Ernst bleibt hinter den Schulmauern
Lehrerkonzert mit bewegende Melodien, Rhythmen und Humor

Eine mitreißende musikalische Weltreise voller Überraschungen starteten Sylvia Schulz, Lisa Milyukova, Viktoria Dechant und Uwe Stein (von links).
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
01.03.2016
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Stefan Frank machte beim SMS-Lehrerkonzert nicht nur seiner Klavierpartnerin Lisa Milyukova gute Laune.

Wenn die Lehrkräfte der Städtischen Sing- und Musikschule (SMS) die Bühne im Rathaussaal füllen, gibt es für das Publikum nicht nur bewegende Melodien und Rhythmen, sondern auch mal mehr, mal weniger Information zum ausgewählten Beitrag. Das kam gut an, zumal die ernste pädagogische Seite an diesem Tag außen vor gelassen wurde.

Die charmante Lässigkeit erstreckte sich allerdings nicht auf das ambitionierte Programm, das vom Speinsharter Bläseroktett mit Fagottistin Elizabeth Schmid und einer Uraufführung eröffnet wurde: Komponist Rudolf Leberl hatte seiner sudetendeutschen Heimat die erdig verwurzelte Serenade gewidmet, die nur dank beherzter Helfer ihren Weg in den Westen und zugleich doch ins (Fast-)Vergessen fand. Und ja, man sei trotz neun Personen auf der Bühne ein korrektes Bläseroktett - die Bassstimme läuft sozusagen außer Konkurrenz.

Micky-Mouse-Prinzip


Das Leben und Leid von Alexander Skrjabin beschäftigte hingegen schon deutlich mehr Musikwissenschaftler und Musiker. Dieser Riege darf sich auch Pianistin Lisa Milyukova zurechnen, deren Leidenschaft für den Schwerpunkt-Komponisten ihrer Masterarbeit in Wort und Ton klar zutage trat. Dass Michael Kämmle für die Barockmusik und insbesondere die Blockflöte brennt, ist bekannt. Gemeinsam mit Andreas Schmidt am Cembalo und einem historischen Flötennachbau gab er eine Sonate aus "Der Getreue Music-Meister" von Georg Philipp Telemann - gewissermaßen einem musikalischen Vorgänger des Micky-Mouse-Fortsetzungsprinzips, wie zu erfahren war.

Für brodelnde Stimmung und viel Gelächter vor der Pause sorgte das Streichquartett um Richard, Tatjana, Albert und Eugen Hubert. Auf Temperatur gebracht mit einem Brahmschen "Ungarischen Tanz" ging es auf zur "Copacabana".

Der Irrtum, Barry Manilow habe mit diesem Superhit dem legendären, brasilianischen Strandleben ein Denkmal gesetzt, war schnell ausgeräumt. Der New Yorker Rotlicht-Bar-Tänzerin Lola hätte aber die scharfe Hubert-Version sicher genauso gut gefallen wie das schmalzige Original. Gitarrist Andreas Fischer ließ beim anschließenden "Still Awake" nur sein Instrument sprechen, das jedoch überraschend vieler verschiedener Ausdrucksweisen mächtig war. Susanne Wessel erfüllte mit Viktoria Dechant am Flügel zwei von Leidenschaft geprägte Gabriel Fauré-Lieder mit dem kraftvollen Ausdruck einer bemerkenswerten Stimme.

Pfiffige Interpretation


Mit einem meisterlich schwelgenden, üppigen und eleganten "Nocturne" von Frédéric Chopin bereitete Pianistin Gabriele Werner den Weg vom Abend hinein in die Nacht. Etwaigen Schläfrigkeitserscheinungen ließ Saxofonist Stefan Frank jedoch keine Chance: Seine pfiffige Interpretation von Jules Demerssemans "Fantasie sur un thème original" entlockte nicht nur Klavierpartnerin Lisa Milyukova ein Lächeln.

Gitarrist Uwe Stein verneigte sich vor dem vor fast genau zwei Jahren verstorbenen Flamenco-Gott Paco de Lucia mit der eigenen Hommage "Fragmentos". Den krönenden Schlusspunkt unter den von Kennern und Könnern geprägten Abend setzten die Sängerinnen Sylvia Schulz und Lisa Milyukova zusammen mit Viktoria Dechant am Akkordeon und Uwe Stein an der Gitarre.

Auf einen zart melancholischen jüdisch-amerikanischen Tango folgten großes Ohren-Kino aus dem Kult-Film "Orfeo Negro" und der russische Gassenhauer schlechthin - die unverwüstlichen "Schwarzen Augen". Zurück zur Wehmut führte die Zugabe, die sich Uwe Stein für seinen letzten Auftritt vor dem Ruhestand gewünscht hatte: "The last thing on my mind" von Tom Paxton.
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