Duo Orfée im Seidel-Saal
Herrliche Musik mit Poesie

Judith Kucharski spielt in verschiedenen Ensembles im Großraum Nürnberg, ihr Lieblingsprojekt aber ist das "Duo Orfée", in dem sie mit ihrem Ehemann Andreas - sie auf der Geige, er auf der Gitarre - musikalische Geschichten erzählt. Benannt haben sie sich nach der Regensburger Kneipe "Orphee", an die sich beide gern erinnern. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
25.04.2016
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Er spielt Gitarre, sie die Geige, er singt polnische Liedtexte, die sie ins Deutsche übersetzt. Zusammen sind die das "Duo Orfée", das im Seidel-Saal mit "instrumentalen Kurzgeschichten" Musik vom Feinsten bot.

Peter Geiger kennt sie von früher. Der Vorsitzende des Fördervereins der Historischen Druckerei Seidel wusste, wen er da engagierte, denn die eine Hälfte des Duos, Judith Kucharski, ist als Judith Dümmler in Sulzbach-Rosenberg aufgewachsen und hat in der Städtischen Sing- und Musikschule ihren ersten Violinunterricht bekommen.

Exzellente Geigerin


Diese Grundausbildung hat Früchte getragen: Heute ist die 43-Jährige eine exzellente Geigerin, Musiklehrerin in Ansbach und seit 2009 mit dem gebürtigen Polen Andreas Kucharski (50) verheiratet. Er hat zwar im Berufsleben mit Maschinen zu tun, ist als musikalischer Autodidakt aber Gitarrist, Texter und Komponist.

Die Atmosphäre an diesem Abend im Seidel-Saal ist eher intim: An Bistro-Tischen viele Freunde und Weggefährten der ehemaligen Sulzbacherin, auf der Bühne wenig Licht und minimale Technik, aber präsent zwei Künstler, die von "woanders und doch daheim" erzählen, mit nachdenklichen, poetischen Texten und wunderbarer Musik.

Poppig, groovig, oft melancholisch sind ihre Melodien und Texte, ausnahmslos komponiert und getextet von Andreas Kucharski. Er singt in seiner Muttersprache polnisch, seine Frau übersetzt ins Deutsche. Ihre Lieder und Chansons in unterschiedlichen Rhythmen sind instrumentale Kurzgeschichten, sagen sie.

Diese aber, von Judith mit sanfter Stimme erzählt, sind voller Poesie, Worte, die innehalten lassen und nachdenklich machen. Da gibt es das Labyrinth der Erinnerungen, den Spaziergang in Krakauer Viertel Kazimierz, das Märchenland, die Galaxie, und die Mitternacht im Spielzeug-Museum mit marschierenden Zinnsoldaten und tanzenden Puppen.

Abends vor dem Kamin


Dass beide ihre Instrumente perfekt beherrschen, versteht sich, wobei insbesondere bei Judith Kucharski ein anderes Wort eher zutrifft: sie liebt ihre Geige. Die Worte und Stimmungen der Liedtexte spiegeln sich in ihrem Spiel, in melancholischen oder seltener flotten Rhythmen. "Am Abend vor dem Kamin mit einem Glas Wein" entstehen Texte oder Melodien, erklärt Andreas Kucharski. Persönliche Erlebnisse, Erinnerungen oder Bilder inspirieren die beiden. Auf diese Weise sind ihre Lieder und Chansons entstanden, auf bisher vier Tonträgern veröffentlicht.

Mit "Happy End" wollen sie sich verabschieden, das lassen die Besucher im Seidel-Saal aber nicht gelten. So folgt mit "Whiskey" das einzige nicht von Andreas, sondern von einem polnischen Sänger komponierte Stück des Abends. "Zum Schluss" heißt ihr Abschiedslied - jedenfalls für dieses Konzert. Ein Wiedersehen wünscht sich sicher nicht nur Peter Geiger, der mit einem Blumenstrauß für Judith Kucharski den beiden Künstlern für einen ungewöhnlich schönen Abend dankte.
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