Flötenladies begeistern ihre Zuhörer mit Musik ganz unterschiedlicher Richtungen
Brasilianische Zugabe

Die Flötenladies unter der Leitung von Ulli Dziwinski (links) bereiteten den Liebhabern anspruchsvoller Blockflötenmusik einen genussreichen Abend. Bild: cog
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
12.10.2016
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Mit Musik aus fünf Jahrhunderten erfreuten die Flötenladies ihr Publikum im fast voll besetzten Saal der Städtischen Sing- und Musikschule. Die neun Frauen um Ulli Dziwinski überzeugten mit technischem Können und sicherem Gespür.

Blockflöten aller Größen erklangen. Die helle Sopranflöte war nur einfach besetzt, die Alt-, Tenor- und Bassflöten mehrfach. Ihr warmer Klang umschmeichelte die Ohren der Zuhörer. Sehr beeindruckend war die zwei Meter hohe Subbassflöte, deren tiefe Töne fast an eine dunkle Orgelstimme erinnerten. Meist dirigierte Dziwinski; manchmal ergänzte sie aber auch mit einer Sopran- oder Bassflöte.

Ein Schwerpunkt im Programm lag auf Ragtimes. Sie wurden normalerweise für Klavier solo komponiert, aber auch in der Bearbeitung für Blockflöten kommt ihre Spritzigkeit und Spannung gut zur Geltung. Gerade beim "Rag Alley Dream" von Mattie Harl Burgess spielten die Ladies mit Augenzwinkern und Humor.

Auch bei Adeline Sheperds "Wireless Rag" meisterten sie die rhythmischen Herausforderungen souverän. Zum Schluss hin wurden sie immer schneller, die Füße der Zuhörer zuckten, und der wilde musikalische Wirbel zog das Publikum mit.

Johann Strauss schrieb die Ouvertüre für seine Operette "Die Fledermaus" für ein 22-köpfiges Orchester. Diese Vielfalt an Klangfarben und auch Dynamik konnte das Blockflötenensemble nicht erreichen. Aber unter Dziwinskis expressivem Dirigat entfalteten die unsterblichen Melodien ihren Charme, und Walzerseligkeit erfüllte den Saal. Ganz anders waren die Ricercari No. 6 und No. 8 von Pierluigi da Palestrina. Sie verzauberten mit eleganter Polyphonie in warmen Klangfarben.

Besonders reizvoll waren die Klezmer-Stücke, die für ein Blockflötenfestival in England komponiert und teils arrangiert worden waren. Mit dieser traditionellen jiddischen Musik nahmen die Flötenladies die Zuhörer mit nach Osteuropa ins jüdische Shtetl.

Klezmer ist meist Tanzmusik. Die Ladies spielten lebhaft und mitreißend, machten dabei aber Untertöne von Sehnsucht und Tragik hörbar. Ob das schwungvolle "Odessa Bulgar" oder das zärtliche "Dobranotsh", immer vermittelten die Musikerinnen die Seele der Stücke. Mit "Aquarela do Brasil" von Ary Barroso bedankten sich die Flötenladies für den kräftigen Beifall.
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