Ein gelungener Spagat
Rotbarts heimliche Liebe

In eine packende Welt voller Mythen und Sagen entführten die erzählende Autorin Barbara Reik (links) und die Wäscherin Rosa die Gäste im Volkert-Kulturstadl. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
05.06.2016
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Die Geschichte spielt im 12. Jahrhundert und ist wenig mehr als eine Sage. Wiedergegeben wird die mittelalterliche Liebesgeschichte des Kaisers Barbarossa mit der Wäscherin Rosa mit den technischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts. Ein gelungener Spagat.

Als Lesung aus dem Büchlein "Barbarossa und die Wäscherin" von Barbara Reik angekündigt, wird daraus weit mehr. Im Kulturstadl der Buchhandlung Volkert gibt es an diesem Abend Theater, Musik, Gesang, Tanz, Hörspiel, Bilder und eine Welt der Sagen und Geschichten des Mittelalters.

Mythos Barbarossa


Die Göppinger Autorin, aufgewachsen in der Umgebung des Hohenstaufen, fühlt sich dem Mythos um Rotbart Barbarossa verbunden. Mithilfe historischer Quellen hat sie einen Kurzroman geschrieben, in dem "die Wahrheit weit weg ist", dessen Inhalt aber immerhin mit zwei Sätzen in der Sagen-Sammlung über Kaiser Barbarossa erwähnt wird.

Seiner heimlichen Liebe solle der Staufer Kaiser die Burg Wäscherschloss geschenkt haben, nachdem er die Wäscherin Rosa am Bach im Beutental erstmals und später immer wieder gesehen hat, erzählt Barbara Reik. Heute noch ziere die Wäscherin das Wappen der Gemeinde Wäschebeuren, und die Bewohner des Ortes seien stolz auf ihre Sage. "Über Barbarossa ist schon vieles erzählt worden", räumt Buchhändler Ralf Volkert anfangs ein, bewundert aber gleichzeitig den Mut und das Geschick der Autorin, "in Zeiten, in denen immer weniger Bücher gekauft werden", in einem Kurzroman Geschichte lebendig werden zu lassen. Den Bezug darin zu Sulzbach-Rosenberg zeigt Reik in der Rolle der Herzogtochter Gertrud auf, einer Schwester von Bertha, der späteren Kaiserin von Byzanz. Die historischen Gegebenheiten werden immer wieder angereichert mit aktuellen Bezügen und heimatkundlichen Aspekten.

Den Part der Wäscherin hat als Sängerin, Sprecherin und Harfinistin Simone Thiel. In ihrer Rolle sorgt sie dafür, dass der König nicht immer, aber in vielen Dingen, seine Sichtweise ändert. "Ich wünsch mir ein Schlössle für mich ganz allein", singt sie am Bach im Beutental. Der Sage nach soll sie es bekommen haben, nicht aber ein Happy End, denn Jahre später ertrinkt ihr geliebter Rotbart in einem Fluss in Südanatolien.

Im Buch liefert ein Glossar zusätzliche Informationen zu den agierenden Gestalten und den genannten Plätzen. Auf einer Landkarte kann der Leser den Spuren Barbarossas und der Wäscherin zu den Originalschauplätzen folgen. Beiden, Barbara Reik und Simone Thiel, gelingt es mühelos, die Gäste im Kulturstadel in ihren Bann zu ziehen. Es ist nicht nur die Geschichte dieser heimlichen Liebe, es ist die Sprache und Ausdruckskraft der Protagonisten, es sind die selbstgeschneiderten mittelalterlichen Kostüme, das weiche Harfenspiel und der Gesang der Wäscherin, der Tanz der Erzählerin mit dem Schwert des Königs, die im rustikalen Ambiente des alten Gemäuers so authentisch wirken. Ergänzt wird die Lesung durch Bilder von Originalschauplätzen wie dem Hohenstaufen und der Hohenstauferburg, dem Wäscherschloss und dem Kloster Lorch.

Büchlein zum Dank


Statt Blumen übergibt Ralf Volkert am Ende dieses unterhaltsamen Abends als Dankeschön an Barbara Reik das Büchlein "Bertha von Byzanz", ein Kinderbuch sagt er, "da ist auch nicht alles wahr", als Anregung zum Weiterschreiben und den Band "111 Orte in der Oberpfalz, die man gesehen haben muss" zum Wiederkommen..

HintergrundEinfacher als gedacht, so Barbara Reik, verlief die Suche nach einem Verlag, der ihr Buch und gleichzeitig ein Hörbuch darüber herausbringt. Sie fand den Audio- und Buchverlag Martin Dehling und die Multimedia-Agentur "Yellow King Productions" aus Sulzbach-Rosenberg. Diese stellte nicht nur den passenden Geräusch-Teppich aus ihrem Fundus für die Untermalung der beiden professionell produzierten CDs bereit, sie war letztendlich für das Gesamtpaket von Druck-und Audioausgabe verantwortlich. "Die waren so richtig mit Herzblut dabei", lobt Reik. (hka)
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