„Der Weg der Wünsche“
Flucht als zeitlos aktuelles Thema

Im Gespräch mit Thomas Geiger (rechts) vom Literarischen Colloquium Berlin stellte der Schriftsteller Akos Doma seinen neuen Roman "Der Weg der Wünsche". Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
24.09.2016
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Von Corinna Groth

Sulzbach-Rosenberg. "Wenn man Schriftsteller werden möchte, ist es nachteilig, alle fünf Jahre in ein anderes Land zu gehen", stellt der Schriftsteller Akos Doma bei seiner Lesung am Donnerstag im Literaturhaus fest. Ein so bewegtes Leben mag die sprachliche Entwicklung hemmen, bietet dem Schriftsteller aber reichlich Inspiration für seine Werke.

Doma ist in Ungarn geboren, als Kind mit seinen Eltern emigriert und über Italien und England nach Deutschland gekommen. Schließlich landet die Familie in Kastl, wo Domas Mutter am Ungarischen Gymnasium unterrichtete. Er selbst besucht das Erasmusgymnasium in Amberg. Dort erst, als Jugendlicher, lerne er Deutsch. Trotzdem kann er sich seinen Berufswunsch erfüllen und stellt jetzt seinen dritten Roman vor.

Flucht der Familie


"Der Weg der Wünsche" erzählt von der Flucht einer ungarischen Familie. Es beginnt sehr idyllisch mit einem Kindergeburtstag im Familienkreis. Diese Szene liest Doma vor, dann die Ausreise der ganzen Familie, Vater, Mutter, Sohn, Tochter und Hund, über Jugoslawien. Schließlich nimmt der Autor seine Zuhörer mit in einen Orangenhain bei Neapel, wo die Tochter zum ersten Mal geküsst wird. Er schreibt poetisch, oft mit ironischem Unterton und sehr bildhaft. Spürbar ist seine Freude an grotesken Situationen.

Im Gespräch mit Thomas Geiger vom Literarischen Colloquium berichtet er von seinem eigenen Werdegang und gibt zu, dass der Roman autobiographisch geprägt ist. Thema des Romans sei allerdings nicht seine Familie, sondern die schwierige Lage der bürgerlichen Schicht im ungarischen Sozialismus und generell die Strukturen der Macht.

1972 beginnt die Handlung, aber Rückblenden gehen in die Nachkriegszeit und zum Aufstand 1956 zurück, "ganz üble Zeit in Ungarn", so der Autor. Aber auch die spätere Zeit ist für die Menschen nicht leicht. Die politische Lage durchdringt das Privatleben, und noch nach dem großen Exodus in den 1950er Jahren verlassen viele Ungarn ihre Heimat.

Unübersehbare Parallele


Die Parallele zu den heutigen Flüchtlingsströmen aus dem Nahen Osten ist unübersehbar, allerdings hat Doma lange vor 2015 begonnen an "Der Weg der Wünsche" zu arbeiten. Trotzdem, die Erfahrungen der Flucht, die Zustände in Lagern, die Verunsicherung durch eine unbekannte Sprache und die Schwierigkeiten, sich in einem völlig fremden System zurechtzufinden, sind zeitlos aktuell.

Und wie sieht der Schriftsteller die Weigerung seiner früheren Heimat, heute Flüchtlinge aufzunehmen? Doma will hier den Gesamtkontext der wirtschaftlichen Situation Ungarns sowie der Lage in den Herkunftsländern betrachten und kommt zu dem Schluss: "Eine Reduktion auf helfen gleich Gutmensch, nicht helfen gleich Nazi, das ist reine Ideologie."
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