Ein Musiker krank, Noten verschwunden und Technik spielt verrückt
SRIMF überspielt alle Probleme

Anca Nicolau ließ ihre Geige mit Eleganz und Gefühl singen. Pianistin Marina Primachenko begleitete sie mit lyrischer Ausdruckskraft.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
09.08.2016
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Das ist wohl der Alptraum für jeden, der ein Konzert organisiert: Ein Musiker krank, die Noten weg - und dann spielt auch noch die Technik verrückt, fahren die Verdunkelungsrollos unkontrolliert hoch und hinunter. Aber das erste SRIMF-Meisterkonzert überspielte alle diese Probleme einfach.

Eigentlich sollte der Geiger Andrzej Grabiec spielen, der aber wegen Krankheit nicht in die Herzogstadt kommen konnte. Das Programm musste also komplett umgestellt werden. Weil das Sulzbach-Rosenberg International Music Festival aber aus einer Fülle herausragender Musiker schöpfen kann, war das Publikum nicht enttäuscht, sondern konnte sich über neue Entdeckungen freuen.

Die Violinistin Anca Nicolau und die Pianistin Marina Primachenko eröffneten den Abend mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate für Violine und Klavier e-moll Nr. 21. Mit Eleganz und Gefühl ließ Nicolau ihre Geige singen und wurde mit lyrischer Ausdruckskraft von Primachenko begleitet. Prachtvoll war die dramatische Steigerung zum Schluss. Nach diesem schönen Auftakt betrat der Star des Abends, Jean-Bernard Pommier, die Bühne. Der französische Pianist von Weltrang fesselte die Zuhörer mit Ludwig van Beethovens Klaviersonate "Appassionata". Wilde, dabei aber immer absolut präzise Leidenschaft machte seine Interpretation zu einer musikalischen Sternstunde.

Feinsinnige Dynamik


Im tiefgründigen 2. Satz baute er eine starke Spannung auf. Mit feinsinniger Dynamik und durchdachter Phrasierung hielt er das Publikum in seinem Bann. Scheinbar impulsiv, jedenfalls explosiv entlud sich schließlich der atemberaubende Sturm des 3. Satzes. Großartig! Vielfältig und überaus farbig gestaltete Pommier Frédéric Chopins Scherzo Nr. 2. Hoch virtuos erfüllte er den Saal mit wuchtigen Klängen, aber auch zärtliche Träumerei und ausgelassenen Gefühlsüberschwang machte er erlebbar.

Ganz anders konnte man Pommier bei Franz Schuberts "Arpeggione-Sonate" erleben. Jetzt war er nicht mehr der ausdrucksstarke Solist, sondern ein einfühlsamer Begleiter für den Cellisten Misha Quint. Er wollte nicht mehr mit dem Flügel die Zuhörer faszinieren, sondern den Streicher ins rechte Licht rücken. Quint spielte hingebungsvoll, mit geschlossenen Augen.

Er schmiegte sich an sein Cello, schien mit ihm zu verwachsen und verzauberte mit seinem berühmten singenden Ton. Diese Meisterschaft mit dem Bogen ließ vor allem im 2. Satz die dunklen Töne voller Sehnsucht zu einem Herzenserlebnis werden. Aber auch später der wilde Galopp und die tänzerische Leichtfüßigkeit waren eine wahre Freude.

Große Ovationen


Die Zuhörer klatschten begeistert. Immer wieder mussten Quint und Pommier auf die Bühne zurückkommen. Schließlich gab es stehende Ovationen für alle vier Musiker. Das nächste SRIMF-Ereignis ist das zweite Preisträgerkonzert der Meisterklasse-Studenten heute um 19.30 Uhr im Rathaussaal. Am Donnerstag, 11. August, folgt dort das zweite Professorenkonzert.
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