Exkursion durch die Obere Wagensaß
Zeiten der Monotonie vorbei

Neue Perspektiven des Naherholungsgebietes Obere Wagensaß gewann der TV-Lauftreff bei einer Exkursion mit Forstleuten. Bild: hfz
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
06.08.2016
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Die Sportler des TV-Lauftreffs sehen in der Oberen Wagensaß nicht nur ein Sportgelände. Rund 50 von ihnen lernten das Naherholungsgebiet jetzt noch näher kennen.

Bei einer vom Forstbetrieb Schnaittenbach und dem TV-Lauftreff veranstalteten Exkursion erläuterte der stellvertretende Leiter des Forstbetriebs, Klaus Bichlmaier, die Maxime "Nachhaltig wirtschaften". Der Wald solle vorbildlich gepflegt werden, allen dort vorkommenden Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten, aber auch für die Menschen da sein. Schließlich sollten die Bayerischen Staatsforsten, wie jedes andere Unternehmen auch, auf eigenen Beinen stehen.

26 verschiedene Baumarten


Bei einer Waldführung nannte Bichlmaier für die Wagensaß eine Gesamtgröße von circa 500 Hektar. Davon seien rund 450 Hektar Staatswald. Während einer starken Nutzung über die Jahrhunderte seien ihre Flora und Fauna verarmt. Der ehemals monotone Kiefern-Fichten-Nadelwald befinde sich jetzt wieder auf dem Weg zu einem artenreichen Nadel- und Laubmischwald. Mindestens 26 verschiedene Baumarten sind mittlerweile dort zu finden.

Auf Fragen von Lauftreff-Mitgliedern begründete Klaus Bichlmaier die gewölbte Anlage der Wege damit, dass rechts und links das Wasser besser ablaufen könne. Das erschwere zwar das Nebeneinanderlaufen, sei aber die bessere Alternative zu vollkommen ebenen Wegen, auf denen das Wasser Pfützen bilde.

Bei neu angelegten oder verfüllten Wegen müsse sich das grobe Untermaterial erst setzen, bevor die kleineren und feineren Steine des Obermaterials aufgetragen werden können. Manchmal komme es zu Lieferengpässen bei den Steinbrüchen, weshalb sich die Fertigstellung der Wege dann verzögere.

Totholz wertvolles Biotop


Pilzsucher schimpften manchmal über liegengebliebene Baumstämme, die auf dem Waldboden verrotten. "Die haben wir nicht vergessen", betonte Bichlmaier. Totholz biete Insekten - Wespen, Bienen, Ameisen oder Käfern - einen wichtigen Lebensraum. Von ihnen wiederum ernähren sich Waldkauz, Schwarzspecht, Siebenschläfer und verschiedene Fledermausarten.

Vögel und Säugetiere nutzen die vom Specht gezimmerten Baumhöhlen zur Aufzucht ihrer Jungen oder zum Überwintern. Horst- und Höhlenbäume sind als sogenannte Biotopbäume gesetzlich geschützt. An einer absterbenden Fichte zeigte Bichlmaier, wie sich in ihrem Stamm bereits Hornissen eingenistet haben.

Am Sitzensemble des großen, geteilten Waldweihers erfuhren die Teilnehmer, dass es solche Wasserflächen in früheren Jahrhunderten gegeben hat. Sie hätten den jeweiligen Herrschern für die Versorgung mit frischem Fisch gedient. Bei den neu angelegten Teichen sei darauf verzichtet worden, Fische einzusetzen, um den Bestand an Amphibien nicht zu gefährden. Allerdings ließ es sich nicht ganz verhindern, dass Fischeier durch natürliche Übertragung den Weg ins Wasser fanden.

Außerdem gab es Leute, die offensichtlich ihrer Goldfische überdrüssig geworden waren und sie kurzerhand in die Waldweiher brachten. Dort machten sie sich dann über den Laich der Amphibien her.

Hohlwege mit Historie


Für einen historischen Aspekt sorgt die Goldene Straße. Der bedeutende Handelsweg des Mittelalters zwischen Nürnberg und Prag verlief durch die Wagensaß. Geübte Augen erkennen heute noch ihre Spuren als Hohlwege in den nördlichen Teilen des Waldgebiets.
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