Schenkelklopfer und dröhnende Lachsalven mit Sepp Lösch und Andreas "Hobbo" Royer
So macht das Sudern Freude

Eine universell einsetzbare, aus lauter Erzmusikanten bestehende Combo sind Tri Hudebnice, die einwandfrei zu dem Suder-Abend passten. Bilder: Gebhardt (2)
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
01.03.2016
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Ein deftiges Gespann: Sepp Lösch (rechts) und Andreas "Hobbo" Royer zauberten die Kracher nur so aus dem Hut.

Da wackelte das altehrwürdige Wirtshaus: ein Schenkelklopfer nach dem anderen, dazu dröhnende Lachsalven. Kein Auge blieb trocken bei der Lesung von Sepp Lösch und Andreas "Hobbo" Royer in der Landkutsche, keine Facette des Daseins verborgen. Nicht nur Klassiker, auch Rosenberger oder Sulzbacher Geschichten begeisterten die Gäste. Und gute Musik gab es dazu.

Innerhalb weniger Stunden waren die nur rund 60 Plätze ausverkauft, man saß recht kuschelig, und dann begann es, das "Sudern beim Pamler", wie die Einladung des Veranstalters Kultopf versprochen hatte. Sepp Lösch und Andreas "Hobbo" Royer, beide zünftig gewandet und von eigenen Trinkgefäßen umsäumt, hatten als gestandene Mannsbilder von Anfang an die Lacher auf ihrer Seite. Schließlich wogen sie (nach eigener Aussage) schon bei ihrer jeweiligen Einschulung rund 50 Kilo!

Der leere Käfig


Sie schilderten etwa, wie sich Menschen den von ihnen gehaltenen Tieren, zum Beispiel Hasen, optisch und verhaltenstechnisch annähern. Dazu passte die Valentin-Geschichte vom Kanarienvogel-Lieferanten, der einen leeren Käfig abgeben will. Ein längerer Ausflug über den Fremden an sich gipfelte in der Erkenntnis, dass "der Fremde nur in der Fremde fremd ist".

Oskar Maria Grafs Bayerisches Dekameron gab auch einige Schnurren her, etwa das "Sauohr", das "Spitzl" oder den "Zeck", die freilich, wie drei Viertel der anderen Gschichtln, deutlich den jugendfreien Raum verließen. Aber das machte den Abend nur noch gehaltvoller, man war ja auf keinem Kindergeburtstag.

Lokale Originale


Beide Protagonisten, als Rosenberger beziehungsweise "Schwoicherer" natürlich mit perfektem Dialekt gesegnet, philosophierten übers Bäia oder gleich "väia Bäia", streuten Brauer-Anekdoten unters fröhliche Volk und zitierten aus einschlägigen Werken über die Bayern. Wie soll man einem Preißn erklärn, was "Laawarechan" ist oder wo sich die nächste "Abodäign" befindet?

Lokalkolorit brachten die Geschichten über Sulzbacher oder Rosenberger Originale, etwa den Zechmeier-Hansi, und andere immer noch gern beschriebene Menschen. Ludwig Thomas Gedicht über das bayerische Parlament erwies sich als immer noch so zeitgemäß wie Josef Filsers Briefwexel. Auch einige kernige Grabinschriften aus dem Kramsacher Friedhof in Österreich durften nicht fehlen. Ja hawadere...

Klasse Musik


Den perfekten Gegenpol zu den literarischen und mundartlichen Perlen lieferten Tri Hudebnici, die diesmal in Vollbesetzung zu sechst aufspielten: mit Georg Leugner-Gradl (Klarinette), der Geigerin Sophie Meier-Rastl, dem Meier-Wastl an der Tuba, Klaus Hauenstein an der Quetschn, Uli Lommer mit der Gitarre und Jakob Kraft am minimal-invasiven Schlagzeug. Sie mischten anspruchsvolle Baierische mit Jazz und Sieben-Achtel-Takt, Oldies mit Traditionellem und boten sogar eine Country-Fiddle sowie ein Geigen-Klarinetten-Duell. Wirklich tolle Musik, in drangvoller Enge lässig-perfekt dargeboten und mit riesigem Beifall bedacht.

Fazit: Bauchweh vor Lachen, Kopf voll guter Musik und ein weiterer Beweis dafür, dass es bei uns manchmal gar keine auswärtigen Suderer auf der Bühne bräuchte. Das können wir nämlich auch selber hervorragend.
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