Ein schwerer Brocken

Es muss rund laufen bei der Produktion von Walzen. Die Maschinen in der ehemaligen Hauptwerkstätte der Maxhütte werden von einer Tochter der Firmengruppe Max Aichers (links) genutzt. Technik, die den SPD-Abgeordneten Volkmar Halbleib sowie Generalkonservator Mathias Pfeil beeindruckt. Bild: Hartl
Archiv
Sulzbach-Rosenberg
27.01.2015
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Max Aicher besitzt zwei Denkmäler - eine Kabinenseilbahn und ein stillgelegtes Stahlwerk. Beide bereiten ihm nicht allzu viel Freude: Sie brauchen Pflege und sie kosten Geld.

"Haben Sie viel Geld mitgebracht?" Max Aicher begrüßt mit dieser Frage Mathias Pfeil. Einer der größten Multi-Unternehmer Bayerns und der größte Denkmalschützer des Freistaats sehen sich an diesem nasskalten Montagvormittag zum ersten Mal. Pfeil macht in Sulzbach-Rosenberg Bekanntschaft mit zwei großen Unbekannten: Max Aicher und die Maxhütte. Welchen Zweck verfolgt Max Aicher weiter mit der Maxhütte? Und was ist überhaupt die Maxhütte?

Der SPD-Landtagsabgeordnete Reinhold Strobl (Schnaittenbach) will dem Thema breiten Raum im Haushaltsausschuss des Landtages verschaffen. "Wir müssen jetzt mal zu einem Konzept kommen, es wird ja nicht besser." Dabei sollte der Freistaat mit im Boot sein. Deshalb hat Strobl Kollegen aller Parteien eingeladen. Vertreter der Regierungspartei CSU sind jedoch nicht zugegen bei der Fahrt durch das vor sich hin rostende Eisenwerk.

In einer Linie

Strobl sieht aber auch die Eigentümer in der Pflicht. Das sind der Freilassinger Unternehmer Max Aicher und seine Frau Evelyn über zwei ihrer Tochtergesellschaften. Auf die Frage eines Teilnehmers, inwieweit der Eigentümer zum Erhalt eines Denkmals herangezogen werden könne, sagt Pfeil, dass diese Pflicht zu wenig durchgesetzt werde. Pfeil ist zum ersten Mal vor Ort. Unter seinem Vorgänger, Professor Egon Johannes Greipl, wurde die Maxhütte unter Denkmalschutz gestellt, weil sie den Ablauf der Stahlerzeugung auf kompaktem Raum lückenlos dokumentiert. Greipl sagte vor zehn Jahren: "Das ist das einzige in Mitteleuropa noch erhaltene integrierte Hütten- und Stahlwerk, das zudem ein eindrucksvolles Zeugnis der tausendjährigen Montangeschichte in der Oberpfalz darstellt." Das müsse aber nicht bedeuten, eine Käseglocke über das Gelände zu stülpen.

Zwischenzeitlich regierte der Schweißbrenner: Die Stranggussanlage und das Walzwerk, in dem Schienen für den Weltmarkt produziert wurden, sind demontiert. "Man hat rechtzeitig und sinnvollerweise erkannt, dass nicht alles erhalten werden kann", sagt Karl Reyzl, Berater von Aicher und früher Geschäftsführer des Rohrwerks. Gegenwärtig sind noch das Stahlwerk, das mit dem vom Werk selbst entwickelten Oxygen-Bodenblas-Metallurgie-Verfahren arbeitete, sowie der Hochofen in den Denkmallisten enthalten.

Das Problem: Eigentümer Max Aicher sieht keinerlei Nutzungsmöglichkeiten. Aicher, dessen knapp 40 Gesellschaften mit rund 3000 Mitarbeitern im Jahr 2012 einen Umsatzerlös im sehr hohen dreistelligen Millionenbereich erzielten, erklärt, die Mittel seien begrenzt. Das Gelände sei viel zu schade, um es nur dem Denkmalschutz zuzuführen.

Perspektiven

Was bleiben soll und was nicht - diese Frage war von Anbeginn Streitpunkt. Als der frühere Wirtschaftsminister Otto Wiesheu forderte, "das meiste Zeug dort" müsse weg, sagte Greipl: "Das ist O-Ton Aicher!" Gegen Ende seiner Amtszeit hielt Greipl nicht mehr hinterm Berg: Die Denkmalschützer hätten sich "sehr warm anziehen müssen", als Aicher Teile demontieren ließ, wird Greipl zitiert. Inzwischen ist er im Ruhestand. Aicher, der im vergangenen Jahr seinen 80. Geburtstag groß in Bad Reichenhall feierte, ist noch im Dienst. Nach Greipl ist Pfeil gekommen. Auch er erkennt die Denkmalwürdigkeit an. Bisher fehle es aber an der Zukunftsperspektive.

Ein komplettes Konzept steht tatsächlich noch aus. Reyzl stellt aber Ideen vor: Industrie und Gewerbe in Bereichen, wo heute noch das wuchtige Stahlwerk mit seinen drei markanten Fackeln steht. In Randbereichen sollen Wohnsiedlungen entstehen. Auf diese Weise will die Aicher-Gruppe ihren Kostenteil für die Altlastensanierung kompensieren. Die andere Hälfte der insgesamt 15 Millionen Euro übernimmt der Freistaat.

Von den Anlagen würden nur die bleiben, die Aicher wirtschaftlich nutzen kann. Zum Beispiel die Hauptwerkstatt, in der auf Spezialmaschinen etwa Riffelwalzen für die Wellpappeherstellung gefräst werden. Die dort ansässige Aicher-Tochter "Maxhütte Technologie" beschäftigt rund 180 Menschen. Laut Reyzl hätten sich zudem in kleineren Anlagenbereichen circa zehn Mittelständler angesiedelt. Die große Adjustage-Halle nutzt das Rohrwerk zum Versand seiner Produkte.

Nur noch drei Jahre

Nur der Hochofen könnte als Denkmal eine Zukunft haben - in Form einer "Plaza". Die Kosten: rund fünf Millionen Euro. Zudem weitere 100 000 Euro pro Jahr für die Instandhaltung. Die Trägerschaft müsse ein Verein oder eine andere Gesellschaft übernehmen. Die Aicher-Gruppe würde die Anlagen und die Flächen einbringen. Reyzl macht klar: "Das muss in den nächsten drei Jahren über die Bühne gehen, sonst wird das Projekt Maxhütte scheitern." Und er unterstreicht: Wenn sich niemand finde, der den Restbestand finanziert, dann müsse auch der Hochofen zurückgebaut werden.

Michael Göth, Bürgermeister von Sulzbach-Rosenberg, sichert Aicher seine Unterstützung zu. Geld könne die Kommune aber nicht beisteuern. In Bad Reichenhall hat Aicher ebenfalls ein Denkmal gekauft - die Predigtstuhlbahn. Sie gilt als älteste im Original erhaltene Großkabinenseilbahn der Welt. "Das ist eine Sparkasse, die viel Spaß macht für die Stadt Bad Reichenhall", sagt Aicher. Sie ist ein Denkmal, das funktioniert.
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