Kriegsgräberreise entlang der Westfront von 1914/18
Die Gräber der Verwandten

Eine Sterbebild an das Grabkreuz des verstorbenen Verwandten geklebt, das mitgebrachte Holzkreuzchen angebracht, eine Kerze entzündet und Erde vom Friedhof ins Glas als Erinnerung - für Ludwig Nerb enthielt die Reise sehr bewegende Momente.
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
02.10.2014
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"Blumen verwelken, Kerzen brennen aus, die Erinnerung aber bleibt." Gedanken wie diese bewegen Ludwig Nerb (48) aus Witzlhof wohl noch sein ganzes Leben. Der Oberstudienrat am HCA-Gymnasium in Sulzbach-Rosenberg sagt dies am Rande einer Kriegsgräberreise entlang der Westfront von 1914/18. Hier kommt er an die Gräber zweier Verwandter.

Am Vorabend zum Start der einwöchigen Busreise nach Frankreich und Belgien kam Ludwig Nerb erst spät von der Sitzung des Poppenrichter Pfarrgemeinderats heim. Es war wohl wieder mal dieser innere Antrieb, der ohnehin schon einige Jahre in ihm steckt und ihn dazu veranlasst, etwas mitbringen zu wollen: "Also bin ich kurz vor Mitternacht in meine Werkstatt raus, habe die Laubsäge genommen und zwei kleine Kreuze aus einer Holzplatte geschnitten."

Am folgenden Morgen setzte die Familie - Vater Ludwig, Mutter Kerstin und die Töchter Julia und Paula - noch jeweils ihre Namen drauf. Damit war das persönlich gehaltene Mitbringsel fertig - für zwei Gefallene, die die Nerbs aus Witzlhof selbst nie gekannt haben.

Ins Ungewisse

Insofern war die vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und deren Bezirksgeschäftsführer Kaspar Becher (Regensburg) organisierte Tour ein Fahrt ins Ungewisse. Bis dahin kannte der Reserveoffizier seine zwei im Ersten Weltkrieg umgekommenen Verwandten "nur von den Sterbebildern aus dem Schuhkarton". Das sollte sich unterwegs ändern, auch wenn die zwei Soldaten schon in jungen Jahren ihr Leben hatten lassen müssen.

Der eine davon war Leonhard Nerb, der Cousin von Ludwig Nerbs Opa Jakob. Dieser gehörte einst dem 10. Königlich Bayerischen Infanterieregiment an, das in Ingolstadt stationiert. Dieser "Ökonomensohn" - oder "Bauernsbua", wie Ludwig Nerb formuliert - war am 6. November 1893 in Hirnstetten bei Eichstätt zur Welt gekommen. Er war gerade 22 Jahre alt, als er am 27. Juni 1916 nahe Thiaumont, bei der Schlacht um Verdun, von einem Artilleriegeschoss getroffen und getötet wurde. Bestattet ist er auf dem Soldatenfriedhof Azannes II.

Im Kriegsarchiv

"Auf dem Sterbebild steht als Todestag der 26. Juni drauf, aber das stimmt nicht", ist sich Ludwig Nerb sicher. Seine Erkenntnis stützt er auf Nachforschungen, die er selbst im Kriegsarchiv in München über seine Verwandten angestellt hatte. "Das ist in Deutschland einmalig", unterstreicht Ludwig Nerb. Kriegstagebücher geben dort Auskunft über Einsätze, Beschuss, Gefallene, Verwundete oder über feindliche Flugzeuge.

Auch zu seinem Großonkel Johann Nerb - geboren am 24. Februar 1894 in Wasserzell bei Eichstätt - gab es reichlich Informationen aus den Unterlagen in der Landeshauptstadt. So war dieser am 1. Oktober 1914 als Rekrut zum Reserve-Infanterieregiment 13 nach Ingolstadt einberufen und zunächst bei Arras an der Westfront eingesetzt worden. Später folgten Verlegungen nach Russland, Galizien und Serbien, ehe Johann Nerb schließlich am 3. März 1916 wieder in den Reihen der kämpfenden Truppen rund um Verdun stand. Doch bald darauf fand er sich als Verwundeter für vier Wochen in einem Lazarett in Nürnberg wieder, kehrte aber danach wieder an die Front zurück .

Für Drahtverhau

An seinem Todestag, 27. November 1916, war, laut Kompanietagebuch, um 5 Uhr früh Abmarsch zum Herstellen eines Drahtverhaus bei Fromelles: "Hierbei ist Infanterist Nerb durch Kopfschuss gefallen." Die Kugel kam um 7 Uhr aus dem Gewehr eines britischen Soldaten. An dem Tag war es leicht neblig, vereinzelt kam die Sonne durch und es gab leichten Wind aus südlicher Richtung. Begraben wurde Johann Nerb am 28. November 1916 in Beaucamps. Bevor er fiel, gehörte er zum 21. Infanterieregiment, das an den Standorten Sulzbach (Fatzen), Fürth und Ingolstadt angesiedelt war.
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