Die große Sehnsucht

Referent Andreas Schatz bewältigte den Jakobsweg mit rund 800 Kilometern in vier Etappen, verteilt auf die Jahre 2008, 2009 und 2010 Auf dem mitgeführten Pilgerpass sind die einzelnen Stationen abgestempelt. Am Ziel in Santiago de Compostela erhält der Wallfahrer die Urkunde als Dokument für die ordnungsgemäße Pilgerschaft. Bild: ohr
Lokales
Stulln
05.10.2015
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Eine große Anzahl von Pilgerwegen führt durch Europa nach Santiago de Compostela. Alle mit dem gleichen Ziel: die Kathedrale mit dem Grab des Apostels Jakobus des Älteren aufzusuchen.

Aber nur die nordspanische Hauptverkehrsachse darf eigentlich die Bezeichnung "Camino de Santiago" (Jakobsweg) tragen. Alle anderen Routen werden als "Wege der Jakobspilger" bezeichnet.

Als Vorsitzender des Seniorenkreises Stulln begrüßte Helmut Kramer den Referenten Andreas Schatz aus Schwarzenfeld - den Teilnehmern bereits bekannt für seine Vorträge zu Brauchtum und alten Sitten des dörflichen Lebens - im Pfarrheim zum Erlebnisbericht über den in vier Touren zurückgelegten Jakobsweg in den Kalenderjahren 2008, 2009 und 2010.

800 Kilometer lang

Anhand einer Karte führte der Redner zunächst die Gesamtstrecke von rund 800 Kilometern vor Augen und beleuchtete in knappen Worten das Leben des Jakobus des Älteren. Der Apostel missionierte erfolglos in Spanien, kehrte nach Jerusalem zurück und starb dort 44 durch das Schwert. Seine Gebeine wurden ins Jakobskloster auf den Sinai gebracht und rettete sie im 8. Jahrhundert vor den heranrückenden Sarazenen auf die iberische Halbinsel.

Nach dem Auffinden auf einem Feld baute man eine Kirche - die Kathedrale von Santiago de Compostela. Bald entwickelten sich daraus Wallfahrten an die äußerste Nordwestecke Spaniens mit wesentlich größeren Pilgerströmen als nach Rom und Jerusalem.

Frömmigkeit, Buße, Strafe oder Geld zu verdienen - Hape Kerkeling als Autor des Buches "Ich bin dann mal weg"- sind nach Auffassung des Referenten Gründe zum Begehen des Jakobsweges. Der klassische Weg - die hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens - entstand im 11. Jahrhundert, nimmt seinen Ausgangspunkt in Südfrankreich und wurde 1993 in das Unesco-Welterbe aufgenommen. Diese Strecke führt über die Pyrenäen zum Jakobsgrab durch die Städte Roncesvalles, Pamplona, Burgos, Leon und Astorga.

Entlang des Weges ist ein enges Netz von Übernachtungsmöglichkeiten geknüpft. Man begegnet Menschen aus aller Welt, so Schatz in seinem weiteren Bericht. Die Pilger legen am Tag durchschnittlich 20 bis 25 Kilometer zurück. Das Alltagsleben tritt schnell in den Hintergrund und man nimmt viele Entbehrungen auf sich. Auch ein Wir-Gefühl entsteht. Die Jakobsmuschel am Pilgerweg gibt Orientierungshilfe. Die Menschen sind alleine oder in Gruppen unterwegs.

Der 90 Minuten lange, mit zahlreichen beeindruckenden und nachdenklichen Bildern untermauerte Vortrag gab auch Einblicke in wunderschöne Landschaften, in historisch interessante Städte mit reichen Kunstschätzen. Aber auch verlassene Dörfer begegnen dem Wanderer.

Am Ziel ist "der Anblick der Kathedrale ein Traum", erinnerte sich Schatz. Der nächste Gang führte zur Statue des Apostels im Innenraum. Es ist Brauch, das Standbild zu umarmen und zu küssen. Das Jahr 2010 gilt als ein "Heiliges Jahr", da der Namenstag des Jakobus (25. Juli) auf einen Sonntag fällt. Beim Durchschreiten der heiligen Pforte erhält der Pilger eine Generalabsolution.
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