Extrem-Radsportler Frank Ernst aus Gallmünz
24 Stunden am Rad drehen

Auch Alpenüberquerungen wie diese im Jahr 2015 hat Frank Ernst (rechts) in seinem selbst auferlegten Programm. Hier hatte er mit seinem Begleiter gerade den Stilfser-Joch-Pass erklommen. Dieser Übergang von Südtirol in die Lombardei - genauer zwischen dem oberen Veltlin und dem Vinschgau - gilt mit seinen 2760 Metern als die "Königin der Passstraßen". Bilder: Privat (5)/ Gebhardt (1)
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
28.05.2016
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Ultraleicht - der Rahmen aus Carbon - und nicht ganz billig: Mit dieser 4,5 Kilogramm wiegenden, maßgefertigten Maschine geht der Sulzbach-Rosenberger im Juli in Grieskirchen (Oberösterreich) an den Start.

Mit Ex-Nationalspieler Stefan Kuntz hat er schon in der Jugend in einer Mannschaft gekickt. Danach hat es Frank Ernst aber schleifen lassen. Bis ihn Durchblutungsstörungen im Jahr 2007 den Schalter umlegen ließen. Heute ist der 48-Jährige ein Extremer, der 24 Stunden an einem Stück am Rad dreht.

Amberg-Sulzbach. Bei passender Witterung kommt es schon häufiger vor, dass Frank Ernst sich am Morgen im Sulzbacher Stadtteil Gallmünz in den Sattel schwingt und von zu Hause zu seiner Arbeitsstelle bei der Post in Nürnberg strampelt. Und nach Feierabend geht's in umgekehrter Richtung zurück zur Herzogstadt.

Kein Sesselpupser


Heute klappt das. Mit 38 Jahren hätte er das nicht hingekriegt. Im saarländischen St. Ingbert geboren, war Frank Ernst in seiner Jugend keineswegs ein Sesselpupser. Damals trat er Seite an Seite mit Stefan Kuntz gegen den Ball, danach erreichte er immerhin die dortige Landesliga als Aktiver.

Mit dem Ende der Karriere freilich ließ sich der Mann von der Post, den es 1998 wegen seiner Frau in die Oberpfalz verschlug, regelrecht treiben: "Ich habe viel geraucht und auch bei der Ernährung nicht groß aufgepasst." Doch bald sorgten Schwindelgefühle und Durchblutungsstörungen dafür, dass sich Ernst nicht mehr wohl fühlte. "Es ging mir nicht gut, deshalb habe ich 2007 mein Leben geändert." Gewogen habe er damals 86 Kilo, bei einer Körpergröße von 174 Zentimetern.

Dann habe er sich ein Mountainbike gekauft und zu radeln begonnen. Mehr und immer mehr. Zugleich, so der 48-Jährige weiter, habe er über Jahre hinweg Zug um Zug seine Ernährung umgestellt. Das ging so weit, dass er sich inzwischen, sozusagen als zweites Standbein, eine berufliche Existenz als freiberuflich tätiger Ernährungsberater geschaffen hat. Wenn er sich heute auf die Waage stellt, pendelt sich der Zeiger bei 61 Kilogramm ein.

Jüngere Konkurrenz


Auf der sportlichen Bühne war Frank Ernst 2009 erstmals beim Mountainbike-Rennen im Maxhütten-Areal - als Zuschauer. Spätestens da war für ihn klar: "Da bin ich 2010 dabei." Und so kam es auch. Mit seinem Doppelpartner gelang unter einer deutlich jüngeren Konkurrenz der zehnte Platz. Ein Jahr später startete Ernst alleine bei diesem Vier-Stunden-Rennen - dem er übrigens sehr nachtrauert - und wurde Elfter.

Auch über die Alpen


Ansonsten war er 2010 und 2011 bei der 24-Stunden-MTB-Weltmeisterschaft vertreten, landete 2012 bei den 24 Stunden von Kelheim nach 31 Runden, 533 Kilometern und 5270 Höhenmetern auf Rang 51, wurde 2013 Zehnter bei der 12-Stunden-MTB-Europameisterschaft in Dießen am Ammersee und 2014 Sechster beim 24-Stunden-Rennen in Kreuth. Daneben war Ernst bei einigen regionalen Wettbewerben, Radtouristikfahrten wie der Zoigltour und einigen Alpenüberquerungen vertreten.

Pro Jahr bringt es Frank Ernst inzwischen auf über 10 000 Trainingskilometer. Ende April hatte er heuer schon gut 4000 Kilometer hinter sich, bis zum anvisierten Grieskirchen sollen es 6000 sein. Warum man sich solche Extremtouren aufbürdet? "Du musst gegen einen Bus gelaufen sein, wenn du damit beginnst. Ich weiß, dass dieser Tag der Gesundheit gewiss nicht gut tut, deshalb musst du in der Früh das Gehirn ausschalten."

Du musst gegen einen Bus gelaufen sein, wenn du damit beginnst. Ich weiß, dass dieser Tag der Gesundheit gewiss nicht gut tut, deshalb musst du in der Früh das Gehirn ausschaltenFrank Ernst, Extrem-Radfahrer aus Sulzbach-Rosenberg


HintergrundDer 24-Stunden-Rad-Marathon in Grieskirchen (Oberösterreich) geht am 9./10. Juli bereits zum 14. Mal über die Bühne. Für Frank Ernst wird es eine Premiere sein, wenn er sich mit geschätzten 1200 Mitbewerbern einmal rund um die Uhr in Konkurrenz begibt. Zu absolvieren ist ein Rundkurs über 21,5 Kilometer von Grieskirchen über Pollham, Richtung St. Marienkirchen und Bad Schallerbach wieder zurück auf den Stadtplatz in Grieskirchen.

Dabei sind pro Durchgang 173 Höhenmeter zu bewältigen. Entlang der Strecke werden abermals über 10 000 Zuschauer erwartet, die die Sportler über lange Distanz begeistert anfeuern. Abseits von den rasenden Rädern ist ein buntes Rahmenprogramm vorgesehen, das Volksfestcharakter hat. Dazu zählen auch Auftritte von Live-Bands.

Frank Ernst hat sich für Grieskirchen zum Ziel gesetzt, nicht nur die 24 Stunden zu schaffen. Vielmehr präzisierte er: "Ich will deutlich über 600 Kilometer schaffen. Dabei habe ich mir ein Durchschnittstempo von 25 Stundenkilometern vorgenommen." Gegessen und getrunken werde dabei während der Fahrt auf der für den übrigen Verkehr gesperrten Rennstrecke, denn: "Jede Pause kostet Kilometer."
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