Evi Strehl singt und spielt am Goglhogf
Zsammg’hockt und g’redt

Gerngesehener Gast auf dem Goglhof: Evi Strehl (links) lud mit Liedern und Geschichten zum "Eva-Solo" ein. Bild: hka
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
06.10.2016
85
0

Trotz eines Melkschemels als letzter Sitzgelegenheit und der "Kunst des Schlichtens" muss ein Bürgermeister wieder gehen, er findet keinen Platz mehr im proppenvollen Goglhof. Der Grund ist "Eva-Solo" - das musikalische Gastspiel einer "ausgewanderten Oberpfälzerin".

Von Helga Kamm

Sulzbach-Rosenberg/Eberhardsbühl. Sie hält, was sie versprochen hat: Einmal im Jahr kommt Evi Strehl, Redakteurin beim Bayerischen Rundfunk, Liedersammlerin und Musikantin, zu einem Gastspiel auf den Goglhof. Zugkraft "bis über die Berge" bescheinigt Hausherrin Margarete Jäkel der ehemaligen Edelsfelderin und Kreisheimatpflegerin, die seit 13 Jahren in München lebt und arbeitet.

Dass genau vor 25 Jahren am Tag der Deutschen Einheit der Goglhof den Besitzer gewechselt hat, ist für Margarete Jäkel ein denkwürdiges Jubiläum - für Evi Strehl Anlass, diesen Tag auf ihre Art zu gestalten. Zither und Akkordeon sowie Text- und Notenblätter hat sie mitgebracht, Familienmitglieder und Freunde sind unter den zahlreichen Gästen, und dass Hans-Jürgen Strehl, ihr Bruder und Edelsfelder Bürgermeister, keinen Platz mehr findet, nimmt sie gelassen hin.

Sie gestaltet lässig und souverän einen Abend, an dem es auch ums Singen geht, mehr aber eigentlich um Geschichten und Geschichte, um Informationen und Visionen. Zum Beispiel um einen "Tag der Bayerischen Einheit".

Thema Reinheitsgebot


Sie trägt den "Oberpfälzer Psalm" vor und erzählt von der Regensburgerin Barbara Blomberg, Mutter von Don Juan de Austria, einer der "bayerischen Amazonen", die "fröia scho dou hom, wos gwöllt hom". Sie widmet sich ausführlich dem Bier-Thema "500 Jahre Reinheitsgebot" und nennt die volkstümlichen Bezeichnungen für die verschiedenen Stadien der Trunkenheit, von Surer, Dampf bis Fetzn-Rausch. Die Umstände, dass nicht nur Kreisheimatpfleger Dieter Dörner zahlreiche Informationen zum Thema Hopfen und Malz beisteuert, dass auch andere Gäste übers Bier was zu sagen haben und dass es recht warm ist in der Goglhof-Stube, lösen schließlich beim Freundeskreis-Vorsitzenden Hermann Gnahn die Sorge aus, der Bierkasten draußen im Gang könne vorzeitig leer sein.

Evi Strehl hingegen lässt einen Trinkspruch los, erzählt von den Bierpanschern, die auf der Geisterburg Stockenfels für ihr nach Mord und Brandstiftung drittschlimmstes Verbrechen büßen müssen und freut sich, dass der Abend so abläuft, wie es früher war: "Ma is zammghockt und hout gredt, so wöi mia heint". Zwischendurch greift sie zur Zither oder zum Akkordeon, spielt den "Alten Steierer", "die herrliche Rose" oder ein Menuett. Immer wieder kommt sie zurück auf den Tag der Deutschen Einheit und ruft zu einem "Tag der Bayerischen Einheit" auf.

Alle Bezirke dabei


Sie hat Noten und Texte von Liedern aus allen bayerischen Regierungsbezirken dabei und spielt und singt mit ihren Gästen von den "Ratschatn Leut" aus Oberbayern über das "Schwobamädla" und das "Heinerla" aus Oberfranken bis hin zum gefühlvollen Abschlusslied "Wahre Freundschaft soll nicht wanken", das die meisten Goglhof-Freunde kennen und aus voller Kehle mitsingen. "Dankschöi, kummts guat hoim", gibt sie ihren Gästen mit auf den Heimweg.

Für einen "wunderbaren und dem Tag der Deutschen Einheit entsprechend würdevollen Abend" dankt Hermann Gnahn, der Vorsitzende der Goglhof-Freunde, Evi Strehl und bittet: "Bleib uns erhalten als Oberpfälzer Bastion mitten im Oberbayern!"

Vorschau: Goglhof-ProgrammFreitag, 14. Oktober, trägt um 19 Uhr Josef Rotkäppel aus Vilseck im Goglhof Gedichte namhafter deutscher Dichter vor.

Freitag, 21. Oktober, geht es um 19 Uhr um den Baum des Jahres, die Winterlinde, gestaltet von Apothekerin Helma Koch und dem Flötenensemble Rosenholz.


Drei Fragen an Evi StrehlFrau Strehl, welchen Stellenwert hat beim Bayerischen Rundfunk die traditionelle Volksmusik und wie kommen die Musikanten aus der Oberpfalz dabei weg?

Evi Strehl: Im Digital-Programm BR-Heimat hat die traditionelle Volksmusik den größten Stellenwert. Daneben gibt's aber natürlich auch noch Sendungen für die Blasmusik und Tradimix-Freunde. Die Oberpfalz ist anteilig angemessen vertreten, am meisten natürlich in meinen eigenen täglichen Sendungen von 16 bis18 Uhr und bei meinen freitäglichen Studiogästen zur selben Zeit.

Wie gut sind Ihre Verbindungen in die alte Heimat Edelsfeld und Sulzbach-Rosenberg?

Die Verbindungen sind unverändert gut und stark. Mich besuchen viele alte Freunde in München, und ich selbst fahre, so oft es geht, in die Oberpfalz. Meinen zweiten Wohnsitz habe ich bei meinem Bruder Hans-Jürgen in Edelsfeld.

Werden Sie selbst auch künftig aktiv bleiben und Kostproben Ihres persönlichen Volksmusikschatzes geben?

Aber natürlich. Es gibt viele feste Musiktermine wie auf dem Goglhof, bei der Edelsfelder Kirwa und in der Sulzbacher Christuskirche beim Adventsingen, heuer am 17. Dezember. Aber auch Moderationen im Freilandmuseum Neusath Perschen, übernehme ich. Vorträge bei Kindergärtnerinnen-Fortbildungen in Regensburg und Referententätigkeiten im Volksmusikbereich stehen dabei an vorderster Stelle. Das wird so bleiben und in den nächsten sechs Jahren (bis zur Pension) möglichst noch ausgebaut! (ge)
Weitere Beiträge zu den Themen: Volksmusik (75)BR Heimat (3)Volkslieder (2)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.