Wetterstation in Störnstein bestätigt weltweiten Trend der Klimaerwärmung
Hitze vertreibt frostige Tage

David Frahnows Wetteraufzeichnungen belegen, dass der weltweite Trend der Klimaerwärmung auch vor Störnstein nicht haltmacht. Gleichzeitig fällt immer weniger Niederschlag. Grafik: NT/AZ
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Störnstein
28.01.2016
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David Frahnow ist in Störnstein aufgewachsen. Im Garten seiner Eltern hat er eine private Wetterstation aufgebaut, die er regelmäßig wartet. Mittlerweile wohnt er in Hamburg und wertet die Daten per Internet aus. Bild: hfz

"Man liest viel über die Klimaveränderung", sagt David Frahnow. Dass es in Störnstein seit einigen Jahren weniger regnet und die Temperaturen steigen, hat der Hamburger schwarz auf weiß.

Frahnows private Wetterstation steht auf 457 Metern über Normal Null im Garten seiner Eltern in Störnstein. Seit 2001 zeichnet er hier das Wettergeschehen auf. 2005 stellte er auf automatischen Betrieb um und registriert die Daten via Internet in Hamburg.

Im langjährigen Temperaturmittel 2001 bis 2010 von 7,6 Grad liegt die Abweichung für 2015 in Störnstein bei 1,9 Kelvin. Diese Einheit bezeichnet die Temperaturdifferenz, die hier ein Zehntel niedriger liegt als im Rekordjahr 2014. Die durchschnittliche Jahrestemperatur liegt bei 9,53 Grad. Beachtlich ist die Abweichung im Dezember von 6,36 Kelvin nach oben. Als Grund bezeichnet der Wetterbeobachter die südwestliche Luftströmung. "So brachte ein Tief nach dem anderen die milde Luft zu uns."

Den heißesten Tag registrierte Frahnow am 7. August mit 36,0 Grad. "Es war die zweite große Hitzewelle, die wir im Sommer hatten." Bei der ersten im Juli stieg in Störnstein das Thermometer in Frahnows Klimahütte auf 35,8 Grad.

Ein kräftiger Landregen


Von Unwettern blieb Störnstein 2015 verschont. Lediglich wenige Hagelkörner mit einem Zentimeter Größe fanden sich an einem Tag in der Station. Einen Starkregen, in dem binnen sechs Stunden über 25 Millimeter Niederschlag fällt, beobachtete der Wetterfreak nicht.

"Nur am 20. November beim Sturmtief 'Jürgen' gab es kräftigen Landregen mit 40,3 Millimetern Niederschlag." Die 692,5 Millimeter Regen und Schnee im Jahr 2015 sind 148,5 Millimeter weniger als im 10-jährigen Niederschlagsmittel.

Stürmisch war es im März. Tief "Niklas" blies auch in der Oberpfalz heftig. Am 30. März maß Frahnow eine Böe von 92,4 Stundenkilometern. "Dies ist Windstärke 10." Im Umland wurden zum Teil Orkan-Böen registriert. Die Station Primda in Tschechien meldete Sturm mit 133 Stundenkilometer, in Weiden gab es 86, in Grafenwöhr 70 und in Kümmersbruck 94 Stundenkilometer.

Bemerkenswert nennt es Frahnow, dass er 2015 nur 7 Eistage, an denen das Thermometer nie über 0 Grad anzeigte, gemessen hat. "Sowenig wie noch nie." Im Jahresmittel gebe es 36 Eistage im Winter. In Erinnerung liegt das Jahr 2010 mit 68 Eistagen in Störnstein.

Über 30 Grad


Des Weiteren gab es 64 Frosttage, an denen die Temperatur unter 0 Grad sank. Das sind beachtliche 43 weniger als im Jahresmittel. Dafür gab es 24 heiße Tage, das sind 17 mehr als im Mittel, mit einer Höchsttemperatur über 30 Grad. Der Hitzesommer 2003 bescherte nur 19 heiße Tage. Vermehrt wurden in Deutschland Tropennächte erreicht. Das war in Störnstein anders. Die höchste Tiefsttemperatur registrierte die Station am 10. August mit 19,5 Grad. Insgesamt gab es 5 Tage, an denen die Tiefsttemperatur über 19,0 Grad lag.

Zur PersonDer 32-jährige David Frahnow wuchs in Störnstein auf und betreibt im Garten der Eltern seit 2000 eine private Wetterstation. Die ersten fünf Jahre wertete er die Daten vor Ort aus, dann zog er nach Hamburg, wo er in der Kundenbetreuung der U-Bahn arbeitet.

Zuvor rüstete er die Station auf Online-Betrieb auf. Nun kann er sich von Norddeutschland aus über den PC seiner Mutter in Störnstein einloggen und die Informationen über Temperatur, Niederschlag und Windverhältnisse verarbeiten.

Drei bis vier Mal pro Jahr kommt Frahnow in die Oberpfalz, besucht Familie und Freunde und kümmert sich um sein Hobby. Batteriewechsel, Saubermachen und Wartung sind dann an dem Wetterhäuschen angesagt. "Die Erfahrung zeigt, dass die Sensoren drei Jahre halten. Dann müssen sie erneuert werden." Für einen Laien sei die Station gut ausgestattet, aber nicht vergleichbar mit einer professionellen, gibt sich Frahnow bescheiden. "Ich habe zwei Thermometer drin, falls eins ausfällt."

Auf www.wetterdiagramme.de, seiner Homepage, veröffentlicht der Hamburger auch die Daten von Wetterstationen von Freunden und einer weiteren eigenen, die bei der Oma steht. Ab und zu bekommt er Anfragen, wie stark ein Sturm war, wenn es darum geht, ob eine Versicherung für etwaige Schäden aufkommt oder nicht.
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