Alte Sulzbacher Thora-Rolle kommt in die Heimat zurück
Mehrere Unglücke überlebt

Schon im letzten Jahr präsentierte Rabbiner Elias Dray die alte Sulzbacher Thora-Rolle zu Forschungszwecken in der Synagoge (Bild). Ursprünglich hatte der Geistliche der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg daran gedacht, das Schriftstück restaurieren zu lassen, was aber zu teuer gekommen wäre. Ab Sonntag steht sie für ein Jahr im Mittelpunkt einer Ausstellung, danach kehrt sie nach Amberg zurück. Bilder: Royer (2)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
14.04.2016
105
0
 
Der Schutzmantel der Thora-Rolle.

Nach rund 70 Jahren Dornröschenschlaf wurde in der Synagoge Amberg eine uralte Thora-Rolle identifiziert: 1792 für die Synagoge in Sulzbach angefertigt, zählt sie zu den ältesten im süddeutschen Raum. Sie hat mehrere Unglücke überlebt und ist jetzt Anlass für eine Ausstellung.

Der in der Herzogstadt aufgewachsene Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Amberg, Elias Dray, hat eine Thora-Rolle aus dem Jahr 1792/93 wiederentdeckt, die für das jüdische Gebetshaus in Sulzbach geschrieben worden war.

Eröffnung der Ausstellung


Wie Stadtarchivar Johannes Hartmann beim Pressegespräch gegenüber der SRZ informierte, kann die betagte Schrift für Lesungen im Synagogen-Gottesdienst nicht mehr verwendet werden. Am Sonntag, 17. April, wird sie aber zur Ausstellung ab 13.30 Uhr in der Sulzbacher Synagoge erwartet.

Wie weiter zu erfahren war, ist die Israelitische Kultusgemeinde Amberg bereit, die historische Rolle für ein Jahr in der ehemaligen Synagoge in Sulzbach, ihrem ursprünglichen Aufbewahrungsort, auszustellen.

"Die Entdeckung dieser Rolle ist umso bedeutender, da sie bereits zwei Katastrophen überdauert hat: Zunächst den Stadtbrand in Sulzbach von 1822, dem auch die Synagoge zum Opfer gefallen ist, und zum anderen die Zerstörungen in der Nazi-Zeit während des Pogroms am 9. November 1938 in der Synagoge Amberg. Dorthin war die Thora-Rolle nach Auflösung der Sulzbacher Gemeinde 1934 gebracht worden", merkt Hartmann an.

Durch den Zusammenbruch jüdischen Lebens in Europa während des Nationalsozialismus seien auch die meisten Thora-Rollen aus den zerstörten Synagogen und Betstuben vernichtet oder stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Umso erfreulicher sei dieser seltene Fund aus Amberg. "Die Thora-Rolle hat den Krieg überlebt und gewährt uns einen unmittelbaren Blick in den Mittelpunkt jüdischen Lebens. Denn die hochverehrte Thora bekommen nur wenige Juden während der Thora-Lesung zu sehen", weiß der Archivar.

Der Zeitpunkt des Ausstellungsbeginn soll außerdem auf ein besonderes Sulzbacher Jubiläum hinweisen: Am 9. Februar 1666, also vor 350 Jahren, erteilte der Sulzbacher Pfalzgraf Christian August den Schutzbrief an Feustel Bloch und begründete damit die jüdische Gemeinde Sulzbach.

Professor Brenner dabei


Wie die Veranstalter weiter angeben, wird Professor Dr. Michael Brenner, Lehrstuhlinhaber für Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München, den Festvortrag halten. Für die musikalische Gestaltung sorgen der Berliner Pianist Doron Burstein sowie der Münchener Kantor Ezra Meyer.

Programm am SonntagGleich nach dem Festakt im Stadtmuseum am Sonntag, 17. April, in Amberg um 11 Uhr zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung über den Maler Michael Matthias Prechtl wird die Thora-Rolle um 12.45 Uhr aus der Synagoge Amberg, Salzgasse 4, abgeholt und im Konvoi in die Herzogstadt gefahren. Von der Südostecke des Rathauses aus (nahe Rosenberger Straße 6), wird sie in feierlicher Prozession zur Sulzbacher Synagoge, Synagogenstraße 9, getragen und dort in einer eigens konstruierten Vitrine ein Jahr lang ausgestellt. Anlass: "350 Jahre Gründung Jüdische Gemeinde Sulzbach". Dort folgt um 13.30 Uhr ein Festakt. Das Programm beinhaltet: musikalische Eröffnung mit Pianist Doron Burstein (Berlin) und Kantor Ezra Meyer (München/Israel); Begrüßung Bürgermeister Michael Göth; Grußworte; Rabbiner Elias Dray: "Bedeutung der Thora im Judentum", Musikstück; Festvortrag von Prof. Dr. Michael Brenner (Ludwig-Maximilians-Universität München) über die "Geschichte Jüdischen Lebens in der Oberpfalz"; Musikstück; Ausstellungseröffnung. (oy) (Zum Thema)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.