Ausstellung der Gruppe 81
Sinnlichkeit und Gänsehaut

Erstmals eröffnete Bernhard Müller (Zweiter von rechts) die Ausstellung der Gruppe 81 im Seidel-Saal. Spiritus rector Hans Wuttig (Zweiter von links), Bürgermeister Michael Göth (rechts) und 3. Bürgermeister Hans-Jürgen Reitzenstein (links) freuten sich über das große Interesse der Kunstfreunde.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
26.06.2016
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Aquarell, Acryl und Öl, Zeichnungen und Keramiken: Auch heuer bot die Ausstellung der Gruppe 81 wieder viel zu entdecken. An den drei Öffnungstagen von Freitag bis Sonntag nutzten zahlreiche Besucher das Altstadtfest, um Kunst zu erleben und mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen.

"Die Mischung macht's am Altstadtfest", sagte Bürgermeister Michael Göth bei der Ausstellungseröffnung, "und unsere Künstler machen viel aus." Viele kleine Zähnchen, führte das Stadtoberhaupt aus, bilden zusammen ein Zahnrad, und nur mit solchen Zahnrädern könne sich das große Altstadtfest-Rad drehen.

Erstmals eröffnete nicht Hans Wuttig, der spiritus rector der Gruppe 81, die traditionelle Ausstellung, sondern Bernhard Müller. Er wies die Kunstfreunde auch auf den ganz neuen Ausstellungsraum der Künstlergruppe in der Frühlingsstraße 10 hin. Dort kann man auch Werke der Künstler sehen, die jetzt nichts präsentierten, denn von den zwölf Künstlern der Gruppe waren diesmal nur acht vertreten.

Hans Wuttig zeigte Reiseimpressionen in Hinterglastechnik, die Fernweh weckten und die Phantasie anregten. Die reduzierten Landschaftsaquarelle von Günter Wendler erzielten bei sparsamem Farbgebrauch eine geradezu suggestive Wirkung und zogen den Betrachter in das Bild.

Acryl und Aquarell sind die Techniken, die Emma Niklas für ihre zauberhaften Blumenbilder wählte. Zum Anbeißen waren ihre "Feigen". Voller Schalk blickte Jérôme Boateng auf dem Bleistiftportrait. Mit der Zeichnung "Nachbar" ging Bernhard Müller in humorvoller Weise auf politische Entgleisungen ein. Nora Matoczas Ölgemälde von Landschaften und Gebäuden waren sehr lebendig mit ausdrucksstarken Farbwirkungen.

Kunst soll Menschen miteinander ins Gespräch bringen, sie verblüffen, vielleicht sogar Bestürzung hervorrufen. Das gelang Kuschel mit dem bitterbösen Gemälde eines Hasen mit aufgerissener Kehle. Die Erklärung stand dabei: Nicht der Mensch hat das Tier gejagt, sondern der Wolf. Die Besucher diskutierten. Ganz anders Kuschels zauberhafte Keramikfigur eines Mädchens von unschuldsvoller Sinnlichkeit. Großformatig und abstrakt waren Roman Friedrichs Arbeiten in Mischtechnik. "Relax" war das Motto für ein Faultier in der Badewanne. Diese spaßige Keramik präsentierte Uschi Brauner. In geradezu brutalem Kontrast dazu stand ihre Figur eines "Falschen Freundes", eines Ku-Klux-Mannes, der ein dunkelhäutiges Kind an der Hand führte. Gänsehaut.

Für die musikalische Umrahmung der Vernissage sorgte Maria Boßle, die Blasmusik darbrachte. Ihr Instrument klang erstaunlich gut, obwohl es eigentlich für einen anderen Zweck gebaut war: Sie spielte auf einer Krücke. Das Metallrohr blies Boßle mal wie eine Trompete, dann wie eine Querflöte. Begleitet wurde sie ganz konventionell von Dr. Markus Lommer am Klavier.
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