Besinnliche Feier unter Tage

Lokales
Stulln
22.12.2014
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Mit der Mettenschicht feierten die Bergleute den letzten Arbeitstag vor Weihnachten. Diese Tradition gibt es im Reichhart-Schacht noch heute.

"Die alte Tradition hochhalten": Das wünschte sich der Vorsitzende des Bergknappenvereins Stulln/Schwarzenfeld, Jürgen Ferschl, bei der Mettenschicht im Reichart-Schacht. Besonders freute er sich über den guten Zuspruch.

Dicht drängten sich die Teilnehmer in der Befahrungsstube, und anschließend stiegen sie über Holzstufen zur Acht-Meter-Sohle hinab. Teelichter wiesen im engen, feuchten Gang zu einer schlichten Grotte mit einer Weihnachtskrippe, zusätzlich mit einem Lichterbaum erhellt und einem hölzernen Förderkorb davor. Mit dem Gedicht "Die Kunde" leitete Hannelore Schröder in der Stille und Geborgenheit das Ritual ein. "Oh Bergmann, fahr heut keine Schicht. Am Himmel steht ein großes Licht. Ein Stern, der alles rings erhellt! Geboren ist der Herr der Welt. Drum lass jetzt deine Arbeit ruhn", lauten die ersten Verse. Der Verfasser fordert in den weiteren Zeilen die Bergleute auf, zur Krippe zu eilen und ein Weihnachtslied anzustimmen.

Gemeinsam sangen die Besucher "O du fröhliche, o du selige" in Akkordeonbegleitung von Ludwig Gerl. Der Vorsitzende trug den nachdenklichen Text "Weihnachtstrubel" mit der Schlussaufforderung, "sich ein Päckchen Zeit zu schenken", vor. Eine weitere Geschichte handelte von einer heftigen Diskussion unter den Tieren, was die Hauptsache ist. Zum Beispiel schwärmte der Fuchs von Gänsebraten, der Pfau von einem neuen Kleid, der Eisbär von Schnee und die Elster von einem glitzernden Ring. Der Ochs und der Esel aber erklärten: "Das Kind ist die Hauptsache" und fragten sich: "Wissen das eigentlich die Menschen?".

Mit dem vom Herzen gesungenen Bergmannslied "Glück auf! Der Steiger kommt" klang die Mettenschicht aus. Vor dem Aufstieg stärkten sich die Besucher noch mit einem "Grubenwasser".

Im Steigerhäusl hieß Ferschl die Gäste willkommen. Sein besonderer Gruß galt Ehrenvorsitzendem Josef Raith, Ehrenmitglied Hermann Neidl und Hans Kulzer sowie den Freunden aus Wackersdorf. "Koni" ließ das kräftige Essen des Bergmannes nach der letzten Schicht vor Weihnachten auftischen: Kraut mit Bratwürsten und frischem Brot - ergänzt mit Kesselfleisch sowie Blut- und Leberwürsten.

Ludwig Gerl traf mit seiner Quetschn den richtigen Ton und sorgte für eine zünftige Stimmung.
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