Festwochen-Bilanz des Roten Kreuzes - Ehrenamtliche werden weniger und werden teilweise ...
"Bienen und Wespen Herrscher am Berg"

Für Erste Hilfe waren in der Festwoche zahlreiche Einsatzstunden der ehrenamtlichen Rotkreuz-Helfer erforderlich. Bild: dlu
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
31.07.2015
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Freiwillige Rot-Kreuz-Helfer am Annaberg - warum finden sich meist junge Leute zusammen, um dort in ihrer Freizeit verantwortungsvollen Dienst abzuleisten? "Das ist heute nicht mehr selbstverständlich, denn die Bereitschaft in der Bevölkerung, ehrenamtlich aktiv zu werden und Freizeit für andere zu opfern, hat in den vergangenen Jahren abgenommen", schildert Erwin Gräml die Situation.

Schlimmer sei jedoch der mangelnde Respekt und das Verständnis dafür, dass hier jemand ist, der seine Freizeit nutzt, um anderen im Notfall zu helfen, so der Leiter der Rettungswache Sulzbach-Rosenberg.

Steigende Erwartungen

Wer annehme, die "Helfer am Berg" seien gut bezahlte Angestellte, die den ganzen Tag vor dem Zelt ihre Zeit absitzen, liege falsch: "Unsere Mitarbeiter leisten ehrenamtlichen Dienst, der sich an der steigenden Erwartungshaltung der Bevölkerung zu messen hat. Dass dies auf Unverständnis stößt, ist eine irritierende Situation für die Bereitschaftsmitglieder."

Der Einsatz der Sanitäter am Berg bedeute schnelle und qualifizierte Hilfe im Notfall - eine der Voraussetzungen für wirkungsvolle Sofortmaßnahmen im Notfall. Es gehe darum, die richtigen Entscheidungen zur richtigen Zeit zu treffen oder Symptome schwererer Erkrankungen frühzeitig zu erkennen. Dies helfe Spätschäden und noch Schlimmeres zu verhindern. "Viele wissen diese Hilfe zu schätzen", so Gräml. Um Dienst auf dem Berg zu leisten, sei neben dem Engagement eine gute Ausbildung erforderlich. Umso erfreulicher sei es, dass sich Helfer fänden, die bereit seien, Sanitäts- und weitere Zusatzausbildungen zu absolvieren. Dies, obwohl die Ehrenamtlichen nur eine kleine Aufwandsentschädigung erhalten, die nicht einmal die Kosten der Verpflegung am Berg decke.

Ganzjährig zu pflegen

In der Rot-Kreuz-Wache am Berg werde neben erheblichem medizinischen Sachbedarf auch Medizintechnik bereitgehalten die ganzjährig zu pflegen und zu warten sei. Manches aber sei schon aus rechtlichen Gründen nicht möglich. So seien Medikamentengaben im Deutschland aus gutem Grund Ärzten und Apothekern vorbehalten. Das bedeute, dass ein Sanitätsdienst über keine ausgestattete Apotheke verfügt.

Nicht beschimpfen

Seien Medikamente erforderlich, müsse nach dem Arzneimittelgesetz ein Arzt verständigt oder zumindest die Apotheke aufgesucht werden. "An diesem Punkt hilft es auch nichts, die Sanitäter zu beschimpfen. Die Versorgung am Berg erfolgt ohnedies kostenfrei für alle", unterstreicht Gräml mit Nachdruck in seiner Bilanz zum Berg-Geschehen.

An neun Festtagen wurden durch die Rot-Kreuz-Bereitschaft Sulzbach-Rosenberg - an einem Tag unterstützt durch die Bereitschaft Neukirchen - insgesamt 245,5 ehrenamtliche Dienststunden geleistet. Dabei war die Mobile Wache jeweils mit drei bis fünf Helfern besetzt. Sie versorgten insgesamt 87 Patienten. Neben fünf Patienten mit Kreislaufkollaps gab es 26 sonstige Einsätze.

Hierzu zählten Stürze, Kreislaufprobleme und einige wenige Alkoholprobleme. Bei drei Festbesuchern war die Erkrankung so schwer, dass sie teilweise mit Notarztbegleitung ins Krankenhaus transportiert werden mussten. Einigen Gästen mit leichteren Beschwerden wurde empfohlen, ihren Hausarzt aufzusuchen.

Eine Menge Arbeit

Neben leichten und teils auch schweren Erkrankungen waren es Bienen und Wespen, die wohl die eigentlichen Hausherren am Berg sind und diesen kräftig gegen Besucher verteidigten. "Dies bescherte den Sanitätern eine Menge Arbeit. Hier war Hilfe 56 Mal erforderlich", legte der Rot-Kreuz-Experte anschaulich dar. Auch als Wickelstation und Rückzugsort für stillende Mütter habe die Wache gedient. Hierfür habe es manch freundliches Wort gegeben, das die Sanis gerne hörten.

Alles in allem seien die Helfer dann doch zufrieden nach Hause gegangen, in der Gewissheit etwas Sinnvolles vollbracht zu haben. Denn, anders als die Nörgler sei der Großteil der Besucher froh und dankbar, in dem Bewusstsein, schnell kompetente Hilfe erhalten zu können, sollte diese benötigt werden.(Drei Fragen)
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