500 Jahre Reformation
Ganze Welt verändert

Pfarrer Wolfgang Bruder hält Martin Luther hoch und bereitet das Reformationsjubiläum 2017 vor. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
31.10.2016
28
0

Am 31. Oktober 1517 schlug Martin Luther, der Überlieferung nach, 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche in Wittenberg. Damals der übliche Weg, um zum wissenschaftlichen Disput einzuladen. Die Diskussion über diese Thesen verließ den Rahmen der Wissenschaft, erfasste die Politik, veränderte Deutschland und die Welt.

Jetzt steht das 500-jährige Jubiläum der Reformation bevor. Die SRZ sprach deshalb mit Pfarrer Wolfgang Bruder, dem Jubiläumsbeauftragten der Gemeinde Christuskirche und des Dekanats Sulzbach-Rosenberg.

Herr Pfarrer Bruder, was kann uns Martin Luther heute noch sagen?

Pfarrer Wolfgang Bruder: Damals verkaufte die katholische Kirche Ablassbriefe, mit denen man das Seelenheil erwerben konnte. Heute stellt sich die Frage ein bisschen anders. Viele Menschen denken, mit Geld könne man Glück und Leben kaufen. Die Botschaft der Reformation stellt hier immer noch eine große Befreiung dar.

Luther litt, genau wie seine Zeitgenossen, unter vielen Ängsten. Er merkte, dass er aus eigener Kraft die Angst nicht besiegen konnte, wohl aber mit Gottes Hilfe. Glaube befreit von der Macht von Sünde, Tod und Teufel, das gilt auch heute, bei unseren modernen Ängsten. Denn der Mensch ist ein religiöses Wesen. Die Reformation lehrt uns, dass wir nicht nur funktionieren müssen, sondern auch andere wichtige Bedürfnisse haben: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", heißt es in Matthäus 4,4.

Sie sind der Jubiläumsbeauftragte des Dekanats Sulzbach-Rosenberg und der Gemeinde Christuskirche.

In dieser Funktion habe ich an den Vorbereitungstreffen auf Landesebene teilgenommen. Nun freue ich mich, dass viele Anstöße aufgenommen wurden und in vielen Kirchengemeinden unseres Dekanatsbezirkes, auch unabhängig davon, Vorbereitungen für das Jubiläumsjahr getroffen werden.

Was steht bei der Christuskirche auf dem Programm?

Das Jubiläumsjahr beginnt schon heuer mit dem Reformationsfest. Am Sonntag, 6. November um 9 Uhr feiern wir unseren traditionellen Festgottesdienst. Am Abend zuvor um 19 Uhr halte ich einen Festvortrag. Im Moment wird viel Aufwand wegen Luther getrieben, es gibt Lutherbonbons, -söckchen, Lutherbier und noch viel mehr. Ich stelle die Frage nach der Botschaft Martin Luthers und was sie uns heute zu sagen hat.

Was ist nächstes Jahr geplant?

Im März feiern wir einen ökumenischen Gottesdienst, bei dem die Heilung der Verletzungen durch die Reformation im Mittelpunkt steht. Wir planen Stadtführungen und einen Erzählabend zum Thema Simultaneum. Im Juni besuchen wir die Lutherstätten in Thüringen und Sachsen-Anhalt, außerdem werden wir wandern. Natürlich begehen wir den Reformationstag 2017 mit einem festlichen Gottesdienst und anschließend der Veranstaltung "Tischreden", inspiriert von Luther. Dabei werden je ein Vertreter der jüdischen und der islamischen Gemeinde sprechen, außerdem eine evangelische Frau. Das wird spannend!

Deutschlandweit ist auch viel los?

Vom 24. bis 28. Mai 2017 findet in Berlin und an anderen Orten der Kirchentag statt mit einem gemeinsamen Abschlussgottesdienst am 28. Mai in Wittenberg. Am 31. Oktober 2017, also genau 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag, endet das Jubiläumsjahr mit einem Gottesdienst und einem Staatsakt in Berlin.

Viele Leute sagen nicht Reformationsjubiläum, sondern Lutherjubiläum.

Es geht letztlich nicht um Luther und die Reformation, sondern um die Wiederentdeckung des Evangeliums und der Bibel. Das aber ist kein evangelisches, sondern ein ökumenisches Ereignis. Das geht uns alle an. Deshalb ist auch einmalig der 31. Oktober 2017 bundesweit ein Feiertag.

ProgrammDas Programm zum Reformationsjubiläum:

12. März 2017 um 17 Uhr: "Healing of Memories", ökumenischer Gottesdienst in St. Marien

26. Juni bis 1. Juli 2017: Fahrt (nicht nur) zu den Lutherstätten

Sommer 2017: Stadtführung zum Thema Simultaneum

Sommer 2017: Reformation in Bewegung, ökumenisch wandern

31. Oktober 2017 um 10 Uhr: Ökumenischer Festgottesdienst mit einem katholischen Festprediger in der Christuskirche, anschließend Tischreden.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.