50er-Jahre-Regisseur Harald Braun im Mittelpunkt eines neuen Buches - Vorgestellt im ...
Literatur, Film und dem Glauben verbunden

Die Autoren Rolf Aurich (links) und Wolfgang Jacobson (rechts) befassen sich intensiv mit dem Werk von Harald Braun. Bild: Otto
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
23.03.2015
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Es ist ein weißer Fleck auf der Karte der Filmwissenschaft - das deutsche Kino der 50er. Unverdient, wie Rolf Aurich und Wolfgang Jacobson finden. Die beiden renommierten Filmpublizisten und -wissenschaftler wollen dem Nachkriegskino zumindest in Teilen die Bedeutung zurückgeben, die es verdient. Mit ihrem Buch "Harald Braun - Literatur, Film, Glaube" widmen sie sich exemplarisch seinem Leben und Werk.

Nachlass im Archiv

Dass die beiden Publizisten ihren Band in Sulzbach-Rosenberg vorstellten, hat einen regional interessanten Hintergrund. Harald Brauns Nachlass - Briefe, Drehbücher und Fotografien - liegt im Literaturarchiv. Diese Dokumente waren entscheidende Quellen für diese erste Monografie über Harald Braun.

Moderiert von Michael Peter Hehl entwarfen Aurich und Jacobson an diesem Abend das Bild eines Künstlers, der nicht isoliert als Filmschaffender zu betrachten sei, sondern im Kontext seiner Biografie - eben im Spannungsfeld, das der Titel ankündigt: zwischen Literatur, Film und Glaube.

Harald Braun sei in einem konservativen Pfarrhaus aufgewachsen. Ein Motiv, dass sich durch sein Leben ziehe. "Er wollte lebensdienlich sein", erklärte Rolf Aurich. Nach Studium und Promotion habe Braun 1924 entscheidend an der Zeitschrift "Eckart" mitgewirkt, in der er versucht habe, Literatur und Glaubensfragen zu verknüpfen.

Er habe Werke proletarischer Prägung, aber auch völkische Veröffentlichungen besprochen. "Ideologisch ist er nicht verbaut gewesen. Er hat den ,Eckart' als eine Plattform gesehen, in der offen und mit literarischem Anspruch über Glaubensfragen verhandelt werden konnte", erklärt Aurich.

Zunächst beim Radio

Auch als Braun 1932 zum Rundfunk wechselte, habe seine Aufmerksamkeit der Rezension von Büchern gegolten. Seine "Bücherstunde" sei eine Fortsetzung seiner Arbeit im "Eckart" mit anderen medialen Mitteln gewesen. "In einer Sendung hat er bis 12 Werke besprochen. Er war eine sprichwörtliche Leseratte", beschreibt Jacobson die publizistische Arbeit Brauns. Lediglich ein Hörspiel, von Braun inszeniert, zeige erste Bezüge zum Thema Dramaturgie.

Warum er das Radio verlassen habe oder unter Umständen auch habe verlassen müssen, sei nicht bekannt. "Zum Film holte ihn schließlich Carl Fröhlich", erzählt Aurich. 1937 habe der nazikonforme Filmemacher Braun die Regieassistenz angedient.

"Er hatte offensichtlich Talent und durfte bald im Wesentlichen selbständig arbeiten", erklärt Aurich. 1942 sei mit "Zwischen Himmel und Erde" der erste Film komplett unter Brauns Regie entstanden. Diesem Werk seien mit "Königliche Hoheit", "Der gläserne Turm" und "Unsere kleine Stadt" noch viele weitere erfolgreiche gefolgt - inszeniert mit Stars wie Dieter Porsche, Ruth Leuwerik, Hardy Krüger, Maria Schell oder O. W. Fischer. Brauns film- und zeitgeschichtliche Bedeutung werde auch sichtbar durch einen Deutschen Filmpreis (1953) und seine Mitgliedschaft im Verband deutscher Filmregisseure sowie in der Berliner Akademie der Künste.
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