Durch Kammerkonzert keine musikalische Wüste mehr

Das Klarinettentrio Schmuck eröffnet die 53. Saison der Konzertreihe in Sulzbach-Rosenberg mit Klassik und Jazz. Bild: Klarinettentrio Schmuck
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
13.08.2015
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"Konzertabend mit großstädtischem Rang", "Überwältigende musikalische Aussage", "In bestechender Perfektion musiziert" - So hohes Lob spenden die Kritiker den Kammerkonzerten der Volkshochschule Amberg-Sulzbach.

Angefangen hat alles vor 53 Jahren. Damals war Erich Jambor Kreiskämmerer des Altlandkreises Sulzbach-Rosenberg. Der gebürtige Breslauer war großer Musikliebhaber, spielte in einem Streichquartett und wollte gerne regelmäßig hochrangige Konzerte erleben. Die gab es zu jener Zeit zwar in Nürnberg und Regensburg, dazwischen war aber musikalische Wüste. Deshalb rief Jambor den Kammermusikkreis ins Leben.

Träger war der Landkreis, aber Jambor organisierte anfangs alles allein. Eine seiner ersten Taten war der Kauf eines Flügels. 50 000 DM kostete der wertvolle Steinway 1962, die Investition hat sich jedoch gelohnt. Das Instrument ist immer noch im Dienst und erfreut Pianisten und Zuhörer gleichermaßen. Jambor stellte auch das Programm zusammen. Dafür legte er Richtlinien fest: Um nicht Neid zu schüren, traten nie Musiker aus Sulzbach-Rosenberg und Umgebung auf. Es durften keine "Ohrwürmer" wie die "Kleine Nachtmusik" gespielt werden, außerdem sollte kein Stück wiederholt werden. Deshalb führte Jambor eine vollständige Kartei mit allen je beim Kammermusikkreis gespielten Werken.

Bis 1985 geleitet

Das Konzept überzeugte. Die Abonnentenzahlen stiegen, und viele Musikliebhaber besuchten die Konzerte. Andere Städte wie Amberg und Weiden stellten daraufhin ihre eigene Kammermusikreihe auf, aber wegen ihrer Qualität behaupteten sich die Sulzbach-Rosenberger Konzerte in der Gunst der Zuhörer.

Jambor leitete die Reihe bis 1985, dann musste er sich aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Landrat Hans Wagner übertrug den Kammermusikkreis auf die Volkshochschule des Landkreises. Das Sekretariat der VHS erledigte die gesamte Organisation, die Programmverantwortung übernahmen fachkundige Ehrenamtliche.

So gab es über die Jahre viele unvergessliche Konzerte. Einst war sogar die berühmte Sopranistin Jessye Norman in Sulzbach-Rosenberg. Sie stand allerdings nicht auf der Bühne, sondern begleitete die Gebrüder Wrochem, die dort konzertierten. Sie wurde gefragt, ob sie nicht auch auftreten wolle. Jessye Norman äußerte freundliches Interesse und verwies an ihre Agentur. Eine wahre Sternstunde war der Liederabend mit Christa Mayer. Umjubelt war der Auftritt der Flötistin Carina Mißlinger in der letzten Saison. Sie ist der neue Stern am Querflötenhimmel.

Romantik verpflichtet

Manchmal nützt die beste Planung nicht. Heuer sollte ein Violinduo auftreten, aber am Tag vor dem Konzert wurde die Geigerin krank. Der Pianist rettet den Abend mit einem spontanen Klaviersolokonzert. Das Publikum war von der hervorragenden künstlerischen Leistung des jungen Musikers so begeistert, dass er vom Fleck weg für Saison 2016/17 wieder engagiert wurde - wieder als Solist, denn er war einfach großartig.

2013 feierte die Kammermusikreihe 50-jähriges Jubiläum. Damals übernahm Helmut Fischer mit frischem Schwung die künstlerische Leitung. Jetzt leisten Ehrenamtliche auch einen großen Teil der organisatorischen Arbeit. Sie kümmern sich um die Abendkasse, die Garderobe und die Öffentlichkeitsarbeit. Auch in der Ära Fischer ist die Kammermusikreihe dem klassisch-romantischen Repertoire verpflichtet. Dabei legt Fischer besonderes Augenmerk auf Abwechslung und Vielfalt. Jambors strenge Regeln hat er aber aufgegeben: Nach mehreren Jahrzehnten kann man ein Werk wiederholen, und hervorragende Musiker sind beim Kammermusikkreis immer willkommen, auch wenn sie aus der Oberpfalz stammen.

Konzertreihe hat guten Ruf

Bei den Künstlern, berichtete Fischer zufrieden, hat die Konzertreihe einen guten Ruf. Viele Musiker wenden sich an ihn, weil sie hier spielen möchten. Sie loben die schöne Atmosphäre, das aufgeschlossene Publikum und das anschließende gemeinsame "Apres-Concert", wo sie sich bei einem guten Bier mit den Zuhörern auszutauschen können. So ist die Kammermusikreihe seit 53 Jahren ein Leuchtturm in der hiesigen Kulturlandschaft, der weit in die Region ausstrahlt.

Die Kammermusikreihe kann bei der VHS Amberg-Sulzbach (Obere Gartenstraße 3) abonniert werden, Telefon: 09661/80294 und E-Mail: info@vhs-as.de.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unterTelefon: 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0 und unter www.nt-ticket.de.
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