Ensemble "Quintoli Anchi" in der Berufsfachschule
Oboen-Oktett begeistert

Von Wiesbaden nach Sulzbach-Rosenberg: das Oboen-Ensemble "Quintoli Anchi". Bild: bbo
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
13.04.2016
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Ein absolut hörenswertes und in vielerlei Hinsicht auch bemerkenswertes Konzert, dazu noch in einer außergewöhnlichen Besetzung, lieferte das Oboen-Ensemble "Quintoli Anchi" aus Wiesbaden in der Berufsfachschule für Musik ab. Das Ensemble gründete sich 1998, damals mit fünf Mitgliedern: Zwei Oboen, zwei Englischhörner und ein Fagott.

So fanden sie auch zu ihrem Namen, der sich aus der Zahl fünf und dem italienischen Wort für Doppelrohrblätter zusammensetzt. Nach und nach erweiterte sich die Besetzung auf nunmehr neun Instrumentalisten, viele von ihnen sind hauptberuflich als Musiker tätig. Eines der Mitglieder, Frieder Uhlig, war vor Jahren selbst Schüler an der Berufsfachschule für Musik. Er belegte dort die Hauptfächer Oboe und Klavier, die er später in Wiesbaden studierte. Seiner Vermittlung war es zu verdanken, dass das Ensemble in Sulzbach-Rosenberg konzertierte.

An diesem Abend jedoch begeisterte "Quintoli Anchi" das Publikum als Oktett. Die Künstler boten dem Publikum eine vielfältige Zeitreise durch die Musikgeschichte. Sämtliche Stücke wurden von den Ensemble-Mitgliedern, Christine Kalisch-Siemers und Werner Köhler, gekonnt und geschickt arrangiert, so dass sie für die Besetzung absolut stimmig waren.

Saubere Intonation


So bunt gemischt wie das Programm ist auch das Ensemble selbst, doch die mitunter großen Altersunterschiede bieten dem musikalischen Zusammenspiel kein Hindernis. So überzeugten die Bläser durch saubere Intonation, schönen Klang und durch ihre sichtbare Freude am Musizieren.

Rhythmisch pikantes Spiel mit leichter und pointierter Tongebung wechselte ab mit schönen Kantilenen, elegischen Stimmungsbildern und abwechslungsreichen Klangfarben.

Spürbare Bildhaftigkeit


Kam bei Samuels Scheidts Canzone die Consort-Idee der verschiedenen Instrumentengruppen und -farben bestens zum Ausdruck, versprühte Johann Wenths Quartettsatz bereits frühklassischen Charme. Josquin des Pres beeindruckte mit warmen dunklen Farben und spürbarer Bildhaftigkeit.

"Trois Pieces" (drei Stücke) von Eugene Bozza wurden ebenso humorvoll vorgetragen wie sie angelegt sind, während die Schützmotette "Singet dem Herrn" ein Lehrbeispiel für Transparenz doppelchöriger Struktur, dynamischer Schattierung und Artikulation darstellte.

Zwischen den Stücken trug Franz-Josef Wahle, Oboe und Englischhorn, hin und wieder passende Gedichte von Wilhelm Busch vor, was beim Publikum gut ankam und die Gemüter erheiterte.

Zu Beginn der zweiten Hälfte zog das Ensemble mit "Oblivion" von Astor Piazolla das Publikum in seinen Bann. Diese recht ungewöhnliche Instrumentierung jedoch war keine leichte Kost. Das Arrangement über Richard Krams "Insekten-Anthologie", ursprünglich für Klavier geschrieben, interpretierten die Musiker mit viel Witz und Charme und manch ein Zuschauer konnte sich das Schmunzeln nicht vergreifen, als er der musikalischen Metamorphose einer Raupe zum Schmetterling lauschte.

Zum Abschluss glänzten die Bläser mit Schlagern wie "Veronika, der Lenz ist da", "Ein Freund, ein guter Freund" und "Bei mir bist du schön". Als Zugabe wählte das Ensemble einen weiteren bekannten Evergreen und lud zum Mitsingen ein: "Ich wollt, ich wär' ein Huhn". Das Publikum verließ beschwingt das Konzert, froh, eine solch außergewöhnliche Darbietung gehört zu haben.
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