Barbara und Sebastian Bartmann liefern als "imPuls" würdigen Abschluss der VHS-Kammermusikreihe
Vier Hände am Puls der Zeit

Harmonie pur trotz optischer Trennung: Barbara und Sebastian Bartmann beeindruckten die Zuhörer in Sulzbach-Rosenberg. Bild: Doris Sebald
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
27.03.2015
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Es ist die Krönung der VHS-Kammermusikreihe: Das Duo "imPuls" bietet am Mittwoch ein faszinierendes Konzert in der Berufsfachschule für Musik in Sulzbach-Rosenberg dar. Barbara und Sebastian Bartmann bereiten den Zuhörern mit "En blanc et noir" einen phänomenalen Abend. Sie präsentieren Werke an zwei Flügeln in einer Spannbreite von der Frühklassik des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian über die Romantiker Mendelssohn-Bartholdy, Schumann und Brahms bis zu Impressionisten wie Debussy und Ravel.

Blindes Verständnis

Schnell wird klar: Die selbstverständliche virtuose Brillanz tritt stets hinter die musikalische Gestaltung zurück. Ein fast blindes Verständnis der beiden Künstler vermittelt durchgehende Spannung. Leichtigkeit und Anmut prägen die Sonate von Johann Christian Bach. Der "Mailänder Bach" erklingt eindrucksvoll in seiner galanten Liebenswürdigkeit. Sebastian Bartmann moderiert die einzelnen Werke, erläutert Hintergründe und Inhalte. So animiert er zur steten Aufmerksamkeit. Mendelssohns opulentes "Andate" und "Allegro brillante" erklingt in orchestraler Fülle. Ohne Effekthascherei perlen die virtuosen Passagen und die Emotionen der Romantik vermitteln die Interpreten in spannungsreicher Dynamik. Eine tolle Präsentation.

Von Brahms steht die "Variationen über ein Thema von Joseph Haydn" auf dem Programm. Dieses Werk zählt (wie "La Valse" von Ravel) zu den berühmtesten Werken für zwei Klaviere. Brahms wandelt das markante Thema in immer neuen Formen ab, verfremdet das Original in lyrische wie zupackend-kraftvolle Facetten, kehrt zurück zu einer an Bach erinnernden Ostinato-Fuge und beendet diese niemals spröden Variationen mit einer üppigen "Erhöhung" des Themas. Auch hier brillieren Barbara und Sebastian Bartmann durch geschmeidiges Spiel. In den kraftvollen Variationen erklingen die f-Stellen nie brutal-rau, sondern aufbauend. Die lyrischen Momente werden mit großer Sensibilität zum Leben erweckt.

Debussy's "En blanc et noir" - ein Werk, 1915 komponiert, bei dem der Impressionist von den Schrecken des Ersten Weltkrieges beeinflusst, in eine völlig andere Klangwelt führt. Strahlende, harmonisch flirrende Klänge im ersten Satz, im zweiten choralhafte, resignierende und aufbegehrende Klangbilder und -kombinationen, die an herannahendes Kanonengrollen erinnern mochten - es ist eine von Schmerz durchzogene Musik, die zum Klingen kommt. Im letzten Satz, Strawinsky gewidmet, schwingt sich die Musik zu raffinierten, ekstatisch sich steigernden und in sich zusammenfallenden Bildern auf, die in einem ersterbenden, intensivem Schluss mit einem einzigen Schlusston zur Ruhe kommt.

Sinnlich und sensibel

Diese wechselnde Charakteristik der Musik zu vermitteln, gelingt den Pianisten in grandioser Weise. Robert Schumann, der Verfechter der "unendlichen Melodie" ist mit "Andante und Variationen op. 46" vertreten. Ein lyrisches Thema zieht sich durch das ganze Werk, wird mit Sensibilität, ja Sinnlichkeit entwickelt und in große pianistische Beweglichkeit gekleidet. Die Interpreten lassen dieses Werk leben und atmen, das "Ineinanderfließen" der beiden Klaviere ist beeindruckend homogen. Kluger Pedaleinsatz unterstreicht die lyrischen Stellen und vermeidet das "Schwimmen" in den markanten Abschnitten. Abschließend erklingt Ravels großes Werk "La Valse".

Verzerrte Rhythmen

Hier werden Elemente des Wiener Walzers aufgegriffen und mit impressionistischer Harmonik und Rhythmik ausgeweitet. Vorgetäuschte Walzer-Seligkeit wandelt sich in verzerrte Rhythmen und dissonante Harmonien. In einem Ausbruch von Chaos und Gewalt endet das Stück, das wohl das "Sterben" des Wiener Walzers darstellen soll. Die so sensible, in begeisternder Gestaltungskraft präsentierte Darbietung reißt die Zuhörer zu Ovationen hin. Zwei Zugaben, wieder Ravel und ein "echter Bartmann" , beenden ein Konzert, das neben der "aktuellen" Begeisterung auch Neugierde weckt - auf die Konzerte der nächsten Reihe, die im Oktober beginnt.
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