Blaue Nacht in der Christuskirche in Sulzbach-Rosenberg
Eine Gemeinde macht blau

Kultur
Sulzbach-Rosenberg
14.11.2016
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"Amazing Grace" erklang es sanft von der Orgel. Machtvoller wurde die Melodie, und im Publikum in der blau beleuchteten Christuskirche entstand Unruhe. Überall standen Leute auf und gingen leise singend nach vorn: Der Gospelchor Voices of Joy kam zum Altar und begann die "Blaue Nacht".

Das Altarmosaik mit dem Himmlischen Jerusalem war in mystisches blaues Licht getaucht, die Orgel erstrahlte in Blau und Rot, in den Bankreihen leuchteten blaue Windlichter. In dieser unirdischen Atmosphäre sang der Gospelchor unter der Leitung von Dekanatskantor Gerd Hennecke. Bei mitreißenden Gospels wie "I sing out" oder "Walkin on up" zeigten die Sänger kraftvolle, mitreißende Freude am Singen und am Glauben. Aber auch die gefühlvollen Songs wie "Bring down that chariot" und "You are mine" überzeugten mit harmonischer Mehrstimmigkeit.

Starke Stimmen


Vor allem die Frauenstimmen waren gut besetzt, aber auch die Männer trugen mit starken Stimmen zum ausgewogenen Klang und der starken Dynamik bei. Sehr schön war, dass einige Sängerinnen auswendig sangen und so authentisches Gospelfeeling vermittelten. Begleitet wurde der Chor von einer kleinen Band mit Piano (Michael Hübner), Kontrabass (Markus Szabo), Schlagzeug (Johannes Mühldorfer) und vor allem Stefan Frank am Saxophon. Seine Soli in "We are the world" waren emotional, aufwühlend, ergreifend.

Den zweiten Teil der "Blauen Nacht" gestaltete der First English Handbell Choir aus Nürnberg mit seinem Dirigenten Thomas Keeton. Die zehn Musiker spielten mit Handglocken in ganz unterschiedlicher Größe und genauer Stimmung. Mit verschiedenen Schlag- und Dämpfungstechniken erzielten sie unterschiedliche Effekte. Der Klang war zart und rein. Die Stücke waren meditativ, von Hoffnung und tiefem Frieden erfüllt. Einige begleitete Hennecke leise an der Orgel. Besonders reizvoll war Edward Elgars "Pomp & Circumstance". In der Bearbeitung für Handglocken klang das Stück weniger augenzwinkernd theatralisch, sondern eher schwebend und erhaben. Der Gospelchor summte aus den Zuhörerreihen leise die Melodie mit - zauberhaft.

Auch die große Schmidt-Weigle-Orgel hat Glocken. Das Instrument verfügt über eine Windharfe und einen Zimbelstern, und beide setzte Hennecke ein, als er "Carillon de Westminster" von Louis Vierne spielte. Hier empfindet die Orgel den Klang des berühmten Stundenschlags nach, zugleich malt sie das ruhelose Getriebe der Metropole, die nie innehält, scheinbar ohne Ziel hastet, aber immer wieder von den Glocken zur Besinnung gerufen wird. Zusammen mit Frank spielte er "House of god". Vor allem das Saxophon machte den Blues-Klassiker sinnlich und schwül. Leidenschaft, tiefe Emotionen und schließlich Resignation erfüllte das Gotteshaus.

Grün mischte sich in das blaue Licht, als das Duo Éire Music auf die Bühne kam. Anita Kinscher und Sam Stadler spielten irische Folksongs. Mit Gitarre, Mundharmonika und Gesang drückten sie ihre Sehnsucht nach der grünen Insel aus. In den Pausen hatte der Gospelchor die Konzertbesucher mit Speisen und Getränken versorgt. Die Jugend kredenzte alkoholfreie Cocktails.

Eine Kapelle bauen


Den Erlös der "Blauen Bar" verwenden die Jugendlichen für ihr großes Projekt: Sie wollen auf dem Knappenberg beim Jugendübernachtungshaus eine Kapelle bauen und sammeln dafür Spenden. Eins nach dem anderen erloschen die Windlichter, ein gelungenes Konzert war vorbei. Der harte Kern der Besucher versammelte sich im Gemeindesaal, um die "Blaue Nacht" mit dem Film "Schwarze Katze, weißer Kater" abzuschließen.
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