Ausstellung zum 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. im Stadtmuseum eröffnet
Viele Privilegien von Gottes Gnaden

Maria Rita Sagstetter stellte die Bedeutung der 20-jährigen Herrschaft Karls IV. für Sulzbach heraus.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
20.11.2016
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Das Stadtarchiv stellt Originalurkunden aus Pergament für diese Ausstellung zur Verfügung. Bilder: hfz (2)

Heuer jährt sich der Geburtstag von Kaiser Karl IV. zum 700. Mal. Aus diesem Anlass war beziehungsweise ist in Prag und Nürnberg eine Bayerisch-Tschechische Landesausstellung zu sehen.

Dieses Jubiläum nehmen auch städtische Kultur-Einrichtungen zum Anlass, mit Veranstaltungen und Ausstellungen die für Sulzbach-Rosenberg bedeutende Epoche im 14. Jahrhundert zu würdigen. So etwa Hans Wuttig in der Synagoge mit Bildern zu jüdischen Friedhöfen, die an der Goldenen Straße liegen. Dies betonte Bürgermeister Michael Göth bei seiner Begrüßung im Stadtmuseum am Donnerstag.

Denn auch das Stadtmuseum lässt dieses Ereignis nicht verstreichen, sondern dokumentiert diese Epoche, in der Sulzbach von 1353 bis 1973 Hauptstadt Neuböhmens war, in einer "kleinen, aber feinen Ausstellung", so Museumsleiterin Edith Zimmermann.

Besonders dankte Zimmermann dem Stadtarchiv, das Originalurkunden aus Pergament für diese Ausstellung zur Verfügung gestellt hat. Bis 4. Dezember sind acht Urkunden, zum Teil mit Siegeln, gleichzeitig zu sehen, anschließend wird aus konservatorischen Gründen die Hälfte der Urkunden durch Fotos ersetzt, und nach Ausstellungs-Halbzeit mit der anderen Hälfte ausgewechselt. Maria Rita Sagstetter, Leiterin des Staatsarchivs Amberg, stellte in ihrem Vortrag die Bedeutung der 20-jährigen Herrschaft Karls IV. für die Stadt heraus. Karl IV. (1316 bis 1378, regierend ab 1346), Taufname Wenzel, stammte aus dem Haus Luxemburg und wurde am französischen Hof erzogen. Dort nahm er auch den Namen seines Taufpaten Karl an.

Karl IV. gilt als bedeutendster Herrscher des Mittelalters, war mehr Gelehrter als Feldherr und tief religiös. Seit 1346 König von Böhmen erhoffte er sich mit der Heirat mit Anna von der Pfalz Territorialansprüche an pfälzische Gebiete. Der frühe Tod Annas (1353) zerschlug diese Hoffnung, jedoch ermöglichte ihn die Geldnot der Pfalzgrafen - er half mit Darlehen aus - , pfandweise doch noch an Stützpunkte in Nordbayern zu gelangen. Ziel war es, sichere Reiserouten von Prag nach Nürnberg und Frankfurt, den reichsrechtlich besonders wichtigen Städten, zu schaffen.

Erz schürfen


Und von dieser Pfandschaft war auch Sulzbach betroffen. Die 20-jährige Herrschaft Karls IV. von 1353 bis 1373 entpuppte sich für die Stadt als äußerst gewinnbringend. Er machte Sulzbach zum Verwaltungszentrum des "Keisers Herschaft zu Beyrn", und verlieh Sulzbach zahlreiche Privilegien. So durften die Sulzbacher Bürger nun im gesamten Landgericht nach Erz schürfen und die Kaufleute wurden vom Zoll in den Reichsstädten befreit. Die städtischen Urkunden dokumentieren diese Rechte. Folge dieser Wirtschaftspolitik war ein starkes Anwachsen der Einwohner und Erweiterungen der Stadtviertel. Der wachsende Wohlstand ermöglichte circa 100 Jahre später den Bau des repräsentativen Rathauses.

So sehr Karl IV. die Stadt förderte, das Spital und den Bau der Stadtpfarrkirche St. Marien unterstützte - als sich ihm die Möglichkeit bot, die Mark Brandenburg zu erwerben, war ihm diese wichtiger. Im Tauschverfahren gab er viele seiner neuböhmischen Besitzungen wieder ab, darunter auch Sulzbach.

Heute erinnern in der Stadt noch die Figur des Hl. Wenzel am Strebepfeiler der Pfarrkirche St. Marien und drei Wappensteine am ehemaligen Gasthaus zur Krone, wo er zeitweise übernachtet haben soll, an jene entfernte Zeit. Die Ausstellungseröffnung umrahmte das Ensemble "Alte Musik" der Sing- und Musikschule unter Leitung von Michael Kämmle.
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