Berufsfachschule für Musik in der Christuskirche
Wind weht durch den Garten

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
30.04.2016
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Ein großer Chor und ein symphonisch besetztes Orchester erklangen in der Christuskirche und begeisterten das Publikum. Das Programm reichte von der Frühklassik bis zur Gegenwart und gab so einen Einblick in die vielfältige Arbeit an der Berufsfachschule für Musik.

Gut 60 Sänger, davon die Hälfte Männer, füllten den Altarraum bei "Solomon's Song of Songs". Dieter Müller hatte das Hohelied schon 2014 vertont, jetzt erlebte der vierteilige A-cappella-Zyklus seine Uraufführung. Er führte die jungen Sänger sorgsam durch den "Song". Sehr komplexe Harmonien, ausgefeilte Dynamik und anspruchsvolle Rhythmen verlangten dem Chor alles ab.

Die stark besetzten Männerstimmen sorgten für ein ausgewogenes Klangbild, und vor allem die wichtigen Basspartien erfreuten mit warmer, wohldosierter Kraft. In "Song of the Flower" sang eine Sopransolistin den Part der Rose. Ihre schöne Stimme schwebte über dem Chor, antwortete ihm oder suchte nach dem Geliebten - zauberhaft. Die Musik war sehr bildlich. In den Tönen spürte man gleichsam den Wind durch den Garten wehen und die blühenden Reben duften. So hat Müller die Poesie und Erotik des 2500 Jahre alten Textes in Musik für unsere Zeit gesetzt.

Frischer Schwung


Schüler, aber auch andere Instrumentalisten spielten im Orchester zusammen. Obwohl die Akustik in der Christuskirche für ein Orchesterkonzert nicht ideal ist, gelang es Müller mit sehr präzisen Bewegungen und absolut genauem Takt, das Orchester so zu dirigieren, dass Ludwig van Beethovens 1. Symphonie C-Dur durch den starken Hall kaum von ihrem frischen Schwung verlor. Besonders schön waren im 1. Satz die Hörner und Oboen, später die Fagotte, sehr prächtig das Finale mit Pauken und Trompeten.

Chor, Streicher und Orgel, diese ungewöhnliche Besetzung wählte Gustav Holst für seine "Two Psalms". Die jungen Musiker, wieder dirigiert von Müller, ergänzte jetzt Dekanatskantor Gerd Hennecke an der Orgel. Unisono wie ein gregorianischer Choral, nur begleitet von einem Bordunton des Orchesters, begann "Psalm 86". Genauso beeindruckend war der Wechselgesang von einigen wenigen Tenören mit dem Frauenchor. Es gelang Müller, Chor, Streicher und Orgel so auszubalancieren, dass sie sich vollendet ergänzten und gegenseitig hoben. "Psalm 148" lebte vom sehr schönen Männerchor, bis schließlich dieser Satz in einem strahlenden "Halleluja" kulminierte.

Abgerundet wurde das Programm von Hennecke, der auf der Orgel Max Regers Fantasie in D-Dur über den Choral "Ein feste Burg ist unser Gott" spielte. Mit stehenden Ovationen feierte das Publikum die Musiker.
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