Erstes Preisträger-Konzert beim SRIMF
Mit Pflaster an den Fingerkuppen

Als SRIMF-Begleiterin der ersten Stunde eröffnete Bratscherin Geeta Nazareth mit Pianist Ian Tomaz das erste Konzert der ausgewählten Studenten.
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
07.08.2016
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Jetlag, Fremdelei oder Lampenfieber? Nicht bei den ausgewählten Studenten des Sulzbach-Rosenberg International Music Festivals (SRIMF), die sich und ihre musische Gabe bei ihrem Gastspiel im Rathaussaal von der allerbesten und bereits recht professionellen Seite präsentierten.

Zur Aufführung kamen durchweg hoch komplexe, in weiten Teilen schon ans Artistische grenzende Werke, an die sich nicht unbedingt jeder heranwagen würde - schon gar nicht auf einem fremden Kontinent nach langer Anreise und mitten in einer intensiven Proben- und Übungsphase. Aber wie gesagt, die SRIMF-Studenten sind da alle aus hartem Holz geschnitzt.

Sehr unterschiedlich dagegen die Ausstrahlung der jungen Künstler wie sich insbesondere bei den Pianisten beobachten ließ, die das größte Kontingent des ersten, solistisch ausgerichteten Konzertabends stellten. Während Naho Doi eine sehr introvertierte Vorstellung mit der "Novelette" von Robert Schumann gab, erwies sich die Kollegin Miki Sumita bei ihrer knackigen Prokofjew-Interpretation als das genaue, extrovertierte Gegenteil. Brian Grothues illustrierte die südländische Lebensfreude seiner temperamentgeladenen Albéniz-Kostprobe mit gut sichtbaren Ringelsocken. Xin Zhang hingegen verzichtete auf jeden, in den Vorjahren oft auffallenden optischen Schnickschnack und peitschte dafür mit verpflasterten Fingerkuppen und aller Kraft eine Bach-Busoni-Chaconne aus dem Rathausflügel, die dem Publikum den Atem stocken ließ.

Mit viel Kontrast


Die Streicher-Abteilung vertraten der junge Christopher Conger, dessen versierte Darbietung von Fritz Kreislers "Sicilienne" und "Rigaudon" ebenso zu den "Aha-Erlebnissen" des Konzerts zu rechnen ist wie Ta Tan Huangs feuersprühender Sibelius-Violinkonzert-Ausschnitt, den Marina Primachenkos dunkle Klavierbegleitung zusätzlich kontrastreich unterstrich.

Selten zu hören und in der Gesamteleganz bemerkenswert auch schon das Eröffnungsstück des Abends, eine Brahms-Sonate mit Geeta Nazareth, einer treuen SRIMF-Begleiterin von der ersten Stunde an, an der Viola und Ian Tomaz am Klavier. Ganz allein auf der Bühne stellte sich Kevin He den nicht zu unterschätzenden Anforderungen der zweiten Solo-Suite für Violoncello aus dem Johann-Sebastian-Bach-Werkschatz.

Für die vokale Unterhaltung zeichnete Bariton Thomas Szidloski verantwortlich, der mit Chenny Gan am Flügel drei ausdrucksstarke Lieder aus dem Zyklus "Let Us Garlands Bring" intonierte.

Dass man sich aber auch in der Oberpfalz nicht verstecken muss, was musikalisches Können betrifft, bewies Katharina Scharnagl den Gästen aus Übersee. Für eine Suite von Charles-Marie Widor ließ sie kurz ihre Tätigkeit als Festival-Assistentin ruhen und überzeugte stattdessen als begabte Querflötistin.
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