Cellar Boys im Seidel-Saal
Wahrlich keine Kellerkinder

Sie räumten gewaltig ab im Seidel-Saal: Die Cellar Boys boten perfekte Musik quer durch die Geschichte. Von links Matthias Sommer, Tommy Müller, Lurchi Gebhardt (verdeckt), Konny Sommer und Uli Lommer. Bild: bmr
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.05.2016
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Warum war der Seidel-Saal innerhalb kürzester Zeit ausverkauft? Schließlich ist das Kulturangebot hier riesengroß, alle paar Tage wetteifern Künstler um die Gunst des Publikums. Außerdem handelte es sich bei den Cellar Boys um eine neue Band, die so zum ersten Mal die Bühne betrat.

Wer sich jedoch die Bandmitglieder der Cellar Boys ansah, der wusste schnell, dass hier keine Nobodys am Werk waren. Das Line-up liest sich wie ein "Best of" der örtlichen Bandszene. Wer es noch nicht weiß: Die Cellar Boys, das sind die Ausnahme-Musiker Thomas Müller und Uli Lommer an den E-Gitarren, der routinierte Drummer Joachim "Lurchi" Gebhardt, der versierte Konny Sommer am Bass und der ausgezeichnete Keyboarder Matthias Sommer. Zusammen haben sie sicher einige Hundert Auftritte auf dem Buckel. In dieser Formation hat man sie aber noch nicht gesehen.

Brillante Version


Nach ein paar Privatkonzerten in den letzten Wochen wagten sich die Cellar Boys nun aus ihrem Keller heraus. Los ging's mit dem J.J.-Cale-Klassiker "Call me the breeze", es folgten CCR- und Beatles-Cover. Wer jetzt glaubte, die Band habe nur alte Coverversionen drauf, sah sich getäuscht: In schöner Abwechslung gab es Eigenkompositionen - sowohl von Thomas Müller, etwa aus seiner Rapplczek-Zeit, als auch von Uli Lommer. In die Pause verabschiedete sich die Band mit einer brillanten Version des Allman-Brothers-Instrumentalklassikers "Jessica" - zweistimmig auf den Gitarren gespielt.

Frisch motiviert von den begeisterten Zuhörern zeigte sich die Band nach der Pause mit "Sweet home Chicago" von ihrer bluesigen Seite. Dass es Verbindungen zur Kirchenmusik gab, merkt man noch heute in "People get ready", einer Gospel-Aufforderung, sich bereit zu machen, auf den Zion-Zug aufzuspringen.

Einer der vielen Highlights an diesen Abend war die Stimme von "Lurchi" Gebhardt. Neben dem wunderschönen Gitarrenspiel von Uli Lommer bei "Sultans of swing" drückte er der Rockhymne seinen ganz eigenen Stempel auf.

Dem Vater von Gitarrist Thomas Müller widmete die Band die erste Aufnahme von Elvis Presleys "That's allright, Mama" - wahrscheinlich war er der einzige im Saal, der die Gründerzeit des Rock'n'Roll altersbedingt bewusst miterleben durfte.

Mit Effektgeräten hält sich die Band dezent zurück, Timing und Zusammenspiel machen bei ihnen den Unterschied. Statt langweiliger Soloorgien gibt's abwechslungsreiche, kurze, prägnante Verzierungen zwischen den Strophen.

Vom Fan zum Kollegen


Mit diesem Konzert hat sich Gitarrist Thomas Müller übrigens einen lang gehegten Traum erfüllt. Er spielt zum ersten Mal mit Uli Lommer in einer richtigen Rockband. In den Siebzigern war er noch zufrieden, seinem jetzigen Mitstreiter wenigstens im Proberaum zuhören zu dürfen. Jetzt begeistern sie gemeinsam.
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