Schrecken schreckt nicht ab

Erst vor einer Woche aufs dem Flughafen in Faizabad: Marianne und Georg Taubmann treffen Natalie Marshall, die gemeinsam mit ihrem Mann Corey das dortige Waisenhaus leitet. Bild: hfz
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Sulzbach-Rosenberg
18.12.2014
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Der Sulzbach-Rosenberger Georg Taubmann arbeitet seit 1983 in den Kriegs- und Krisengebieten von Pakistan, Afghanistan und Kurdistan. Der blutige Taliban-Terror ist dabei sein täglicher Wegbegleiter. Trotzdem macht er weiter.

"Dieses Ausmaß an brutalem Terror hat selbst uns überrascht." Georg Taubmann, Direktor der Hilfsorganisation "Shelter Now International" hat den Schock nach der Ermordung von 148 großteils jugendlichen Menschen bei einem Taliban-Angriff auf eine Schule im pakistanischen Peshawar noch nicht überwunden.

Mit Schrecken denkt Georg Taubmann (57) noch heute an den 15. August 2002, als sechs Talibankämpfer die "Murree Christian School", eine Internatsschule in den Bergen Pakistans, angriffen und fünf Menschen ermordeten, ehe sie gestoppt werden konnten. Ihr Plan war, alle 150 Kinder an dieser Schule zu töten. Wie durch ein Wunder entkam damals auch Taubmanns Sohn Daniel dem geplanten Massaker.

Nun hat das Entsetzen die Menschen im Raum Peshawar im Würgegriff. Nimmt dieses Morden nie ein Ende? Georg Taubmann, ausgewiesener Kenner des Landes, seiner gesellschaftlichen und religiösen Strukturen, hegt inzwischen etwas Hoffnung. "Nach Jahren, in denen Pakistan das Treiben der Taliban duldete, wenn nicht gar unterstützte, weil es sich ja nur gegen Afghanen gerichtet hatte, setzt nun auf politischer Schiene ein Umdenken ein."

Unter dem Eindruck des Massakers von Peshawar hat die pakistanische Armee den Terroristen den Kampf angesagt und will künftig massiv gegen die Taliban vorgehen. "Erstmals", so Taubmann gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, "ist in dieser Woche auch der pakistanische Armee-Chef in Kabul vorstellig worden. Offenbar wollen Afghanistan und Pakistan nun endlich gemeinsam gegen die grenzübergreifende Terror-Bedrohung ankämpfen."

Safran statt Opium

Mit sieben seiner Mitarbeiter war Georg Taubmann am 5. August 2001 selbst in die Hände der Taliban gefallen. Nach Monaten der ständigen Todesangst mit Verhören, Folter und s-Scheinhinrichtungen waren die Geiseln erst am 15. November 2001 in einer spektakulären Aktion befreit worden. Trotz all der Schrecken: Georg Taubmann und seine Frau Marianne sind fest entschlossen, ihre Hilfsarbeit in den leidenden Ländern fortzusetzen. Neben aktuellen Winterhilfsaktionen für IS-Flüchtlinge in der kurdischen Stadt Erbil im Nordirak haben Shelter-Mitarbeiter in Pakistan allein in diesem Jahr 30 neue Brunnen gebohrt und in Betrieb genommen. Nachhaltig angelegte landwirtschaftliche Hilfseinsätze wie die Aktion "Safran statt Opium" und fünf Frauen-Projekte in verschiedenen Regionen Afghanistans tragen mittlerweile vielversprechende Früchte.

Nach der erfolgreichen Einrichtung einer Zahnklinik in Herat hat Shelter in der gleichen Stadt ein Gehörlosenzentrum und den "Frauen-Garten" etabliert, ein Projekt, bei dem Frauen in Landwirtschaft, Obst- und Gemüseanbau, Verarbeitung und Eigenvermarktung ausgebildet und geschult werden. Mit so überzeugenden Resultaten, dass Shelter-Agrarexpertin Gudrun Göttler nun mit Genehmigung der Behörden die Anlegung eines Gemüse- und Nutzgartens im Frauengefängnis von Herat planen kann.

Hilfe aus Deutschland

Seine Leuchttürme der Hoffnung inmitten des Terrors kann das Hilfswerk aber nur dank vieler Geldgeber und Spender errichten. So wie die Projekte in Herat beispielsweise nur mit maßgeblicher finanzieller Unterstützung durch die Conrad Stiftung realisierbar waren.
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