Brauchtumsforscher Andreas Schatz referiert über alte Sitten des dörflichen Lebens
Zufrieden trotz Arbeit und Armut

Andreas Schatz. Bild: ohr
Lokales
Stulln
01.10.2014
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Ahnen- und Brauchtumsforscher Andreas Schatz macht es sich zur Aufgabe, alte vergessene Sitten des dörflichen Lebens aus der Mitte der Oberpfalz wieder aufleben zu lassen oder weiter zu vermitteln. Sein Vortrag beim Seniorenkreis Stulln stieß auf eine starke Resonanz.

Mit dem Zitat "Tag und Nacht arbeiten, sich schlecht nähren und dabei zufrieden zu sein, ist Grundgesetz des Oberpfälzer Lebens" aus dem Buch "Sitten und Sagen" vom bekannten Volkskundler Franz Xaver Schönwerth (1810-1886) leitete der Referent seine Ausführungen ein. Der damalige Oberpfälzer führte ein bescheidenes Dasein, Reichtum und Behäbigkeit waren selten. Desto häufiger saß die Not zu Gaste.

Die bescheidenen Lebensumstände der Vorfahren zeigen sich auch in der Farbe der Kleidung und der Häuser: Das vorherrschende Grau und Dunkelblau wurde nur bei besonderen Freudenfesten durchbrochen. Detailliert beleuchtete der Redner vielfältige Sitten und Gebräuche, die den neuen Erdenbürger bis zu seinem Lebensende begleiteten. In den ersten 14 Tagen des Neugeborenen war die Mutter zum Beispiel besonderen Anfechtungen ausgesetzt. Nach dem Gebetläuten durfte nichts mehr in die Stube gebracht werden, weil sonst die Hexen kommen konnten. Aufgrund der großen Kinderzahl war der Nachwuchs in seiner Kindheit sich schnell selbst überlassen. Bei der Heirat traten die persönlichen Neigungen in den Hintergrund. Die materiellen Interessen hatten unbedingte Priorität. Die Beratungen über die Mitgift und die entsprechende Gegenleistung führten ausschließlich die Väter der Brautleute.

"Kaum waren die Klänge des Hochzeitfestes verhallt, begann die Arbeit und Mühsal des Alltages", merkte der Sprecher an. Die Oberpfälzer gingen nur schwer an Neuerungen und Fortschritt heran. Die Armut und das karge Leben ertrugen sie geduldig. Gegen den Tod war kein Kraut gewachsen. Das wusste der Bauer und fügte sich: "Wo das Leben viel Müh' und Arbeit, aber wenig Genuss geboten, ist leicht sterben".
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