Einige Schätze gehoben
Einige Schätze gehoben

Pfarrer Klaus Haußmann (rechts) war der Experte für die Bewertung von Porzellan, Steingut und Glas. Er ordnete diese Reiter und Soldaten in Gardeuniformen als Porzellanarbeit aus Thüringen ein. Bild: cox
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
20.04.2015
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Hochbetrieb herrschte bei der Neuauflage der Kunst-Veranstaltung "Familienschätze neu entdeckt" mit Pfarrer Klaus Haußmann im Stadtmuseum. Spannende Momente gab auf beiden Seiten, beim Experten sowie bei den Besitzern der Erb- oder Sammlerstücke aus Porzellan und Glas.

Ob goldiger Erbteller, Alltagsgeschirr, Bierkrug oder Figurengruppe, Kunstkenner Haußmann gab bereitwillig und geduldig Auskunft. Viele Besucher gingen erneut auf Spurensuche in Haus und Keller und brachten ihre "Schätze" in Körben, Taschen und sogar Koffern in die historischen Räume des Stadtmuseums.

Im Viertelstundentakt, ohne Unterbrechung, nahm der versierte Kenner die mitgebrachten Stücke am Nachmittag bis zum Abend genauer unter die Lupe. "Wenn diese Vase in der Zeit um 1775 entstanden ist, dann wäre sie heute sehr, sehr teuer!", stellte Haußmann bei der Betrachtung eines besonders schönen Exponates zu Beginn fest.

Eingehende Prüfung

Nach eingehender Prüfung der am Boden angebrachten Porzellanmarke sowie Feststellung weiterer Details (Farbe und Dekor) stellte sich heraus, dass die Prunk-Vase mit dem handgemalten Schäfer- und Blumenmotiv, erst gute hundert Jahre später hergestellt wurde. "Diese Kamingarnitur gab es als Paar. Die Suche nach der zweiten Vase wäre eine interessante Aufgabe für sie", riet Haußmann abschließend der Besitzerin.

Kuriose und rührende Geschichten erzählten die Menschen an diesem Nachmittag, wie sie in den Besitz ihrer persönlichen Schätze kamen. Die elegante Porzellandarstellung "Gute Freunde", (nacktes Mädchen mit Reh, um 1935/40), erlitt durch die Unachtsamkeit einer Zehnjährigen 1948 eine Beschädigung. Das gute Stück ließ die Familie wieder perfekt reparieren. "Madonna della Sedia" ein Motiv des berühmten italienischen Malers Raffael auf einer Porzellanfliese von Hutschenreuther aufgebracht, war religiöses Erinnerungsgeschenk eines Geistlichen an ein befreundetes Ehepaar. Krieg und Vertreibung entpuppte sich als Hintergrundgeschichte für eine Schale mit Rubinglas aus einer böhmischen Glasfabrik.

Ob Bierkrug mit Motiv der Stadt Nürnberg oder "goldiges" Erbstück in Form eines Tellers, Kaffeegeschirr mit und ohne Marke, Porzellan aus Meißen, Thüringen oder der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin, alles nahm Pfarrer Hausmann genauestens unter die Lupe. Zu allen Objekten gab es eine geschichtliche Einordnung. Auch Ratschläge mitunter zur Entfernung von Kleberesten auf Porzellan durften die Besucher mit nach Hause nehmen.

Oberpfälzer Keramik

Weil Pfarrer Haußmann auch ein Sammler von Keramik aus der Oberpfalz ist, freute er sich besonders über ein Kaffeegedeck aus der Steingutfabrik Hirschau, das er anhand des Dekors sicher einordnen konnte.

Erst am Ende des Besucherreigens konnte Pfarrer Haußmann einmal kräftig durchschnaufen. Die Organisatoren bedankten sich bei ihm und bestätigten, dass die Co-Produktion von Förderverein und Stadtmuseum auch in diesem Jahr wieder eine gelungene Sache war.
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