Ausstellung "Jüdische Friedhöfe an der Goldenen Straße"
Oft bedrängt und bedroht

Nathanja Hüttenmeister erläuterte sehr anschaulich die große Vielfalt des jüdischen Totenkults. Bild: gac
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.10.2016
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Dieses Ölgemälde der Ausstellung von Hans Wuttig zeigt eine Ansicht des Sulzbacher Judenfriedhofes. Bild: Royer

"Als ich 1969 nach Sulzbach-Rosenberg kam, faszinierten mich zwei Dinge sofort: Die Maxhütte und der Judenfriedhof", sagte Kulturpreisträger Hans Wuttig bei der Eröffnung der Ausstellung "Judenfriedhöfe an der Goldenen Straße" in der ehemaligen Sulzbacher Synagoge. Dort ist jetzt eine Auswahl von Wuttigs Bildern aus über 50 Jahren zu sehen.

Schiefe Grabsteine, manchmal überwuchert von Gras und Sträuchern, dazwischen schattenspendende Bäume - so porträtiert Wuttig jüdische Friedhöfe von Prag über Floß, Schnaittach und Sulzbach bis Nürnberg.

Wer den Trubel, das Geschiebe der Touristen am Prager Friedhof kennt, kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass dies noch 1984 eine Oase der Stille in der Großstadt war, die Wuttig in Aquarellen und Grafiken wunderschön wiedergibt. Aber keineswegs alle Bilder sind idyllisch - die Schatten der Millionen Ermordeten dräuen über den Gräbern. Der Sulzbacher Friedhof liegt in den älteren Ansichten nicht wie heute mitten im Wald, sondern wird von einer riesigen Schutthalde bedrängt und bedroht.

Wuttigs wichtigste Ausdrucksform ist das Aquarell, das durch seine natürlichen, sanften Farben besonders zum Einfangen von Stimmungen geeignet ist. Es gibt jedoch auch einige Öl- und Acrylbilder. Eindrucksvoll sind die Monotypien des Prager Friedhofs, die mit ihren großen schwarzen Flächen etwas Düsteres und Geheimnisvolles transportieren.

Klänge aus dem "Stetl"


Passend begleitet wurde die Vernissage durch Klänge aus dem "Stetl" vom Klarinettenensemble der Berufsfachschule für Musik unter Leitung von Johannes Neuner. Bürgermeister Michael Göth erläuterte, dass die Ausstellung zum Begleitprogramm der bayerisch-tschechischen Landesausstellung gehöre, die zur Zeit in Nürnberg zu sehen ist. "Vieles erinnert noch an die Herrschaft Karls IV. und das Königreich Neuböhmen", führte das Stadtoberhaupt aus.

Nathanja Hüttenmeister vom Steinheim-Institut in Essen gab einen Überblick über die Gestaltung jüdischer Friedhöfe. Geprägt wurden sie oft von der Schwierigkeit, überhaupt Land dafür zu bekommen. So musste sich oft mehrere Gemeinden einen Friedhof teilen, und der befand sich meist an abgelegenen, für Wohnungsbau und Landwirtschaft uninteressanten Orten, wie zum Beispiel auf Bergkuppen, an Steilhängen oder wie in Bonn auf Überschwemmungsflächen. Da die Totenruhe bis zur Auferstehung am Jüngsten Tag gewährleistet sein muss, wurde auch der Platz so gut wie möglich ausgenutzt. Kinder wurden oft in getrennten Gruppen beerdigt, in denen die Gräber dichter zusammengelegt waren. Manche Gemeinden beerdigten Männer und Frauen getrennt, auch Rabbiner und im Kindbett gestorbene Frauen hatten oft eigene Bereiche

Mit dem Schofar-Horn


Bis ins 19. Jahrhundert waren Grabsteine meist rechteckig oder mit halbrundem Abschluss. Sie waren zunächst nur mit hebräischen Schriftzeichen verziert. Später kamen segnende Hände (für Rabbiner), das Schofar-Horn, Schreibzeug oder die Levitenkanne dazu. Im 19. Jahrhundert wurden alle auch im Christentum üblichen Stilmittel verwendet.

Vor allem die mittelalterlichen Grabsteine sind heute oft nur deshalb erhalten, weil die jüdischen Friedhöfe geplündert und die Grabsteine als Baumaterial in den Städten Verwendung fanden. Dort werden sie in Gebäuden oder im Straßenbelag aufgefunden.

ÖffnungszeitenDie Ausstellung in der ehemaligen Sulzbacher Synagoge, Synagogenstraße 9, ist geöffnet Mittwoch und Sonntag von 14 bis 17 Uhr bis zum 17. März 2017. Eintritt: 3 Euro, ermäßigt 1,50 Euro, mit Führung 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Die Eintrittskarte berechtigt auch zum einmaligen, kostenlosen Besuch des Stadtmuseums. (gac)
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