"Da Huawa, da Meier und I" begeistern im Festzelt am Dultplatz
„Bring ma ja koi Becks, du Hex!“

Da Huawa (rechts), da Meier (links) und I (Mitte) gaben auch als "Schwirzer vom Landl" eine gute Figur ab.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
09.04.2016
509
0
 
Über die Deppen wusste da Huawa viel zu erzählen. Bilder: bmr (2)

Es standen beileibe nicht Sokrates, Platon und Epikur auf der Bühne. Aber philosophische Einsprengungen zogen sich beständig durchs neue Programm "Zeit is a Matz" von "Da Huawa, da Meier und I". Überhaupt ging es im Festzelt am Dultplatz um den Zeitgeist in all seinen Facetten, der auch vor einem Thermomix nicht haltmachte.

Vorgestellt müssen die drei Musikkabarettisten nicht mehr gesondert werden, denn ihre Erfolgsspur zieht sich seit mittlerweile 16 Jahren unaufhörlich durchs Bayernland. Deshalb wird auch in Tracht aufgespielt und in Mundart gesungen.

Dass die Zeit eine Matz is, das beweisen Christian Maier (da Huawa), Matthias Meier (da Meier) und Siegi Mühlbauer (I) in beeindruckender Weise. Schon bei der Worterklärung von "Matz" wird das ausverkaufte KOMPAS-Festzelt aufgeklärt: Es geht um Doppeldeutigkeit, denn für einen Mann bedeute die Bezeichnung Matz (zumindest in Niederbayern) eigentlich, dass er ein Fuchs ist, bei einer Frau dringe dagegen volle Negativität durch, die sogar noch steigerungsfähig sei, was sich in etwa beim Wort "Dreeg- oder Hunds-Matz" zeige.

Die Zeit, so geben sich die wandlungsfähigen Akteure überzeugt, schlängelt und windet sich in alle Richtungen: Mal vergeht sie wie im Fluge, mal bleibt sie mit einem Schlag stehen. Man kann Zeit vertreiben, sie stehlen und sogar totschlagen. Auf der schönen Seite werden so Erinnerungen an die Huawa-Kindheit wach, als er noch als stolzer Besitzer eines Bonanza-Radls liebend gerne Nacktschnecken überfuhr - "Born to be wild mit acht Johr".

"Immer Durscht"


Die Formation besticht wie immer mit vielen Verkleidungen, ausgeprägter Mimik und einer Kombination von bayerischen Volksmusikklängen mit Musikrichtungen aus aller Welt - mal laut, mal leise, mal nachdenklich, mal krachert und immer mit viel Witz und Schwung. Sie besingen die Promillegrenze für Radler, die Deppen allgemein (d' Welt is a Zirkus, d' Affn san mir!") und sie wollen die CSU in MPU umtaufen. Doch die beiden Oberpfälzer und der Niederbayer bleiben authentisch: "Mir hom Durscht und des stimmt immer!"

Im Lied "Mir samma die Schwirzer vom Landl" geht's um Crystal-Schmuggel bis der Kundschaft die Zähne ausfallen. Ein Seitenhieb geht dabei in Richtung Volker Beck, der als "Gras-Grüner" sein Fett wegbekommt. In Erinnerung an seinen Hausbau nimmt der Huawa die nie Zeit habenden Handwerker aufs Korn: "Gestern war heit nu morgn."

Gegen Zumba-Wahn


Die drei Vollblutmusiker haben immer das schöne Bayernland im Blick, aber durchaus mit Seitenhieben und kritischem Auge. Sie verspotten in Fitness-Klamotten den Zumba-Wahn, wodurch die Mare jetzt so trainiert is, dass sie "mit den Orschbacken Nüss aufbeißen kann", oder visionieren von fleischfressenden Außerirdischen, die uns künftig als Nahrungsgrundlage nutzen werden.

Ein Raunen geht durch den Saal, als die Erkenntnis verbreitet wird, dass Partnerschaften mittels Thermomix mehr Zeit für die Liebe bleibt. Ganz stark präsentieren die Kabarettisten das Lied von der korrupten Waffen-Lobby in mexikanischer Mariachi-Manier - stilecht übertrieben mit Ponchos, Riesen-Sombreros und Gitarrenklängen.

Mit dem Schleuser-Song vom Reiner mit seinem Gigaliner, der Flüchtlinge schmuggelt oder der Wirtshaus-Erkenntnis "Bring ma ja koi Becks, du Hex!" und der Erkenntnis, dass bayerischer Wurstsalat besser als der Industriefraß ist, treffen sie schließlich auf den Boandlkramer, der koa Bargeld nimmt, aber zu den Zugaben aus alten Programmen überleitet. So findet ein ursprünglich philosophisch angelegter Abend einen turbulenten Ausklang mit rund 500 auf Bierbänken tanzenden Zeitgenossen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.