Fotoausstellung im LCC eröffnet
Armut muss ins Blickfeld rücken

Ein buntes Team von Einrichtungen und Institutionen zeichnete für die Ausstellung "my home is my castle" verantwortlich. Der 1957 in Ungarn geborene Künstler Peter Litvai (Dritter von rechts) schuf diese beeindruckende Fotoausstellung im Landkreis-Kulturzentrum. Bilder: bba (2)
Kultur
Sulzbach-Rosenberg
09.10.2016
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Die Gäste zeigten sich von den fotografischen Werken Peter Litvais stark beeindruckt.

18 großflächige Fotografien im Foyer des LCC: eine beeindruckende Fotoausstellung des in Ungarn geborenen Künstlers Peter Litvai zur Wohnsituation von Menschen mit niedrigem Einkommen. Aber auch eine bedrückende und beklemmende Situation, die schnell die Betrachter dieser außergewöhnlichen Ausstellung erreichte.

Die Bilder sind mit beschreibenden Texten für denkbare Inserate versehen: "Appartement ohne Küche", "Zimmer mit Schimmel für anspruchslose Person", "Bett in Gemeinschaftsunterkunft" oder "15 Quadratmeter Wohnung für alleinerziehende Mutter mit bis zu drei Kindern unter zehn Jahren".

Nach einfühlsamen Klängen argentinischer Tangos oder französischer Musette durch die beiden Musiker Peter Schertl und Zico Gradl begrüßten Elke Wolfsteiner und Theo Wißmüller für das Diakonische Werk die zahlreichen Gäste zur Ausstellungseröffnung.

Für diese besondere Ausstellungsreihe "My home is my castle" mit weiteren Angeboten in den kommenden Tagen waren weiterhin auch die Arbeitslosen- und Schuldnerberatung (vertreten durch Irina Frescher), VHS (Nora Matocza), Selbsthilfegruppe allein Erziehender (Birgit Wittmann), Selbsthilfegruppe Hartz IV (Willi Renner) und Verdi (Manfred Weiß) mit im Boot.

Brisanter Mangel


Die Fotoausstellung setzt sich mit dem Thema "bezahlbarer Wohnraum - Wohnraumqualität" auseinander. In eindringlichen Bildern zeigt der Fotograf und Künstler Peter Litvai Unterkünfte von Personen und Familien in Armutslagen. Die Texte zu den Fotografien wirken wie Zeitungsanzeigen, die den Zustand des Wohnraums beschreiben. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum werde immer brisanter, und diese Ausstellung weise auf die prekären Wohnsituationen hin, mache auch nachdenklich und wolle zu Diskussionen anregen.

"Die Armut ist in Deutschland nicht so offensichtlich, dass sie eher weniger auf der Straße anzutreffen ist", erläuterte Elke Wolfsteiner. Das Projekt dieser Wanderausstellung habe den Künstler Peter Litvai in Privatwohnungen und Obdachlosenheime geführt, dabei seien beeindruckende Fotografien entstanden - Exponate, die auch sehr nachdenklich machen.

"Wenn Leute große Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu meistern, ist das auch ein sozialpolitischer Skandal", betonte Theo Wißmüller. Diese Lebenssituationen müssten ins Blickfeld gerückt werden. Der Sozialpädagoge bemängelte ein Pressionssystem, nicht angepasste Regelsätze, Qualifikationsangebote, die mitunter nach Satire klingen, oder Veränderungen bei Anschaffungen: So könne heute ein Betroffener einen Kühlschrank nicht mehr direkt beziehen, sondern er müsse ihn über ein Darlehen abstottern.

Der Fotograf und Künstler Peter Litvai wurde 1957 in Ungarn geboren und lebt seit über 30 Jahren nahe Landshut, in der dortigen Region sind die Aufnahmen entstanden. "Soziale Themen haben mich schon immer interessiert", erklärte Litvai, gerade Armut könne erdrücken.

Litvai habe die Wohnungen in Begleitung besuchen dürfen, es habe keine Berührungsängste gegeben. In einem guten Jahr seien diese Fotografien mit den zugehörigen "Zeitungsinseraten" entstanden, erklärte der Künstler. Abschließend lud Elke Wolfsteiner zum Imbiss, dessen Erlös Betroffenen zu Gute kommt.

ProgrammDie Organisatoren warben neben der Ausstellung, die noch bis zum 23. Oktober zu sehen sein wird, auch für die weiteren Veranstaltungen wie eine Diskussionsrunde "verkauft, verraten, vergessen" mit einem Impulsreferat von Dr. Friedrich Sendelbeck morgen, Dienstag um 19 Uhr im Foyer des LCC und einen Kabarettabend "Lieber arm dran als Arm ab" mit Lesung am Freitag, 21. Oktober, ab 19 Uhr im LCC, unter anderem mit Eckhard Henscheid, Michl Gölling, Theo Wißmüller und der Bettler-Bigband. (lz/bba)

Wenn Leute große Schwierigkeiten haben, ihren Alltag zu meistern, ist das auch ein sozialpolitischer Skandal.Theo Wißmüller
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