Der Mini-Bräu vom Land

Selbst hergestelltes Vollbier und Festbier, frisch aus der Kühlung in Ferschls privatem Sudhaus in Stulln. Der 35-jährige Hobby-Brauer stellt auch andere Sorten her, Weizen zum Beispiel, oder Märzen. Bilder: Dobler (2)
Vermischtes
Stulln
19.08.2016
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Im Wappen am Eingang zum Brauhaus finden sich allerlei Symbole der Braukunst.

"Zwei Konzerne machen 95 Prozent des Weltumsatzes von Bier", weiß Jürgen Ferschl. Er hält dagegen - nicht ökonomisch, aber geschmacklich. Anders als bei den Superproduzenten ist bei ihm eines gewiss: "Nie wird bei mir ein Sud wie der andere."

Ferschl ist einer von drei Kleinbierbrauern in der Region. Ein weiterer ist Jürgen Schnellinger in Irrenlohe, der sein Handwerk seit 2001 ausübt, sowie der in Wölsendorf beheimatete "Maler-Bräu". Dahinter steckt Martin Ebnet, der im vierten Jahr als Brauer tätig ist. Beide, im übrigen auch Jürgen Ferschl, betreiben die Bierproduktion nebenbei. Von einem Hobby kann man allerdings auch nicht mehr reden, dazu ist der jeweilige Ausstoß zu groß. Bei Ebnet sind es beispielsweise zwischen 500 und 2000 Liter Bier im Monat.

Ganz klein hat der 35-jährige Ferschl angefangen. Er ist als einziger des Trios "vom Fach", weil er in einer Brauerei gelernt und später sogar Brauwesen studiert hat. "Bei mir ging es los als Brauerlehrling mit 20 Litern, die ich zu Hause gemacht habe", erinnert er sich. Zwischenzeitlich kommt seine kleine Braustätte am Ringweg in Stulln auf 180 Liter pro Sud. Davon setzt er zwischen 12 und 14 im Jahr an - was alles in allem ungefähr 2500 Liter ergibt. "Wer von mir Bier möchte, muss sich anmelden und vielleicht einige Wochen darauf warten", erläutert Ferschl, der deshalb schon länger an eine Erhöhung der Produktionszahlen denkt - so dass man also auch spontan vom Ferschl-Bräu etwas kaufen könnte, wenn man bei ihm an der Haustür läutet. Aber soweit ist er noch nicht. Es geht es also weiterhin nur auf Vorbestellung.

Weizen am 28. August


"So ein Sud dauert sechs Wochen, wobei das Brauen einen Tag in Anspruch nimmt, die Hauptgärung eine Woche und die Lagerung vier bis sechs Wochen." In dieser langen Zeit reift das Bier zu dem Getränk heran, das die Menschen in der Region zu schätzen gelernt haben. So hat Ferschl heuer am 24. April - sinnigerweise dem "Tag des Bieres" - das Stullner Schützenheim beliefert. Um genügend "Stoff" zu haben, "habe ich für dieses Ereignis einen Extra-Sud angesetzt". Wer am letzten August-Wochenende Zeit hat, kann - ebenfalls in Stulln - in den Genuss von öffentlich ausgeschenkten Ferschl-Weizen kommen. "Das ist am Sonntagnachmittag auf der Stullner Kirwa," blickt er voraus auf den 28. August. Die Premiere letztes Jahr sei gut verlaufen und so wurde Ferschl erneut eingeladen, zu liefern. "150 Liter Weizen habe ich dafür hergestellt."

Wie man selbst Bier braut, das unterrichtet der 35-Jährige auch in Tagesseminaren. 60 Interessierte haben im letzten Jahr diese Kurse besucht. Sie erfahren dabei, dass man Bier brauen kann mit "Sachen, die man zu Hause hat". Man braucht einen Eimer, einen Kochlöffel, einen kleinen, elektrischen Einkoch-Topf "und natürlich die Zutaten". So zeigt Ferschl, "dass es jeder machen kann, aber es ist ein Aufwand und man muss sich damit beschäftigen". 20 Liter für den Eigenbedarf würden sich nicht lohnen. Ab 100 Liter werde es vom Zeit- und Energieaufwand her einigermaßen rentabel.

Hat er denn keine Angst, dass er sich mit den Kursen die Konkurrenz sozusagen selbst heranzieht? "Nein", versichert Ferschl und lacht, "von den 60 Teilnehmern war zum Beispiel nur einer dabei, der gesagt hat, er will es im größeren Maßstab selbst machen." Martin Ebnet, der "Maler-Bräu" aus Wölsendorf, war vor einigen Jahren so einer. Er hat zwischenzeitlich seinen Lehrmeister mengenmäßig sogar überholt.

Aber Platz ist auf dem Markt für alle drei Kleinbrauer aus der Region. Denn die Nachfrage nach Bier, das nicht schmeckt wie die 95 Prozent Weltmarktanteil der großen Konzerne, wächst stetig.

Wer von mir Bier möchte, muss sich anmelden und einige Wochen darauf warten.Hobby-Brauer Jürgen Ferschl
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