Geheimnisvolles Kleinod

Kultur
Stulln
17.06.2016
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Im ältesten Gebäude des Ortes feierte der Seniorenkreis einen Gottesdienst. Zur Entstehungsgeschichte des frühgotischen Baus sind noch Fragen offen.

Pfarrvikar Joseph Kokkoth zelebrierte mit dem Seniorenkreis in der trutzigen, frühgotischen St. Stephanuskirche einen Gottesdienst. Im Anschluss gab Ortsheimatpfleger Hans Klar Einblicke in die noch nicht eindeutig belegte Entstehungsgeschichte und ging auf die Ausstattung ein.

Die Stephanuskirche ist das älteste Gebäude des Ortes Stulln, erklärte Klar zu Beginn. Anfang der 1950er Jahre legte Erzbischof Dr. Michael Buchberger auf seinen kirchlichen Dienstfahrten nach Nabburg in Stulln stets gerne eine kurze Rast ein und hielt mit der Bevölkerung eine Andacht. "Passt mir auf das Kirchlein auf", legte der spätere erste Ehrenbürger der Gemeinde Stulln laut mündlicher Überlieferung den Gläubigen ans Herz.

Das Innenleben begeistere immer wieder die Besucher, so Klar. Wertvolle um 1500 gearbeitete Holzflachreliefs bereicherten bis zur Ausschmückung der Pfarrkirche St. Barbara im Jahre 1982 das sakrale Kleinod. Das Fehlen des Taufsteins lässt auf eine Filialkirche der Pfarrei Schwarzenfeld schließen. Der barocke Hauptaltar mit zwei gedrehten Säulen stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Die Mutter Gottes im linken Seitenaltar entstand um 1480.

Beeindruckend ist die Darstellung des Gekreuzigten an der Südwand. Der Schöpfer dieses Kunstwerkes ist nicht bekannt. Im Zuge von Umbaumaßnahmen im Altarraum wurden 1966 Wandmalereien freigelegt. Aber an eine zufriedenstellende Restauration ist wohl aufgrund der nur schwer zu erkennenden Darstellungen nicht mehr zu denken.

Laut einer Nabburger Urkunde von 1496 war die "Stullner Kapelle" der heiligen Barbara geweiht. Ab 1723 ist der heilige Stephanus als Kirchenpatron belegt. Stulln wird 1174 erstmals erwähnt. Der Bamberger Bischof Hermanus übergab in diesem Jahr seine Güter in "Stulen" und "Volsendorf" an seinen Onkel Hartuid von Rattendorf. Der "Seidene Beutel" von Stulln - höchstwahrscheinlich eine Steuerabgabe - wird beim Verkauf seines Besitzes 1394 behalten.

Die Ableitung des Ortsnamens von Stollen in Verbindung mit dem Bergbau ist laut Archäologe Dr. Matthias Hensch nicht gesichert. Stulln ist älter als der Bergbau. "Stulen" bedeutet "Stuhl" im Sinne "von Richterstuhl". Der mächtige Turm, so der Ortsheimatpfleger in seinen weiteren Ausführungen, wurde nicht als erstes Bauwerk errichtet, sondern zur Zeit der Hussiteneinfälle um 1420 an den vorhandenen Kirchensaal angebaut.

Auch mit dem Burgstall auf dem Mühlberg östlich von Stulln ist ein Zusammenhang möglich. Notwendige Grabungen unter der Kirche oder im Umgriff sind Klar zufolge der Schlüssel, verborgene Geheimnisse zu lüften und das genaue Alter festzulegen. "Ich wollte mit diesem Vortrag Ihnen bewusst machen, welch kostbares Kleinod in Stulln steht", schloss Ortsheimatpfleger Klar seine Ausführungen.
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