Gute Freunde, gute Geschäfte

Die Maxhütte ist nur noch ein Schatten ihrer selbst. Vor mehr als zehn Jahren stellte das Stahlwerk den Betrieb ein. Als sie in den 1960er Jahren noch blühend dastand und zum Flick-Konzern gehörte, floss auch Geld an Treuhandfirmen von Franz Josef Strauß. Bild: Hartl
Archiv
Sulzbach-Rosenberg
15.09.2015
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Eines vorweg: Korruption im strafrechtlichen Sinne war es nicht, was Franz Josef Strauß mit seinem Beratungsunternehmen "Eureco" anstellte. Klar ist: Die Briefkastenfirma des CSU-Politikers bekam viel Geld - auch aus der Oberpfalz.

Für Franz Josef Strauß und seine Ehefrau Marianne war die Gründung der "Eureco" eine Art geheime Kommandosache. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" unter Berufung auf den Buchautor Peter Siebenmorgen berichtet, habe das Ehepaar Strauß nach außen nicht in Erscheinung treten wollen. Deshalb eine Treuhandkonstruktion.

Zweck der Firma: Beratung von Industriefirmen. Aber für was konkret? Dazu ist nichts bekannt. Allerdings gebe es Indizien, wie die "Spiegel"-Autoren Gunther Latsch und Klaus Wiegrefe schreiben: Das mit Abstand stärkste Motiv für Firmen, hohe Geldsummen an Strauß' Firma zu überweisen, könnte dessen industriefreundliche Politik gewesen sein.

Namhafte Konzerne

Die vom Spiegel veröffentlichte Kundenliste führt viele namhafte Konzerne der Bundesrepublik auf: Neben BMW, Buderus und Daimler-Benz auch die "Maximilianshütte" in Sulzbach-Rosenberg. Im Jahr 1966 etwa zahlte die Maxhütte in vier Raten insgesamt 30 000 Mark an die "Eureco". Die Flick KG in fünf Raten weitere 36 000 Mark. Da die Eisenwerkgesellschaft Maximilianshütte mbH damals zu 100 Prozent zum Flick-Imperium gehörte, flossen so alleine 66 000 Mark aus Unternehmen, die direkt Flick gehörten. Doch auch an Daimler-Benz und Buderus besaß Friedrich Flick Anteile.

Hinweise darauf, dass die Maxhütte direkte Vorteile von den Zahlungen gehabt haben könnte, gibt es nicht. Doch die Verbindungen zwischen Strauß und der Elite der deutschen Wirtschaft waren seit jeher intensiv. Eberhard von Brauchitsch, viele Jahre hochrangiger Manager bei Flick, hatte noch 1997 das "ganz enge, vertrauensvolle Verhältnis" zwischen Wirtschaft und Politik gelobt. Der eine brauchte den anderen. Brauchitsch machte während der späteren Flick-Affäre Schlagzeilen, als er von der "Pflege der politischen Landschaft" sprach.

In den Zeitraum der Gründung der "Eureco" im Jahr 1964 fielen große Rüstungsanschaffungen, etwa die Bestellung von 250 Starfighter-Flugzeugen. Oder 1965 die Bestellung von 1000 Leopard-Panzern, die Krauss-Maffei ab 1966 ein sattes Umsatzplus bescherte. Ein Jahr zuvor hatten die zum Flick-Konzern gehörenden Buderus'schen Eisenwerke Krauss-Maffei erworben. Für die Stahlindustrie könnten solche Großaufträge durchaus von Bedeutung gewesen sein.

Trotz der allgemeinen Stahlkrise Mitte der 1960er Jahre ging es der Maxhütte vergleichsweise gut: Laut Geschäftsbericht 1967 sei die Nachfrage nach Walzstahl von 873 000 Tonnen auf über 1 007 000 Tonnen gestiegen. Das Werk hatte mit seinen zahlreichen Zweigbetrieben und Bergwerken zirka 9000 Beschäftigte.

Treuer Berater

Kreile zog 1969 für die CSU in den Bundestag ein. Und er habe nach Recherchen des "Spiegels" dann auch die Maxhütte "beraten" - für eine fünfstellige Summe. Kreile soll, wie "Der Spiegel" 1986 berichtete, Friedrich Karl Flick, Sohn von Friedrich Flick, später beim Verkauf des Konzerns zur Seite gestanden haben. Im Sommer 1976 gaben Flick und die Klöckner-Werke die Übernahme der Maxhütte bekannt. Bis 1979 bekamen die Düsseldorfer Stahlkocher alle Anteile an der Maxhütte für 270 Millionen Mark.

In den folgenden Jahren bestimmte der Kampf um die Maxhütte immer wieder die Tagesordnung. Als Ministerpräsident versprach Franz Josef Strauß beim Europa-Wahlkampf 1979 in Sulzbach-Rosenberg: "Die Zukunft der Maxhütte ist bei der bayerischen Staatsregierung in besten Händen." Drei Monate vor dem Konkurs versuchte die bayerische Staatsregierung unter Strauß die Maxhütte durch den Kauf von Grundstücken für 52 Millionen Mark zu retten. Am Gründonnerstag 1987 meldete sie trotzdem Konkurs an.
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