Sulzbach-Rosenberg und seine Jugger-Szene
Schläge, die verbinden

Wer sonntags oder dienstags aufmerksam durch den Sulzbacher Stadtpark geht, dem sollte dieses Team schon einmal aufgefallen sein. Bei den Jugger-Spielern herrscht gute Laune. Bild: hfz
Freizeit
Sulzbach-Rosenberg
28.08.2016
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So sieht es aus, wenn die Pompfen fliegen. Jugger ist eine Mannschaftssportart, die immer populärer wird. Bei den deutschen Meisterschaften ist das Team aus Sulzbach-Rosenberg wieder am Start.

Die Arbeitsklamotten in die Wäsche, das Trikot übergezogen und mit den Trainingsplänen in der Hand, macht sich Thomas Högner auf zum Sport. Fußball? Handball? Tennis? Fehlanzeige! Er ist auf dem Weg in den Sulzbacher Stadtpark, um dort Jugger zu spielen.

Im Dezember 2012 gründete Thomas Högner (26) zusammen mit neun Freunden den 1. Jugger-Sportverein Sulzbach. Der Mannschaftsname "Affen mit Waffen" ist inzwischen legendär in der deutschen Jugger-Szene. Das Team machte bei verschiedenen Turnieren von sich reden und spielten schon drei Mal um die deutsche Meisterschaft. Dort belegten die Sulzbach-Rosenberger stets einen Platz im vorderen Drittel. Derzeit trainiert das Team für die 19. Deutsche Meisterschaft, die am Freitag, 2. September, in Waidhaus (Kreis Neustadt/WN) über die Bühne geht.

"Alles begann beim Amberger Alpenverein", sagt Högner. Als er dort eine Jugendgruppe betreute, wurde er im Internet auf den Jugger-Sport aufmerksam. Die Spielgeräte, sogenannte "Pompfen" aus Schaumstoff und Glasfasern, bauten sich Högner und seine Truppe selbst. "Das Spiel war binnen kurzer Zeit so beliebt, dass immer mehr Leute dazukamen und mitspielen wollten", erzählt der Teamchef. Högner erkannte den Trend und beschloss, eine eigene Jugger-Veranstaltung zu organisieren. "Daraus hat sich nach einer Zeit ein Kreis aus alten und neuen Freunden gebildet." Sein Freund und Mannschaftskollege Luca Schober erinnert sich noch ganz genau, wie es dann zum ersten Turnier und zur Vereinsgründung kam: "Wir haben uns dann im Oktober 2012 für einen Wettkampf in Freiburg angemeldet und sind einfach mal dort hingefahren." Da musste natürlich ein einprägsamer Mannschaftsname her. Den Vorschlag "Affen mit Waffen" fanden alle gut. "Damit konnten sich die Sportler identifizieren, da sie eine gut gelaunte, lustige Truppe waren und auch geblieben sind", sagt Luca Schober.

Von wegen kalte Füße


In Freiburg angekommen, erwartete die Spieler zunächst ein richtiger "Kälteschock". "Es war Ende Oktober, aber es sah dort aus wie im tiefsten Winter. Es war sogar so kalt, dass alle umliegenden Fußballspiele abgesagt wurden", erzählt Schober weiter. Der Frost ebnete gewissermaßen den Weg zur offiziellen Vereinsgründung. Nach dem Turnier unterhielten sich die Sulzbacher mit anderen Teilnehmern und erfuhren, dass die anderen Jugger-Freunde den Winter über in Hallen trainieren. "Und dass es einfacher ist, sich als Verein in so eine Halle einzumieten." Gesagt, getan - noch im Dezember 2012 gründete sich der 1. JSV Sulzbach. "Um genau zu sein, sind wir seit dem 21. Juni 2013 im Vereinregister aufgeführt und haben zwei Monate später die Gemeinnützigkeit für unseren Verein erlangt", erklärt Vorsitzender Högner. Nur die Sache mit der Halle sei noch ein Problem. "Wir haben zwar bei ein paar Hallen angefragt, bisher nicht wirklich Rücksprache bekommen. Daher suchen wir immer noch nach einer Trainingsmöglichkeit für den Winter."


So sieht es aus, wenn die "Affen mit Waffen" auf dem Feld stehen.

Das Wir gewinnt


"Inzwischen zählen wir 43 Mitglieder, alleine dieses Jahr haben wir 8 neue dazubekommen", freut sich Högner. Der Großteil der Spieler ist zwischen 16 und 26 Jahre alt. "Für mich liegt der Reiz bei diesem schnellen, taktischen Sport eindeutig bei den spielerischen Freiheiten und darin, dass es vielmehr um Teamwork als um Einzelleistung geht", preist Teamkollege Max Dolles die ungewöhnliche Sportart. Wer mitspielt, müsse auch nicht komplett durchtrainiert sein, um zu punkten.

Der Verein hat einen Stab von sechs Leuten, die regelmäßig das Training gestalten. Es steht jeden Sonntag um 14.30 Uhr und Dienstag um 17.30 Uhr im Sulzbacher Stadtpark an. Vor Turnieren gibt es donnerstags eine extra Trainingseinheit. Dabei unterscheiden die Jugger-Spieler zwischen einem freien Training, bei dem einfach nur drauflos gespielt wird und dem "Zieltraining". Dabei werden spezielle Übungsfelder näher betrachtet: Spielzüge einstudiert, die Wege der Läufer verbessert, das Stellungsspiel analysiert, die Ausdauer trainiert. Dolles betont: "Das A und O im Spiel ist die Kommunikation. Ohne die geht gar nichts". Der Schlüssel zum Sieg sei es, als eine Mannschaft aufzutreten. Daher gibt es auch keinen Star in einem Jugger-Team. "Jeder Spieler trägt seinen individuellen Teil zum Erfolg bei." "Man merkt im Spiel, was einem liegt und mit welcher Pompfe man am Besten zurecht kommt", ergänzt er.

Training im Stadtpark


Der Verein präsentiert sich nicht nur im aktuellen Ferienprogrammheft, sondern auch an Schulen oder bei Jugendgruppen. "Die Leute, die sich einmal dafür begeistern, bleiben dann auch meistens", stellt Dolles fest. Das einzig Zeitraubende sind die Fahrten zu den Turnieren. "Wenn sich jeder die Trainingstermine einigermaßen in seinen Freizeitplan eintragen würde, wäre das natürlich hilfreich", fügt Högner augenzwinkernd hinzu. Wer Interesse am Jugger hat, ist eingeladen an den Trainingstagen im Sulzbacher Stadtpark vorbeizuschauen und mitzuspielen.

JuggerIm Internet (www.jugger.org) ist die Sportart ausführlich beschrieben: "Jugger ist ein Mannschaftsport, bei dem es darum geht, den Spielball zu erobern und die gegnerische Mannschaft vom Ballträger fernzuhalten. Dazu finden mit Schaumstoff gepolsterte Waffen, sogenannte Pompfen, ihre Anwendung", heißt es da.

Beim Jugger versuchen zwei Mannschaften aus jeweils fünf Spielern den Jugg, so wird der Spielball bezeichnet, in der Mitte des Spielfeldes zu erobern und im Tor der gegnerischen Mannschaft zu platzieren. Vier der fünf Spieler sind mit Pompfen ausgestattet und halten damit die gegnerische Mannschaft auf Distanz. Der fünfte Spieler, der Läufer, ist die einzige Person in der eigenen Mannschaft, die den Spielball direkt aufnehmen und somit Punkte erzielen kann. Wird ein Spieler von einer Pompfe getroffen, muss er für einen bestimmten Zeitraum aussetzen und darf in der Zeit nicht in das Spielgeschehen eingreifen. Die Mannschaft, die nach Ablauf der vollen Spielzeit die meisten Punkte erzielen konnte, gewinnt das Spiel.

Zudem gelten Schläge an Händen und Kopf nicht als Treffer. Die Spieldauer beträgt zweimal 100 "Steine". In dem Spielfilm "Die Jugger - Kampf der Besten" (1989) , auf dem die Sportart gründet, werden in regelmäßigen zeitlichen Abständen Steine gegen einen Gong geworfen. Bei Jugger wird stattdessen die Zeit getrommelt: alle 1,5 Sekunden ein Schlag, also quasi ein "Stein". (doz)


Für mich liegt der Reiz bei diesem schnellen, taktischen Sport eindeutig bei den spielerischen Freiheiten und darin, dass es vielmehr um Teamwork als um Einzelleistung geht.Max Dolles
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