"Watson, übernehmen Sie"

Michaela Springs mit Watson war mit ihrem Kollegen Walter Schuster und seinem Hund Danjo seit der abgeschlossenen Mantrailer-Ausbildung bereits dreimal im Einsatz. Bild: hfz
Archiv
Sulzbach-Rosenberg
03.11.2014
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Manchmal braucht es besondere Hilfe. Etwa bei einem vermissten Seniorenheim-Bewohner oder der Suche nach einem verwirrten Krankhaus-Patienten. In solchen Fällen müssen oft zwei tierische Ermittler aus der Oberpfalz die Fährte aufnehmen.

Wenn ein Tier Watson heißt, dann muss es sich um eine ganz besondere Spürnase handeln. So ist es auch. Denn Watson ist einer von bayernweit zwei Personenspürhunden - die genaue Bezeichnung lautet Mantrailer - des Technischen Hilfswerks (THW). Der andere Schnüffler heißt Danjo. Beide sind drei Jahre alt.

Die Herrchen des Schwarzwälder Schweißhundes (Danjo) und des Bloodhounds (Watson) sind Walter Schuster (59) und Michaela Springs (40) vom THW Sulzbach-Rosenberg. Das Team kommt zum Einsatz, wenn es um vermisste abgängige Personen, so der Fachjargon, geht. Oder wie es Schuster erklärt: "Wenn zum Beispiel Personen aus dem Altenheim oder dem Krankenhaus planlos umherirren."

Faszinierendes Näschen

Ernst wird es, wenn Menschen seit 48 Stunden oder etwas länger vermisst werden. Dann rückt die sogenannte Fachgruppe Ortung des THW aus. "Was darüber hinausgeht, gehört zum kriminalistischen Bereich", verrät Schuster. Es ist faszinierend, was für feine Näschen die Hunde haben. Selbst wenn jemand in ein Auto steigt und wegfährt, kann der Mantrailer die Spur aufnehmen. Vorausgesetzt das Fenster ist einen Spalt geöffnet. Schwierig wird es, wenn der Gesuchte auf eine Bundesstraße oder Autobahn fährt.

Dass so etwas funktioniert, erklärt Schuster folgendermaßen: "Jeder Mensch verliert in der Stunde etwa 50 Millionen Hautzellen. Diese zersetzen sich, dann entstehen Gase. Der Geruch jedes Menschen ist einzigartig und unverwechselbar." Nach diesem suchen die Hunde. Deshalb sagt der 59-Jährige auch: "Ein Mantrailer ist nicht die Waffe für alles, aber ein unwahrscheinlich gutes Hilfsmittel, um verschwundene oder vermisste Personen aufzuspüren." Natürlich gebe es Grenzen. Ob nun die Witterung, die Temperaturen oder das Alter der Spur - all das beeinflusst die Suche. Außerdem betont Springs: "Der Hund hat auch mal einen schlechten Tag."

Geruch erschnüffeln

In Sulzbach-Rosenberg gibt es insgesamt acht Hundeführer. Die Tiere sind vorwiegend ausgebildet, um Verschüttete in Trümmern oder Vermisste beispielsweise in Waldgebieten zu suchen. Schuster erklärt den Unterschied zu seinem treuen Gefährten: "Der Flächensuchhund sucht irgendeine Person, der Mantrailer sucht die Person."

Wie das funktioniert? Der Hund braucht einen Gegenstand, an dem er schnüffeln kann. "Zum Beispiel ein Kleidungsstück, aber besser sind Dinge, die niemand anderer anfasst - Slipeinlagen oder Windeln etwa", verrät Springs. Denn Unterwäsche oder Schlafanzüge von Altenheim-Bewohner trügen oft den Geruch der Pfleger. Das heißt, der Hund weiß nicht, wen er suchen soll. Deshalb ist es von Vorteil, wenn der Pfleger anwesend ist, damit man dem Hund vermitteln kann: Diese Person nicht.

Wenn die Hilfe von Watson und Danjo benötigt wird, muss es schnell gehen. Nach einer halben bis dreiviertel Stunde rückt ein Team, bestehend aus zehn bis zwölf Personen, aus. Hinter einem Einsatz steckt eine ausgeklügelte Taktik und viel Technik. Die Helfer arbeiten mit GPS, alles wird in Echtzeit dokumentiert. Somit kann man laut Schuster von einem Bildschirm im Einsatzleitwagen aus auch jederzeit einsatztaktisch eingreifen. Im Repertoire hat das THW Nachtsichtgeräte und eine Searchcam, die vor allem im Trümmerbereich eingesetzt wird. Dabei handelt es sich um eine spezielle Suchkamera, eine Art Metallrohr, an dem auf einer Seite eine Kamera und auf der anderen Seite ein Bildschirm angebracht ist. Auch ein akustisches Ortungsgerät, das den Schall millionenfach verstärken kann, ist im Besitz der Sulzbach-Rosenberger. Schuster und Springs pochen darauf, dass das Gesamtpaket passen muss, um für den Ernstfall gerüstet zu sein. Dazu gehören auch die Flächen- und Trümmersuchhunde der Fachgruppe Ortung.

Hunderte Stunden

Die Hundeführer erledigen ihre Arbeit beim THW komplett ehrenamtlich. Weil es eine Zeiterfassung gibt, die noch aus Zivildienstzeiten rührt, können die beiden ihr Engagement sogar beziffern. Der 59-Jährige leistete heuer schon 892 Stunden für das THW, die 40-Jährige 680 Stunden.
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