Die Raith-Schwestern zeigen ihre stille Seite
Oberpfälzer Mantras in Moll

Mit unvergleichlich kraftvollen Stimmen singen Susi (links) und Tanja, die Raith-Schwestern, die alten Lieder ihrer Heimat. Andi Blaimer begleitet sie und erzählt zwischendurch Geschichten aus dem Schönwerth-Sagenschatz. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
19.01.2016
194
0

Schauriges Wolfsgeheul und gregorianische Gesänge, das Krächzen eines Raben und ein Donnerschlag - das alles erklang im Seidel-Saal, gruselig und makaber. Es war aber nichts anderes als der akustische Hintergrund für zwei gewaltige Stimmen, für ganz viel Herzblut, für magische Geschichten und Sagen aus dem Land, "wou mei Hoamat is".

Als "krachert" und laut werden sie oft beschrieben, die Raith-Schwestern. Im Seidel-Saal dagegen zeigen sie ihre andere, die stille Seite. Mit ihrem Programm "Wisst's wou mei Hoamat is" erzählen sie von ihrer Herkunft. Sie singen die Lieder, die sie von ihrer Mutter gehört haben, vom rauen Leben der Menschen im Wald, von kargen Sommern und harten Wintern.

Das Publikum ist seltsam berührt, lauscht beinahe andächtig. Selbst der Beifall ist verhalten; der Stimmung angepasst, die von den Oberpfälzer Heimatliedern und Sagen aus längst vergangenen Tagen ausgeht.

Kraftvolle Stimmen


Tanja, die ältere Schwester, hat ihre prachtvolle Steirische mitgebracht, Susi ihre Gitarre und ein Hackbrett. Im Hintergrund agiert Robert Bischof einfühlsam mit Kontrabass und Tuba, lässt die klaren schönen Stimmen der Sängerinnen noch mehr zur Geltung kommen. Andi Blaimer, Tanjas Ehemann, verfügt über ein Sortiment von Instrumenten von Gitarre und Mundharmonika über Maultrommel und Okarina bis hin zu diversen anderen, mit denen er ungewöhnliche Laute erzeugt. Im Mittelpunkt aber stehen die beiden Schwestern. Mit ihren kraftvollen Stimmen singen sie wunderschöne bayerische Weisen, Volkslieder, Küchenlieder, auch Soldatenlieder. Die musikalische Reise durch die Jahreszeiten wird durch ein Bühnenbild mit Naturfotos Tanja Raiths optisch begleitet. Sie haben die alten Lieder nicht verändert: "Mia singan einfach so wia die san", sagt Tanja und hofft: "As Gspür sollt bei eich ankomma". Und das gelingt: im übervollen Seidel-Saal rühren sie die Herzen der Zuhörer an.

"Oberpfälzer Mantras" nennen die Raith-Schwestern ihre Lieder vom "Woiddaawerer", der Wildtaube, von der "Mondscheinigkeit" oder vom Spinnradl. Traurige Geschichten sind das meist, von einem Menschenschlag, der sein Leben zum großen Teil in Armut, in der kargen, kalten und doch zauberhaften und magischen Landschaft des Bayerischen Waldes verbracht hat. "As Kramer Annamial hout a Stum voll kloine Kinna, an bsuffan Ma und koi Broud" singen sie in tiefstem Oberpfälzisch, begleitet von den Instrumenten in dunklen Moll-Tönen.

Dunkel sind auch die Sagen und Geschichten, die Andi Blaimer zwischen den Liedern erzählt; ausgewählt aus dem reichen Schönwerth-Sagenschatz, mit großem Schauspiel-Talent vorgetragen. Da geht es um Totenwachen und Hexereien, makabre Begegnungen, die untermalt werden mit gruseligen Geräuschen wie knirschenden Schritten im Schnee, krächzenden Raben oder heulenden Wölfen.

Kein Wunder, dass es da still wird im Seidel-Saal, das Publikum ist gefangen. Am Ende ihrer Reise durch die waldlerischen Jahreszeiten sind die Raith-Schwestern und der Blaimer angekommen in der Gegenwart. "Etz is halt Winta worn" singen sie, während draußen vor dem Seidel-Saal wie bestellt dichte Schneeflocken auf die Minerva fallen.

Lieblingslied als Zugabe


Ihr ganzes Herzblut legen Tanja und Susi in ihr Lieblingslied, das ja zum Thema des Abends gehört. Heimatliebe, Elternhaus, Kindheitserinnerungen, all das kommt zum Ausdruck in der "Waldarie", die sie als Zugabe ihrer Mutter, der Raith Monika, widmen, bevor sie sich mit einem "Pfüat eich, bleibts gsund" verabschieden.
As Gspür soll bei eich ankomma.Tanja Raiths Wunsch an das Publikum
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.