Stulln: Männliche Erzieher händeringend gesucht
Einblicke in andere Berufswelten

Kultur
Stulln
23.04.2015
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(tib/rid) Typische Mädchenberufe und klassische "Männerdomänen": Das klassische Rollenbild ist noch weit verbreitet. Einblicke in die jeweils andere Welt gibt es beim"Girls' Day" und beim "Boys' Day". 31 Einrichtungen beteiligten sich im Landkreis gestern daran - hier zwei Beispiele.

Hannes Grabinger (13), Marius Stangl (14) und Jonas Obermeier (13) tauschten die Schulbank mit Bauklötzen und schnupperten in den Arbeitsalltag im Kindergarten St. Christophorus in Stulln hinein. Schön und interessant finden es alle drei: "Man hat mit Kindern zu tun - und das gefällt mir", sagt zum Beispiel Marius Stangl. Vorstellen, den Erzieher-Beruf zu lernen, können es sich die drei - allesamt Schüler der Nabburger Naabtal-Realschule - dennoch eher nicht. Eher etwas Handwerkliches schwebt den Achtklässlern nach der Schule vor.

Kein männlicher Erzieher im Landkreis

Und genau hier liegt das Problem: Es gibt im gesamten Landkreis zum Beispiel keinen einzigen männlichen Erzieher. Dabei wären sie dringend gebraucht. Kindergarten-Leiterin Sabine Maderer spricht aus Erfahrung, wenn sie sagt:" Vom Pädagogischen her wäre das für die Kinder sehr wertvoll. Männer gehen ganz anders mit Kindern um als Frauen". Das weiß auch Landrat Thomas Ebeling. An seinem Kindergarten arbeitete damals ein Mann. "Der war der Held", erinnert sich der Kreischef bei seinem Besuch gestern im Kindergarten.

Ihm geht es nicht um Gleichmacherei um des Gleichmachens Willen, aber darum, auf die gewisse Notwendigkeit anderer Geschlechter in "typischen" Männer- oder Frauenberufen hinzuweisen. Helga Forster, die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, ist der selben Ansicht: Viele Kinder - zum Beispiel von alleinerziehenden Müttern - hätten lange keine männliche Bezugsperson, "dabei wäre das total wichtig". Shirin Renner (13) geht in die achte Klasse der Naabtal-Realschule Nabburg und kennt die Firma Gerresheimer, denn ihre Mutter arbeitet dort im Büro. Da war es nahe liegend, dass die junge Dame beim "Girls'Day" in die technische Abteilung der Firma "hinein schnupperte". So wie 35 andere Mädchen aus Nabburg, Pfreimd und Wackersdorf auch, die sich gestern nicht mit Mathe und Geschichte, sondern mit Feilen und Löten befassten. An der Werkbank standen auch die Lehrlinge und leisteten Hilfestellung.

Mädchen erlernen Männerberufe

Zum Beispiel Ina Ritz aus Stulln, die sich zur Werkzeugmacherin ausbilden lässt und den Mädchen Tipps geben konnte. Ein paar Meter weiter sitzt Hanna Rauch vom Schmeller-Gymnasium Nabburg. Sie lässt sich von Lehrling Andreas Hösl (Wernberg-Köblitz) die Technik des Lötens zeigen. Die Schülerin der achten Klasse kann sich durchaus vorstellen, einmal in einem technischen Beruf zu arbeiten. Dies war auch das Ziel der Aktion. "Die Mädchen sollen die Arbeitsbedingungen in unserem Betrieb kennenlernen", erklären Personalreferentin Carmen Cullmann und Ausbildungsleiter Franz Heininger.
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