Alte Instrumente kommen zu neuen Ehren
Hofmusiktage im Wandel

Michael Kämmle und seine Schülerinnen an der Städtischen Sing- und Musikschule bereiten sich intensiv auf die Sulzbacher Hofmusiktage vor. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
17.06.2016
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In seiner neuen Funktion hat der Musikpädagoge viel vor: Michael Kämmle, Lehrer für Block- und Traversflöten an der Städtischen Sing- und Musikschule, ist zum Fachberater für Alte Musik des Bayerischen Musikschulverbands bestellt. Erstes Projekt sind die neu gestalteten "Sulzbacher Hofmusiktage" am 9. und 10. Juli.

Die SRZ sprach mit Kämmle über Alte Musik in der heutigen Zeit.

Herr Kämmle, zunächst einmal Glückwunsch zu Ihrer Bestellung. Das ist eine schöne Anerkennung Ihrer Arbeit. Aber was ist Alte Musik? "Alt" klingt ja ein bisschen angestaubt ...

Michael Kämmle: Alte Musik, das ist europäische Musik aus der Zeit vor etwa 1750. Nicht nur die Stücke sind anders als die modernen, es gibt auch andere Instrumente und eine andere Spielpraxis. Nur ein kleines Beispiel: Die historische Stimmung liegt einen halben Ton tiefer als die heutige. Das ergibt einen wunderbar warmen Klang. Nach einem regelrechten Boom vor etwa 20 Jahren ist vieles von der Alten Musik in den normalen Orchesterbetrieb übergegangen. Jetzt fließt es weiter in die pädagogische Arbeit an den Musikschulen. Das ist eine Bereicherung unserer musikalischen Welt!

Wie sieht es an der Städtischen Sing- und Musikschule aus?

Alte Musik steht im Mittelpunkt meiner Arbeit. Steffen Weber, der Leiter der SMS, macht es möglich, dass ich hier leben und es an Schüler weitergeben kann, was Alte Musik bedeutet. Konkret spielen hier Jugendliche Cembalo. Ich unterrichte die Traversflöte als historisches Instrument. Einige Schüler lernen Generalbass, also die improvisierte Bassbegleitung. Aber auch auf modernen Instrumenten spielen wir Werke früherer Komponisten in historisch informierter Aufführungspraxis.

Was ist Ihre Aufgabe als Fachberater für Alte Musik?

Ich bin Ansprechpartner für alle Lehrer an bayerischen Musikschulen, die sich mit Alter Musik beschäftigen. Und ich organisiere die "Aktionstage Alte Musik". Heuer finden sie in Kooperation mit der Musikschule Lauf und den Sulzbacher Hofmusiktagen der SMS statt.

Was ist für Sulzbach geplant?

Wir machen mehrere kleine Konzerte an Orten, wo man sonst selten hinkommt, in der Hedwigskirche, in der Nikolauskapelle und im Festsaal im Schloss. In den Festsaal dürfen immer nur 50 Personen gleichzeitig. Wir wiederholen deshalb das Programm, bis alle Besucher es hören konnten. Ich danke dem Staatlichen Bauamt und Dekan Walter Hellauer, dass sie uns diese stimmungsvollen Räume zur Verfügung stellen, deren Atmosphäre perfekt zur Musik passt.

Was wird gespielt?

Unterschiedliche Schülerensembles werden ihre Arbeit präsentieren. Da gibt es die Jüngsten mit einer reizvollen frühbarocken Triosonate, erwachsene Musikschüler spielen ein Stück mit fünf Traversflöten. Diese üppige Besetzung kann man kaum erleben, auch nicht bei professionellen Ensembles. Jugendliche studieren ein Stück mit luxuriöser Continuobesetzung ein. Die Bassstimme spielen Cembalo, Cello und Gitarre.

Gibt es besondere Instrumente?

Die Traversflöten entsprechen historischen Vorbildern. Auch eine Blockflöte ist so ein Nachbau. Der Cellist wird mit einem Barockbogen streichen, dazu muss er eine andere Technik lernen. Die Besucher erwartet ein abwechslungsreiches Programm, und wir haben auch ein paar Überraschungen geplant. So haben die Hofmusiktage Eventcharakter.

InfoDie Sulzbacher Hofmusiktage und die Aktionstage Alte Musik des Bayerischen Musikschulverbands bieten heuer ein Wandelkonzert um verschiedene Orte im Schloss. Treffpunkt ist am Samstag, 9. Juli, um 15 Uhr am Löwenbrunnen im Oberen Schlosshof (bei Regen in der Nikolauskapelle). (cog)
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