4. Sulzbacher Hofmusiktage in Kooperation mit den Aktionstagen Alte Musik des Verbandes ...
Wie zu Zeiten des Herzogs

In der Hedwigskirche spielten Annika Haller und Zoe Leach (von rechts) auf der Blockflöte.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
13.07.2016
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Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert an historischen Orten: Die 4. Sulzbacher Hofmusiktage in Kooperation mit den Aktionstagen Alte Musik des Verbandes Bayerische Sing- und Musikschulen zeigten, wie es war, wenn Herzog Christian August und sein Hof Feste feierten.

Wer bei "Alter Musik" hochbetagte Musiker erwartet, wurde beim Wandelkonzert im und um das Sulzbacher Schloss enttäuscht. Die Blockflötistinnen bewiesen, dass 300 oder sogar 400 Jahre alte Musik auch junge Menschen begeistern kann. Michael Kämmle, Fachmann für Alte Musik sowie Blockflöten- und Traversflötenlehrer der SMS, weckt und pflegt diese Begeisterung. Bei den Hofmusiktagen, die er mit seinen Schülern vorbereitet hatte, dirigierte er und begleitete sie auch bei einigen Stücken.

Ein Quintett mit drei Blockflöten, Cembalo und Gitarre eröffnete den musikalischen Reigen in der Nikolauskapelle. Georg Philipp Telemann wirkte zu einer Zeit, als die Blockflöte langsam aus der Mode kam und von der Traversflöte ersetzt wurde. Die Traversflöte ist Vorgängerin der modernen Querflöte aus Holz und mit einer sehr viel einfacheren Klappenmechanik. Traversflöten sind kapriziös, im Spiel sehr anspruchsvoll und haben einen wunderbar warmen, vielfältigen Klang.

Schön ergänzt


Telemann schrieb in der Umbruchsituation ein Quartett für Blockflöte, zwei Traversflöten und Basso continuo. Die Bassstimme übernahm das Cembalo. Schön ergänzten sich die unterschiedlichen Klangfarben der verschiedenen Flöten. Später zogen die Musiker und ihr Publikum hoch in den Palas des Schlosses und bewunderten erst die Aussicht über die Stadt, dann die historische Bearbeitung einer Klaviersonate von Mozart für Gitarre und Traversflöte sowie die Sonate G-Dur von Ernst Gottlieb Baron. Das virtuose Flötenspiel, kongenial von der Gitarre ergänzt, war zauberhaft. Deutlich wurde, wie angenehm die tiefere Stimmung klingt, die in der Barockzeit üblich war.

Nächste Station war die Hedwigskirche. Hier musizierten Blockflötensolistinnen in Begleitung der historischen Orgel. Souverän spielten sie kurze Sonaten, eine Canzone und eine Fantasia. Ein besonderer Höhepunkt war ein Concerto von Joseph Bodin de Boismortier für fünf Traversflöten. Das Quintett begeisterte mit üppiger, sinnlicher Klangfülle.

Kräftiger Applaus


Wieder in der Nikolauskapelle, beendete das Traversflötenquintett den Nachmittag mit einem Satz von Boismortier. Das Publikum dankte den Musikern mit kräftigem, ausdauerndem Applaus. Die - leider nicht sehr zahlreichen - Zuhörer waren froh, heute zu leben und nicht in der Entstehungszeit der Musik, denn damals hätten sie als einfache Bürgerliche diesem Konzert höfischer Kammermusik nicht lauschen dürfen.

Zum Ausklang kredenzte das Café Minerva im sonnigen Schlosshof Kaffee und Kuchen.
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