Bayerisches Landesjugendorchester beim Neujahrskonzert
Absolute musikalische Präzision

In der Turnhalle der Krötensee-Schule bereitete das Bayerische Landesjugendorchester den Besuchern ein unvergessliches Erlebnis.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
06.01.2016
148
0
 
Hannes Krämer arbeitete mit vollem Körpereinsatz und hatte das Orchester jederzeit im Griff. Bilder: bmr (3)

Die Dreifach-Sporthalle der Krötenseeschule ist nicht gerade klein. Trotzdem war sie schon halb gefüllt mit Stühlen für die über 100 Musiker des Bayerischen Landesjugendorchesters, das auf Einladung des Lions-Clubs sein traditionelles Neujahrskonzert spielte.

Eine Burg aus eng gestellten Schlaginstrumenten weckte die Neugier des Publikums. Marimba, Vibraphon, Glockenspiel, Schlagzeug, Djembes, Kuhglocken und ungezähltes andere. Diese beeindruckende Ausrüstung war Grundstock für das Konzert für Schlagzeug und Orchester "Frozen in Time", das der israelische Komponist Avner Dorman 2007 schrieb. Es beschreibt in drei spannungsvollen Sätzen die prähistorischen Kontinente "Indoafrika", "Eurasia" und "The Americas". In musikalischen Bildern malt Dorman Momentaufnahmen der Erdgeschichte. Faszinierend war die Verbindung archaischer mit kulturell höchst verfeinerten Klängen.

Absolute Präzision


Den Solopart übernahm die erst 21 Jahre alte Schlagzeugerin Vivi Vassileva. Sie meisterte die enormen technischen Schwierigkeiten mit Virtuosität, Kraft und absoluter Präzision. Sie wechselte blitzschnell von einem zum nächsten ihrer vielen Instrumente, spielte auch einmal zwei gleichzeitig, tauschte pausenlos die Stöcke und Schlegel und schaffte es dabei, auch noch auf das Orchester und den Dirigenten Hannes Krämer zu achten.

Überragende Solistin


Gestaltete sie den ersten Satz überwiegend auf der Marimba, kam im zweiten das Vibraphon besonders zur Geltung. Schwebend, fast unwirklich war der leise, ganz zarte Anfang, den die Celesta zauberhaft ergänzte. "The Americas" ließ knallbunte, dramatische Bilder im Kopf entstehen. Vassileva sprang von einem Instrument zum nächsten. Da musste jeder Schritt passen, sonst hätte sie ihren n Einsatz verpasst.

Auf den großen Idiophonen begrenzte höchsten die Länge ihrer Arme ihre künstlerische Ausdrucksfähigkeit. Nach diesem großartigen Auftritt waren alle bekehrt, die Schlagzeug für primitiv gehalten hatten. Die Solistin wurde mit stürmischem Beifall gefeiert und spielte dann als Zugabe ein kurzes Solo auf der Kleinen Trommel. Mit Stöcken, weichen Schlegeln und Besen erzeugte sie ungeahnte Klangvielfalt. Wieder gab es begeisterten Applaus.

Mit dem ganzen Körper


Hatte bisher das Orchester im Schatten der Solistin gestanden, so bekam es jetzt die gebührende Aufmerksamkeit: Das BLJO spielte Gustav Mahlers "Symphonie Nr. 1 D-Dur". Vom ersten, leisen Ton an schufen die Musiker eine intensive Spannung, die sie bis zum dramatischen Schluss halten konnten. Hannes Krämer dirigierte mit dem ganzen Körper. Er schien den Klang mit den Händen zu kneten und spornte die Musiker mit expressiver Mimik an. Dabei arbeitete er sehr detailliert und hatte immer jeden einzelnen der vielen Musiker im Blick. Sie folgten ihm präzise, so dass die Symphonie zu einem aufwühlenden Erlebnis wurde. Herrlich die solistischen Passagen, die Hörner begeisterten ebenso wie die Kontrabässe, die Harfe, Schlagwerker und die Klarinetten.

Grandioses Finale


Auch die übrigen Bläser überzeugten, und die üppig besetzten Streicher waren wie immer eine Freude. Kraftvoll und dabei von geradezu gläserner Klarheit waren die gewaltigen Tuttipassagen. Das furiose Finale, mit so viel Können und Verständnis dargeboten, erschütterte und brodelte in den Herzen der Zuhörer noch einen Moment weiter, dann atmeten sie tief ein und begannen zu klatschen. Gern spendeten sie den vielen großartigen Solisten noch einzeln besonderen Applaus, bis sie die Musiker schließlich in den wohlverdienten Feierabend entließen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.