Alexander Kostinskij bringt mit seinen Erzählungen Salz in die Suppe des Lebens
Meschugge Männer und gelassene Frauen

Alexander Kostinskij fesselte sein Publikum in der früheren Synagoge mit sonorer Stimme und Geschichten voll Humor und feinsinnigen Wahrheiten.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
25.10.2016
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Es muss schon etwas Besonderes gewesen sein, das Leben im Schtetl in der Ukraine. Alexander Kostinskij erzählt heute noch davon, obwohl er schon 25 Jahre in München wohnt. Und Erzählen kann er gut mit seiner sonoren Stimme und ihrem leichten "russisch-jiddischen" Akzent. Die restaurierte Synagoge in Sulzbach-Rosenberg bot dem Autor, Illustrator, Rundfunksprecher, Zeichner und Maler die ideale Bühne dazu. Eingeladen hatten ihn die Katholische Erwachsenenbildung (KEB), das Evangelische Bildungswerk (EBW) sowie das Stadtarchiv.

Es sind vor allem die Witze, Scherze und Märchen, die Wärme, Schläue und Lebensphilosophie spürbar machen. Denn: "Ein Leben ohne Märchen und Witz ist wie eine Suppe ohne Salz." Solange er sie weitererzählt, solange leben sie weiter.

Kostinskijs Erinnerungen an gemütliche Winterabende rund um den warmen Kachelofen im Kreis der großen Familie lassen ihn den Duft von Tee mit Zitrone oder Himbeermarmelade so deutlich spüren, als lebte er noch dort in seiner Kindheit. Dann fallen ihm die Geschichten ein, die Großvater Josef aus seinem löchrigen Hut zauberte. Zum Beispiel die vom Krämer Ephraim, der, als ein Vogel ein Nest auf seinem Hut baut und ein Ei hineinlegt, alles verkauft und dem Vogel folgt. Oder die vom Schneider David Lewenson, der mit dem Wind reden kann, mit ihm fortfliegt, und später mit der ganzen Familie auf einem Nussbaum lebt.

Auch die Erzählung vom Sternenverkäufer, der für eine Kopeke den Schwachen Hoffnung und Mut verkauft. Es sind vor allem die Männer, die sich oft seltsam verhalten, und trotzdem sagt die Ehefrau: "Es ist schön, dass ich so einen Mann wie dich habe." Die Gelassenheit, die die Ehefrauen im Umgang mit ihren "meschuggen" Ehemännern an den Tag legen, entspricht vielleicht der Lebensklugheit, mit der das jüdische Volk sein Schicksal annimmt und sich den oft traurigen und schwierigen Lebensumständen anpasst. Jüdische Witze sind oft gar nicht so lustig, sondern enthalten viel feinsinnige und tiefgründige Wahrheiten, sind geprägt von eigensinnigem Humor und hintergründiger Selbstironie.

Sehr zum gelungenen Abend beigetragen hat Heinrich Weigert aus Schmidmühlen mit seiner Klarinette, der er die wehmütigen, lauten und leisen Klezmertöne entlockte. Unterstützt wurde er dabei von Hans Bauer vom Katholischen Bildungswerk an der Gitarre.
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