Kirchenbau wegweisend

Lokales
Stulln
27.05.2015
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"Der Kirchenbau war eine bemerkenswerte Leistung der gesamten Stullner Bevölkerung in den widrigen Umständen der Nachkriegsjahre." Zur Feier des 60-Jährigen der St.-Barbara-Kirche gab es aber nicht nur dieses Kompliment, sondern auch interessante historische Fakten zu hören.

Der gegen Ende des Zweiten Weltkrieges einsetzende Flüchtlingsstrom konfrontierte die damals bäuerlich geprägte rund 500 Einwohner zählende Gemeinde Stulln mit schier unlösbaren Herausforderungen. Die katholische Bevölkerung bewältigte die schwierigen Aufgaben vorausschauend, stellte Ortsheimatpfleger Hans Klar beim Festakt im Pfarrheim anlässlich des 60. Jahrestages der Weihe der St.-Barbara-Kirche deutlich heraus.

Aufschwung nach Krieg

Vor zahlreichen kirchlichen und weltlichen Ehrengästen sowie den Vereinsabordnungen erinnerte Pfarrgemeinderatssprecher Erwin Wittmann an den Weiheakt vor fast genau sechs Jahrzehnten mit damaligem Erzbischof Michael Buchberger und dem Stullner Expositus Melchior Alois Wolf. "Der Kirchenbau war eine bemerkenswerte Leistung der gesamten Stullner Bevölkerung in den widrigen Umständen der Nachkriegsjahre", versicherte der Redner. Auch in der Pfarreiengemeinschaft mit Schwarzenfeld "möge die Pfarrei Stulln weiterhin so lebendig und engagiert bleiben", wünschte sich Pater Georg in seinen Ausführungen.

"Ich habe versucht, diese Zeit aus schriftlichen Aufzeichnungen und aus Erzählungen nachzuzeichnen", leitete Ortsheimatpfleger Hans Klar seine lebendig gestaltete und mit zahlreichen Fotos unterlegte Zeitreise zurück in das Jahr 1945 ein. Die eingerichteten Sammellager in der Umgebung von Stulln nahmen Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten und der Tschechei auf. "In Stulln gibt es Arbeit und Wohnungen" ging als Slogan um. Die wiedereröffnete VAW, der Bergbau und die Tonwarenfabrik Bauer boten Arbeitsplätze an. Die Bevölkerung stieg explosionsartig auf über 1200 Personen an.

Stulln löste sich mit der Erhebung zur Expositur am 1. August 1951 mit Prämonstratenser Mönch Melchior Alois Wolf als Leiter - selbst ein Heimatvertriebener aus dem Stift Tepl in der Tschechei - aus der Pfarrei Schwarzenfeld. Trotz einer Sondergenehmigung zur Erteilung von drei Gottesdiensten an den Sonn- und Feiertagen in der Stephanuskirche gestaltete sich die Erfüllung der Sonntagspflicht äußerst schwierig. Erste Überlegungen zum Bau einer neuen Kirche keimten auf. Ein Grundstück neben bereits errichtetem Pfarrhof konnte erworben werden. Architekt Glatzl aus Burglengenfeld fertigte die Planung und sie sah folgende Größen vor: Länge 31,5, Breite 16, Turmhöhe 32,5 Meter (ohne Kreuz) sowie 300 Sitzplätze. Die berechneten Baukosten beliefen sich (ohne Innenausstattung) auf 170 000 DM. Nach Abzug der Leistungen durch die bischöfliche Finanzkammer verblieben der jungen Expositur noch 70 000 DM. Nach Vorstellungen von Expositus Wolf war diese stolze Summe durch Hand- und Spanndienste sowie Material- und Geldspenden aufzubringen, berichtete der Festredner.

23. Juli 1953 geht es los

Die Bauentwicklung und Innenausgestaltung in Kürze: Beginn der Arbeiten am 23. Juli 1953, Grundsteinlegung am 30. August und Richtfest am 18. November 1953, Glockenweihe am 27. Juni 1953 mit Einbau eines elektrischen Geläuts mit Zeitschaltuhr, Anbringen der Kreuzwegstationen Ende Februar 1955.

Der Oberhirte der Diözese Regensburg war den Stullnern sehr zugetan. Expositus Wolf bedankte sich bei der Konsekration ausdrücklich für die vielfältigen Hilfen. Aus Dankbarkeit verlieh die Gemeinde Stulln 1958 Dr. Michael Buchberger die Ehrenbürgerwürde. Die Figurengruppe am Hochaltar mit dem überlebensgroßen Heiland - unter seinen ausgebreiteten Armen zur Rechten die hl. Barbara und zur Linken der hl. Wendelin - wurde im Mai 1956 vollendet. Ein Jahr später erklang erstmals an Christi Himmelfahrt die neue Orgel.

Bischöflich Geistlicher Rat Andreas Ullrich ließ während seiner 22-jährigen Amtszeit von 1984 bis 2006 umfangreiche Außen - und Innenrenovierungen vornehmen, fügte der Ortsheimatpfleger hinzu. Der Zusammenhalt der Gemeinde - auch heute noch ihr Markenzeichen - schaffte die Grundlage zum Bau der Kirche als heutigen Mittelpunkt von Stulln, resümierte der Festredner. Langanhaltender Applaus belohnte den ausgezeichneten, mit Quellen belegten Vortrag.

"Damals wurde die richtige Entscheidung getroffen", merkte Bürgermeister Hans Prechtl an. "Gemeinde und Kirche gehören zusammen. Diese Gemeinsamkeit wollen wir gerne in einem freundschaftlichen Verhältnis weiterpflegen", unterstrich das Gemeindeoberhaupt. Die Vertrauensfrau des Kirchenvorstands der evangelischen Kirchengemeinde, Sonja Haubelt, bedankte sich für die gute ökumenische Zusammenarbeit.

Der Kirchenchor unter der Leitung von Rektor a.D. Heinz Prokisch umrahmte den Festakt gesanglich.
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