiners schlägt für die Münchner Löwen, mit denen er enge Kontakte pflegt, seit er ein Vorbereitungsspiel der Sechziger in Mitterteich abgesichert hat.

Dabei hat er den damaligen Kapitän Guy Vallori als Kumpel gewonnen. Meier hat sich mit dem Spanier auf Anhieb gut verstanden. "Vielleicht weil er auch Lehrer ist." Mit den Löwen-Spielern geht er privat schon mal aufs Oktoberfest. Erst als sie zuletzt wieder auf dem Platz standen, war die Frustrationstoleranz des Störnsteiners gefordert.
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