Der "Blonde Engel" schwebt in den Seidel-Saal
Am Ende ein „Hosentürlreiber“

Der "Blonde Engel" Felix Schobesberger ist Youtube-Star. Sein Hit "Nespresso - what else" wurde dort bisher über 360 000 Mal angesehen. In der ORF-Show "Die große Comedy Chance" kam er in der Endwertung auf den geteilten zweiten Rang. Er ist erster Preisträger des Kabarett-Kaktus 2013 und hat bisher fünf CDs aufgenommen. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
19.04.2016
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Mit nichts als goldenen Leggins am Körper auf oft zugigen Bühnen zu stehen - da sind auch Engel nicht gegen eine Grippe gefeit. Die Folge: Es gab keinen nackten Oberkörper und keine Flügel im Seidel-Saal. Der "Blonde Engel" trug Hemd, um keinen Rückfall zu riskieren.

Er heißt Felix Schobesberger, ist Linzer Musiker und Unterhalter, bezeichnet sich selbst als Konzeptkünstler und Sitzmusiker. Und wenn sein Outfit auch fast bürgerlich war an diesem Abend auf der Kleinkunstbühne der Kulturwerkstatt - seine raffinierten Texte, seine virtuoses Gitarrenspiel, sein Improvisationstalent und seine kuriosen Darbietungen waren die helle Freude für ein altersmäßig bunt gemischtes Publikum.

Schmal und schnell


Der "Blonde Engel", von eher schmaler Statur, aber mit tiefer Bassstimme gesegnet, wird als "das schnellste Mundwerk im Garten Eden" bezeichnet. Auch im Seidel-Saal unterbricht er seine Lieder immer wieder, um "Schmarrn zu dazähln", um das Publikum mit einzubeziehen, in aberwitzige Geschichten abzuschweifen, deren Ende nicht einmal er selbst kennt. Für den alten Opel im Innenhof des benachbarten Möbelhauses interessiert er sich, schwärmt vom bayerischen Obatztn und lästert über die Wiener, die "granteln, sudern und allesamt Hypochonder sind".

Des Schlagers Achillesferse


Was alles an Talenten in ihm steckt, wird klar, wenn der "Blonde Engel" zur Gitarre greift und zu singen beginnt. Nicht nur dass er seine Stimme in Höhen schrauben oder Tiefen senken kann, auch mit seinem Instrument wechselt er spielerisch die Rhythmen von Rock über Blues bis zu Reggae und Jazz, setzt Mimik und Gestik ein. Seine fein gedrechselten Wortspiele, sein Hintersinn und seine Ironie machen aus alltäglichen Begebenheiten Skurriles, gekleidet in witzige und intelligente Texte.

Fast logisch, dass er sich über deutsche Schlager und ihre oft dümmlichen Formulierungen macht. "Des deutschen Schlagers Achillesferse ist sein Text", spottet er und beweist, dass es "auf der Straße nach San Fernando" gar kein "Mendocino" gibt.

Die Lieder des "Blonden Engels" fragen zum Beispiel "Wie kommt der Fisch in die Kirche?" oder erzählen vom Einhorn, das der Bürokratie zum Opfer gefallen ist, weil es nicht der Norm entspricht. Die hohe Kunst des Unterhalters und das größte Vergnügen für das Publikum sind die Aus-dem-Stand-Songs, die der "Blonde Engel" auf Zurufe aus dem Publikum komponiert und textet. Gartenlaube, Rost, Elefant, Opel-Ascona und Presssack, das sind die Begriffe, die er mit Fantasie, Witz und Komik zu einem Stegreif-Song verarbeitet. Mit ein paar Anfangs-Akkorden auf seiner Gitarre lässt er das Publikum bekannte Musikstücke und Interpreten erraten, freut sich über richtige Antworten und gesteht: "Ich könnte das bis in die frühen Morgenstunden machen".

In seinem oberösterreichischen Dialekt bringt der "Blonde Engel" bei den Zugaben noch einen ruhigen "Hosentürlreiber" übers Altwerden. Auch das ohne verletzende oder beleidigende Worte, echt schön - und wie er sagen würde: "Einfach klass!"
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