Alte Brückenpfähle in Sulzbach-Rosenberg untersucht
Nach Datierung neue Zweifel

In der vorletzten Aprilwoche waren Bauarbeiter beim Abriss der alten Betonbrücke über den Erlbach auf insgesamt 69 Holzpfähle gestoßen. Nach ersten Überlegungen hätte es sich durchaus um eine sehr alte Brückenkonstruktion handeln können. Archäologe Dr. Mathias Hensch sicherte den Fund. Bilder: Royer (3)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
18.05.2016
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Kaiser Karl IV. am Ostchor der Kirche St. Marien. Schon zu seiner Zeit (1316-1378) nutzten Kaufmannszüge die Passage am Erlbach.

Eine Sensation lag in der Luft, die gefundenen Relikte ließen erste Schlüsse zu. Archäologe Dr. Mathias Hensch sah im Pfahl-Fund beim Abriss der Betonbrücke am Erlheimer Weg Hinweise auf eine historische Konstruktion. Da in diesem Bereich die Goldene Straße verlief, eine berechtigte Vermutung. Nach einer vorläufigen Datierung gibt es jetzt wieder Zweifel.

Dass es sich beim Ort der Baustelle um ein historisch bedeutendes Areal handelt, war bekannt. Der Name der dort anschließenden "Alten Straße" belegt die Bedeutung als Altwege-Kreuzung, die Ostfranken mit Böhmen verbindet. "Allgemein glaubt man, dass dies erst mit der Goldenen Straße zur Zeit Kaiser Karls IV. so war, aber diese Verbindung ist sicher viel älter. Sie geht zurück bis ins Frühmittelalter, ja vielleicht sogar bis in die Vorgeschichte", bewertet Hensch die historische Bedeutung.

Bereits im Vorfeld der Brückensanierung wies die Stadtverwaltung als Untere Denkmalschutzbehörde darauf hin, dass beim Abbruch historische Relikte zu tage treten könnten, was dann unverzüglich zu melden sei. So war es dann auch mit den von der Baufirma vorgefundenen insgesamt 69 Holzpfählen. Dr. Hensch ließ sie per Bagger ziehen, nummerierte sie und entnahm Proben zur dendrochronologischen Untersuchung.

Schon am zweiten Tag nach der Sicherung des Fundes, als Hensch auf Rammschuhe und gezogene Drahtnägel an und in den Pfählen stieß, schien für den Archäologen klar, dass die Konstruktion eigentlich aus jüngster Zeit stammen muss. Eine erste Experten-Untersuchung ergab dann den Zeitraum "erste Hälfte 20. Jahrhundert". Gestern tauchten aber ganz aktuell wieder Zweifel wegen der Beschaffenheit der Hölzer auf.

Im Pressegespräch erläuterte Hensch, der gegenwärtig in Amberg das Drillingsfeld bei Alt-Eglsee untersucht, dass die Bayerische Uraufnahme (1808 bis 1864) am Erlheimer Weg keine Brücke zeigt, die Vogelsche Karte von 1603 aber schon. Schon alleine diese Tatsache habe zunächst auf eine ältere Konstruktion schließen lassen. "Schade, dass sich dann unsere erste Euphorie mit der Einordnung um das Jahr 1500 nicht bestätigte", bedauerte der Fachmann.

Ohne Erinnerung


Nach Faktenlage könnte diese eigentlich altmodisch angelegte Konstruktion im Zuge der Regulierung des Erlbachs eventuell 1934 vom Reichsarbeitsdienst ausgeführt worden sein. "Auch hier ist die Erinnerungsspanne scheinbar sehr kurz, da sich bei ersten Nachfragen niemand an diese Maßnahme erinnern konnte. Genaueres wird aber hier die Archivarbeit und eine weitere Experten-Untersuchung bringen", ergänzte Hensch gegenüber der SRZ.

Weiterhin bestünde die Möglichkeit, dass in der Umgebung dieser Brücke an anderer Stelle historische Querungen des Erlbachs zu finden wären. Auch im Kataster von 1775 lasse sich nichts Derartiges entdecken. Schwere Kaufmannszüge, die auf dieser Passage sicher von Nürnberg nach Prag unterwegs waren, lassen aber immer auf sehr stabile Konstruktionen schließen.

Mathias Hensch, der mit der Stadtgeschichte von Sulzbach-Rosenberg bestens vertraut ist, bemerkte am Rande, dass durch die Sicherung und Bewertung der Pfähle keine Bauverzögerung eingetreten sei, da die Hölzer sowieso entfernt werden mussten. "Sulzbach als wichtiger Zentralort im baierischen Nordgau wird sicher weiter für Schlagzeilen sorgen", gab sich der Archäologe überzeugt.
Schade, dass sich dann unsere erste Euphorie mit der Einordnung um das Jahr 1500 nicht bestätigte.Dr. Mathias Hensch
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