Da stimmt die Chemie

Johann Krichenbauer könnte sich zurzeit keinen schöneren Job vorstellen, als Bürgermeister in Burgkirchen an der Alz zu sein. Der gebürtige Störnsteiner ist dort seit 2012 Rathauschef. Bild: hfz
Politik
Störnstein
10.09.2015
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Auswärtige Oberpfälzer kennen Störnstein vor allem wegen Kriechenbauer, dem Schnapsbrenner. Oberbayern verbinden die Gemeinde höchstens mit Krichenbauer, dem Bürgermeister von Burgkirchen an der Alz.

Nicht nur ein "e" fehlt zwischen den beiden. Brenner Wolfgang Kriechenbauer und Rathauschef Johann Krichenbauer sind weder verwandt noch verschwägert. Der Bürgermeister hat seinen Heimatort, in dem er 1962 geboren wurde, nach dem Realschulabschluss in Neustadt und einer Lehre bei der Schmidt-Bank in der Weidener Bahnhofstraße verlassen. 1982 kam er zur Bundeswehr nach Regensburg. Von dort zog es ihn immer weiter südwärts. Zunächst nach Landshut, dann nach Oberbayern.

Als Berufssoldat holte Krichenbauer das Fachabitur nach und schlug die Offizierslaufbahn ein. Nachdem das Panzerartilleriebataillon in Landshut, wo er zuletzt gedient hatte, aufgelöst worden war, kehrte er dem Militär den Rücken. 1993 begann er eine Ausbildung für den gehobenen Dienst beim Freistaat.

Stressig und herrlich

Das schuf die Voraussetzung für seine heutige Aufgabe, die er so beschreibt: "Bürgermeister ist der beschissenste Job, den man machen kann, aber der schönste Beruf der Welt." Will heißen: Auch wenn es manchmal nervt, "ich habe hier Erfüllung gefunden und gehe jeden Tag begeistert in die Arbeit". Seine 10 000-Einwohner-Stadt im Landkreis Altötting steht auch ganz proper da. Sie ist Bayerns zweitgrößter Chemiestandort.

Burgkirchen beherbergt einen Industriepark, in dem 4500 Menschen arbeiten. Dort werden allerdings keine Endprodukte gefertigt. "Es heißt aber, dass jeder Deutsche täglich mit Technik aus Burgkirchen in Berührung kommt", sagt der zugereiste Stadtchef stolz über seine Wahlheimat. Chemie in Teflonpfannen, Waschmitteln, Seifen oder Kabelisolierungen kommen aus seiner Stadt. "Das Flugzeug-Enteisungsmittel ist bei uns erfunden worden." Das bedeutet nicht, dass die Gewerbesteuer munter sprudelt, räumt der 53-Jährige ein. Dennoch: "Wenn wir jammern, dann auf hohem Niveau." Der Kämmerer verwaltet einen 30-Millionen-Euro-Haushalt.

Krichenbauer ist seit 2012 im Amt. Sein Vorgänger war überraschend gestorben. Der Störnsteiner hatte auf der Liste der Freien Wähler kandidiert, ist aber nicht Mitglied. Zuvor hatte er keine Erfahrung in einem Stadt- oder Gemeinderat. "Für die Wahl war wohl ausschlaggebend, dass ich immer in Gemeindeverwaltungen gearbeitet habe und im Landkreis bekannt war." Bevor er Bürgermeister wurde, hat Krichenbauer als geschäftsleitender Beamter in Reit in Winkl und bei der Stadt Altötting Verantwortung getragen. Zudem bekam er Einblicke in etliche Gemeindefinanzen in Südost-Bayern, als er für den Kommunalen Prüfungsverband Ausgaben und Einnahmen unter die Lupe nahm. Dabei lernte er seine zweite Frau kennen, eine Burgkirchenerin. Mit ihr hat er einen siebenjährigen Sohn. Aus einer früheren Ehe stammen zwei mittlerweile erwachsene Töchter.

Wechselnde Mehrheiten

Im Rathaus ist das Stadtoberhaupt auf wechselnde Mehrheiten angewiesen. Im 24-köpfigen Stadtrat sind die Sitze gut verteilt: 11 CSU, 6 Freie Wähler, 5 SPD, 2 Grüne. "Das macht es spannend. Aber genauso sollte ja Kommunalpolitik sein: unabhängig."

Ab und an holt sich Krichenbauer Rat beim Störnsteiner Altbürgermeister Konrad Kraus, der ihn öfter besucht. Dabei kommt das Gespräch manchmal auf den kleinen Spar-Laden, den Krichenbauers Eltern in der Nähe des Störnsteiner Kirchplatzes betrieben haben. Die Mutter ist noch am Leben. Weil der Sohn wenig Zeit hat, in die Oberpfalz zu kommen, holt er sie ab und an nach Burgkirchen. Der Bruder lebt in Schirmitz.

"Man kennt mich daheim noch", freut sich der Wahl-Oberbayer. Er war in Störnstein in der Feuerwehr aktiv, kickte beim Sportverein und engagierte sich beim Rettungsdienst des Roten Kreuzes in Neustadt. Rund um Altötting trifft er immer wieder Landsleute. Etliche Oberpfälzer arbeiten dort in der Chemiebranche. "Erst kürzlich kam ich auf einem 60. Geburtstag mit einem Mann ins Gespräch, der aus der Gramau in Neustadt stammt, und im Kindergarten haben wir eine Erzieherin aus Rothenstadt."
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